Neues Feuerwehrhaus: Wie das Land Liebenburg unter die Arme greift
In Liebenburg ziehen sich die Aktiven noch neben dem Auspuff um: Die Einsatzkleidung hängt im alten Feuerwehrgerätehaus in der Fahrzeughalle. Foto: Gereke
Rund 8,6 Millionen Euro soll der Neubau des Liebenburger Feuerwehrgerätehauses kosten. Sehr viel Geld für eine klamme Kommune. Welche Unterstützung es jetzt gibt.
Liebenburg. Die Planungen für das Millionenprojekt neues Feuerwehrgerätehaus in Liebenburg schreiten voran. Der Zeitplan nennt Termine für einen möglichen ersten symbolischen Spatenstich und eine Fertigstellung – und aus Hannover erhält die Gemeinde eine Finanzspritze.
Im November hatte das beauftragte Büro erstmals die Eckdaten des Großprojekts vorgestellt, das am Ortsausgang in Richtung Groß Mahner an der Landesstraße 510 entstehen wird. Diese Fläche hatte die Gemeinde dem Land als bisherigen Eigentümer nach langen Verhandlungen für das Projekt abkaufen können. Zur Verfügung steht ein Areal von einem Hektar Größe. Weil die Fläche außerhalb des Steins liegt, der die Ortsdurchfahrt im Zuge der Lindenstraße markiert, wird auf der Landesstraße eine Linksabbiegespur eingerichtet.
Die Visualisierung zeigt, wie das neue Liebenburger Feuerwehrgerätehaus einmal aussehen soll. Insgesamt sieben Tore wird es für die Fahrzeughalle geben. Foto: Die Planschmiede
Das eigentliche Feuerwehrhaus besteht aus einer Fahrzeughalle mit fünf Toren für die fünf Fahrzeuge sowie einem Sozialtrakt mit Schulungsraum und Unisex-Sanitäranlagen – zwischen beiden entsteht ein Verbindungstrakt. Insgesamt zählt die Fahrzeughalle sieben Tore – ein weiteres für eine Waschanlage, die von allen Wehren des Gemeindegebiets genutzt werden soll, sowie für ein Lager. Zum Areal gehört auch eine Übungsfläche sowie eine Erweiterungsoption für das Gebäude. „Die Einsatzfahrzeuge haben eine eigene Ausfahrt, durch die nur ausgerückt werden wird. Zurück von den Einsätzen geht es über die Linksabbiegespur über die reguläre Zufahrt“, hatte Michael Köllner, Geschäftsführer des beauftragten Büros „Die Planschmiede“, erklärt.
Als es am Montagabend erneut um die Planungen ging, standen weitere Details auf der Tagesordnung. Beispielsweise Außenanlagen: Die Alarmausfahrt vor der Fahrzeughalle soll mit einer Bitumenschicht erstellt werden – Bitumen deshalb, weil er die hohen Belastungen durch die schweren Fahrzeuge besser verträgt, informierte Annika Hoffmeister, Ingenieurin beim Büro Damer und Partner. Seitlich entstehen 38 Pkw-Stellplätze, die gepflastert werden. Gehwege werden das Gebäude umfassen, eine Terrasse wird integriert. Zur Ackerfläche, die sich oberhalb des Neubaus über einen Hang erstreckt, werde ein Graben errichtet. Zudem entsteht an der L510 ein unterirdisches Rückhaltebecken, was das gespeicherte Regenwasser gedrosselt abgebe, so Hoffmeister. Dieses Becken wird nicht aus Beton gegossen – „man muss es sich wie Bierkästen vorstellen, die zusammengeklippt und mit einem Vlies ummantelt werden“, verdeutlichte Hoffmeister. Es soll ein Stauvolumen von 70 Kubikmetern haben. Gegen ein offenes Becken entschieden sich die Planer, weil auf dem Gelände Platz dafür fehlt – und die Ummantelung ist notwendig, damit kein drückendes Grundwasser eindringen kann.
Wasser als großes Thema bei den Planungen
Überhaupt war Wasser ein großes Thema bei den Planungen: hoher Grundwasserspiegel, Schichtenwasser, also ein oberflächennahes Wasser, das sich auf einer kaum durchlässigen Bodenschicht staut und deshalb nicht versickern kann, Wasser, das bei Starkregen den Hang hinunterläuft – all das galt es bei den Planungen zu berücksichtigen. „Gegen das drückende Wasser benötigen wir beispielsweise eine abgedichtete Sohlplatte“, erläuterte Köllner.

Nehmen das Geld aus Hannover für den Neubau des Liebenburger Feuerwehrgerätehauses entgegen (v.l.): Liebenburgs Kämmerer Lutz Krusekopf, Bürgermeister Alf Hesse, Staatssekretär Stephan Manke und Christoph Willeke (Landtagsabgeordneter, in dessen Wahlkreis Liebenburg liegt). Foto: Gereke
Ansonsten geht es derzeit im übertragenen Sinne um Feintuning: Fragen rund um Heizung, Lüftung, Elektro oder Brandschutz müssen geklärt werden. Zwei Fragen gilt es auf Wunsch des Bauausschusses, in dem Köllner und Architektin Ilka Rennhack referierten, in den kommenden Wochen noch zu klären: Wäre zur PV-Anlage, die aufs Dach kommt, auch ein Speicher sinnvoll? Und was ist mit einer Kühlung der Schulungsräume, die Richtung Südwesten liegen?
