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Zwischen Ruhestand und Energiewende

GZ Plus Icon„Ohne Handwerk geht es nicht“ – Nachwuchssorgen und Perspektiven

Zwei Männer stehen vor einer Wand mit einem großen Logo, das den Schriftzug 'SCHMIDT STEAM GmbH' zeigt

Geselle Aaron Theuerkauf mit Elektromeister und Geschäftsführer von Schmidt's Team, Mario Zimmermann. Foto: Heinemann

Der Fachkräftemangel im Handwerk spitzt sich zu. Elektromeister Mario Zimmermann erklärt, warum Betriebe dringend Nachwuchs brauchen und welche Rolle Eltern spielen.

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Von Ronja Heinemann
Sonntag, 08.02.2026, 10:00 Uhr

Döhren. Der Fachkräftemangel im Handwerk ist kein neues Thema – doch es spitzt sich weiter zu. Elektromeister und Geschäftsführer Mario Zimmermann kennt die Situation aus dem Alltag seines Betriebs nur zu gut. „Viele Betriebe sind voll mit Aufträgen. Die können nicht mehr“, sagt er. Zugleich gehe eine ganze Generation erfahrener Handwerker in den Ruhestand. „Wenn jemand seit 40 Jahren im Beruf ist, kann man das nicht einfach mit einem jungen Gesellen auffangen.“ Das Problem: Es kommen nicht genug junge Leute nach.

Dabei, davon ist Zimmermann überzeugt, bietet das Handwerk gerade jungen Menschen große Chancen. „Im Handwerk kann man sein Ziel oft viel schneller erreichen“, sagt er. Wer eine abgeschlossene Berufsausbildung habe und sich anschließend weiter qualifiziere, könne vergleichsweise zügig die Fachhochschulreife oder andere Abschlüsse erlangen. „Das verrät einem nur keiner“, bemängelt er. Im Gegensatz dazu beginne man nach einem Studium nicht selten erst mit rund 30 Jahren richtig zu arbeiten. „Was kann ich denn dann?“, fragt Zimmermann überspitzt.

Handwerk hat Zukunft

Dass das Handwerk Zukunft hat, steht für ihn außer Frage – insbesondere das Elektrohandwerk. „Wir reden über E-Mobilität, über Wärmepumpen, über erneuerbare Energien. Egal, was wir gerade ansprechen: Es ist alles elektrisch“, sagt er. Ohne Elektriker funktioniere keines dieser Zukunftsthemen. „Ohne uns geht es nicht. Und das wird auch so bleiben.“

Eine zentrale Rolle bei der Berufsentscheidung junger Menschen sieht Zimmermann nicht in der Schule (siehe Artikel oben), sondern im Elternhaus. „Was die Eltern sagen, macht der junge Mensch erst mal“, sagt er. Wenn Mutter oder Vater früh vermittelten, dass Studium oder Büroarbeit der bessere Weg seien, sei diese Richtung oft gesetzt. „Ich glaube, in erster Linie müssen die Eltern überzeugt werden.“

Zugleich könnten Schulen wichtige Impulse setzen, vor allem durch frühzeitige Einblicke. Sein Betrieb arbeitet deshalb mit der Oberschule Liebenburg zusammen. Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klassen kommen in den Betrieb und sehen, „was wirklich los ist“. Solche realistischen Einblicke seien entscheidend, um Vorurteile abzubauen. Auch Ausbildungsmessen spielten dabei eine wichtige Rolle. „Mit jungen Leuten kann man da ganz konkret über den Job sprechen.“

Generationswechsel

Dass jüngere Generationen grundsätzlich bequemer seien, sieht Zimmermann nicht so. „Es ist ein Generationswechsel, ja“, sagt er. „Aber mit einem Handy kriegt man halt auch keinen Nagel in die Wand.“ Die Anforderungen an handwerkliche Berufe seien real, und genau das müsse ehrlich vermittelt werden.

Für die Betriebe sei die Situation ebenfalls herausfordernd. Gerade in ländlicheren Regionen stelle sich die Frage der Mobilität. „Viele fangen mit 16 oder 17 an zu lernen. Da muss man sich fragen, wie die überhaupt hierherkommen sollen“, sagt Zimmermann. In Goslar sei das noch leichter, an anderen Standorten hingegen schwieriger.

Hinzu komme, dass sich das Verhältnis auf dem Ausbildungsmarkt verändert habe. „Treffend wäre zu sagen, dass sich die Betriebe fast bei den jungen Leuten bewerben müssen – und nicht andersherum“, sagt er. Trotzdem hätten Betriebe weiterhin gewisse Anforderungen, etwa grundlegende mathematische Kenntnisse. Im Austausch mit anderen Unternehmen höre er, die Probleme seien überall ähnlich.

In die Ausbildung investieren Handwerksbetriebe viel Zeit und Engagement. Bei dem Betrieb „Schmidt‘s Team“ von Zimmermann etwa wurden die Auszubildenden freitags regelmäßig zusätzlich geschult. „Während alle anderen nach Hause gegangen sind, haben die Azubis den Stoff noch einmal durchgearbeitet“, berichtet Zimmermann.

Am Ende bleibt für den Elektromeister eine zentrale Frage: Wie gelingt es, neue Auszubildende zu gewinnen und den Berufsstand langfristig zu sichern? „Das Handwerk darf nicht aussterben“, sagt Zimmermann. Die Voraussetzungen seien gut – nun gehe es darum, junge Menschen und ihre Familien wieder stärker für die Chancen einer Ausbildung zu begeistern.

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