Hochzeit im Harz
Nach 2500 Trauungen ist für Liebenburgs Standesbeamtin Schluss
Zum Zeitplan: Köllner schwebt vor, im März den Bauantrag einzureichen – und hofft auf eine Teilbaugenehmigung im Juni. „Wir wollen möglichst im Spätsommer mit den Erdarbeiten beginnen, sodass wir noch vor dem Winter die Sohle fertigstellen können“, erklärte der „Planschmied“. Bedeutet: „Im August wollen wir den Spaten in die Erde rammen.“ Wenn der Start so erfolgen kann, geht er derzeit von einer Fertigstellung nach zwei Jahren Bauzeit im August 2028 aus.
Bislang kein weiterer Kostenschock
In Sachen Kosten gab es nach dem vorweihnachtlichen Schock, als die auf 8,7 Millionen Euro angestiegene Summe erstmals öffentlich auf den Tisch kam, keine neuen Hiobsbotschaften. Sie ist weiterhin Kalkulationsgrundlage. Und sie soll um geschätzt 45.000 Euro sinken – so viel würde das zunächst vorgeschlagene Gründach kosten, das der Bauausschuss aber abgelehnt hat. „Die jüngere Vergangenheit hat gezeigt, dass es vielleicht die bessere Idee ist, Wasser vom Dach schnell abzuleiten“, spielte CDU-Ausschussmitglied Thomas Guder auf die Probleme bei der Sporthalle Gitterweg mit ihrem Sheddach an. Undichtigkeiten an der Dachkonstruktion führten schließlich zur Sperrung der Halle – sie wird abgerissen und neu gebaut.

Die Grafik zeigt die Lage des Feuerwehrgerätehauses an der Landesstraße 510, von der eine Linksabbiegespur auf das Areal führt. Foto: Die Planschmiede
Apropos Kosten: Da bekommt die Gemeinde nun Hilfe vom Land. Stephan Manke, Staatssekretär des Niedersächsischen Ministeriums für Inneres, Sport und Digitalisierung, überreichte am Tag nach der Ausschusssitzung einen Förderbescheid aus dem Bedarfszuweisungsfonds an die Gemeinde Liebenburg in Höhe von 1,6 Millionen Euro für den Neubau des Feuerwehrhauses. Manke: „Diese 1,6 Millionen sind der Höchstbetrag. Mit der Bedarfszuweisung unterstützt das Land die ehrenamtlich getragene Struktur der Feuerwehr in der Gemeinde Liebenburg.“ Diesen Bedarfszuweisungsfonds gebe es, weil „wir um die Konkurrenzverhältnisse in Kommunen wissen, wenn es um Investitionen in Schulen, Kitas oder Straßen geht und die Feuerwehr dann manchmal hinten runter fällt. Aber: Ohne Feuerwehr kann eine Kommune nicht funktionieren“, erklärte Manke.
Liebenburg ist damit eine von 30 besonders finanzschwachen Kommunen im Land, die das Innenministerium mit Bedarfszuweisungen für besondere Aufgaben in Höhe von insgesamt rund 18,6 Millionen Euro unterstützt. Mit dieser Bedarfszuweisung werden notwendige kommunale Investitionen für abwehrende Brandschutzmaßnahmen bezuschusst.
Erste Förderung dieser Art für Liebenburg
Bürgermeister Alf Hesse erklärte: „Da Liebenburg erst seit letztem Jahr für den Erhalt von Bedarfszuweisungen des Landes berechtigt ist, ist das die erste Förderung dieser Art für unsere kleine Gemeinde. Die finanzielle Lage der Kommunen und die notwendigen Investitionen vor allem in den Brand-, Katastrophen- und Zivilschutz stellen uns vor große Herausforderungen, die nur im gemeinsamen Schulterschluss zwischen Bund, Ländern und Kommunen bewältigt werden können. Von daher freut es mich sehr, dass das Land die Gemeinde Liebenburg beim Neubau des Feuerwehrhauses mit der Höchstfördersumme unterstützt – auch wenn es natürlich nicht annähernd ausreicht, das Haus zu finanzieren“, merkte er angesichts der Gesamtsumme an. Aber die Anforderungen an die Feuerwehren von Umkleiden bis Abständen sind gestiegen. „In Liebenburg ziehen sie sich noch neben dem Auspuff aus – die Fahrzeuge kommen in die Jahre, aber neue passen nicht mehr in die alten Garagen“, fasste Hesse zusammen. Somit dient das Fördergeld dazu, in Liebenburg ein den aktuellen Normen entsprechendes Gebäude zu errichten, das auch zukünftige Entwicklungen berücksichtigt.
Feuerwehr in Liebenburg
Gemeinderat fällt Entscheidung für die Zukunft einer Ortsfeuerwehr
Hintergrund: Bedarfszuweisungen sind gesonderte Finanzmittel innerhalb des kommunalen Finanzausgleichs, die das Niedersächsische Ministerium für Inneres, Sport und Digitalisierung auf Antrag an besonders finanzschwache Kommunen gewährt, damit diese ihre Finanzkraft stärken können, heißt es dazu aus dem Ministerium. Es handelt sich bei den davon profitierenden Kommunen im Wesentlichen um solche, deren eigene Steuereinnahmekraft nicht annähernd ausreicht, um die erforderlichen Mittel zur Deckung der Ausgaben zu erwirtschaften. Bedarfszuweisungen werden ausschließlich Kommunen gewährt, die ihre eigene Konsolidierungsbereitschaft in „überzeugender Weise“ unter Beweis gestellt haben, also sämtliche Ertragsmöglichkeiten hinreichend ausgeschöpft haben und Aufwendungen auf ein notwendiges Maß begrenzen, heißt es dazu in der Erklärung.
Copyright © 2026 Goslarsche Zeitung | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.