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Verein verbessert das Leben mit Krebs

GZ Plus IconBundesverdienstorden für den Goslarer Eike Hulsch

Eine Frau und Ein Mann stehen vor einer Gruppe sitzender Menschen in einem herrschaftlichen Saal mit Holzfußboden. Die Frau hält eine aufgeschlagene Urkunde, der Mann eine Schatulle.

Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner überreicht Eike Hulsch auf der Rathausdäle das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland nebst dazugehöriger Urkunde. Foto: Kempfer

Eike Hulsch hat sich den Orden verdient: Der 82-Jährige erhält das Bundesverdienstkreuz für seine Unterstützung krebskranker Menschen und ihrer Angehörigen in der Region.

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Von Sabine Kempfer
Freitag, 27.02.2026, 18:00 Uhr

Goslar. Eigentlich war eine ganz andere Ehrung geplant. Als Goslars Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner Eike Hulsch (82), Vorsitzender des Vereins „Leben mit Krebs“ und Gründer der gleichnamigen Stiftung, am Donnerstag das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht, das ihm am 8. Dezember durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verliehen worden war, plaudert sie aus dem Nähkästchen: „Der Rat hatte sich entschieden, ihm auch die Ehrennadel zu verleihen.“ Man habe sich nach kurzem Überlegen entschieden, nicht beides „in einem Abwasch“ zu erledigen. Die Ehrennadel steht also noch aus.

„Der Bundesverdienstorden ist die höchste Anerkennung, die unser Staat für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht“, sagte Schwerdtner und unterstrich die Bedeutung des Ordens. Er werde an Menschen verliehen, die sich „in herausragender Weise für unsere Gesellschaft eingesetzt haben – oft über viele Jahre hinweg, oft im Stillen, oft dort, wo Hilfe dringend gebraucht wird, aber nicht selbstverständlich ist“.

Einer, der „einfach handelt“

„Es sind Persönlichkeiten wie Sie, die unsere Gesellschaft menschlicher, solidarischer und stärker machen“, sagte Schwerdtner; das verdiene Anerkennung. „Wir ehren mit Ihnen einen Menschen, dessen Wirken weit über das Selbstverständliche hinausgeht. Einen Menschen, der Verantwortung übernommen hat – nicht, weil es seine Pflicht war, sondern weil er es wollte, weil er einfach gehandelt hat. Das Engagement ziehe sich durch sein Leben wie ein roter Faden, sagte Schwerdtner; Hulsch haben anderen Halt, Mut und Hoffnung gegeben.

Eike Hulsch, ehemaliger Geschäftsführer beim Getränkelogistiker Trinks, habe über viele Jahre Verantwortung in der Wirtschaft getragen (AGV Harz, IHK Braunschweig); im Mittelpunkt stehe an diesem Tag jedoch vor allem sein ehrenamtliches und gesellschaftliches Engagement, das mit den Pfadfindern begann. Seit 2008 ist Hulsch ehrenamtlicher Vorsitzender des Vereins „Leben mit Krebs Goslar-Salzgitter“, der Krebspatienten in der Region durch vielfältige Initiativen unterstützt, so die Laudatorin, die die Ausweitung des Wirkungskreises begrüßte, denn Mitmenschlichkeit kenne keine kommunalen Grenzen. „Der Verein setzt sich dafür ein, die Versorgung und Lebensqualität krebskranker Menschen zu verbessern, was unter anderem die Organisation von Sportaktionen, Kosmetikkursen, Vorträgen, aber auch die finanzielle Unterstützung in Notlagen umfasst“, führte sie aus.

Stiftungsvermögen erhöht

Dass Hulsch darüber hinaus 2010 auch die Stiftung „Leben mit Krebs Harz“ gründete, hatte finanzielle Gründe, wie er später erläuterte – auf diese Weise konnte mehr Kapital an den guten Zweck gebunden werden.

Einige Menschen stehen in einem mit Menschen gefüllten Raum um einen Stehtisch und trinken Sekt, Wasser und Kaffee.

Im Anschluss an die Übergabe des Ordens wird an den Tischen noch auf Eike Hulsch (rechts) angestoßen. Links im Bild: Ehefrau Barbara Hulsch. Foto: Kempfer

Lag das Anfangsvermögen bei 100.000 Euro, hat es sich heute auf gut 700.000 Euro erhöht. 2024 wurde Hulsch zum Vorsitzenden des Stiftungsrates gewählt. Seit 1984 ist er aktives Mitglied im Lions Club Goslar-Bad Harzburg, dessen Mitglieder in großer Zahl an der Ehrung teilnahmen. Auch dort hat er sich für soziale Projekte eingesetzt. „Was Sie anpacken, dafür setzen Sie sich vehement und erfolgreich ein“, sagt Schwerdtner.

Projekt „Herzenswunsch“

Die Hilfe von krebskranken Menschen ist der Schwerpunkt: Auf Hulschs Konto gehen die Krebsinformationstage ebenso wie die Unterstützung der Onkologie- und Palliativ-Station der Asklepios Harzklinik, aber auch der Selbsthilfegruppe wie der Pink Ladies“ mit ihrem Anti-Brustkrebs-Lauf und das „Projekt Herzenswunsch“. Dass Hulsch mit der Stiftung „verlässliche Strukturen“ geschaffen habe, zeuge von strategischem Denken und Verantwortung. Der Verein konnte in den 20 Jahren seines Bestehens eine halbe Million Euro für Maßnahmen in der Region ausgeben.

Alles steht und fällt mit den handelnden Personen; Schwerdtner hob Hulschs „pragmatische, lösungsorientierte Art“ hervor: „Entscheidungen werden nicht vertagt, Hilfe wird nicht aufgeschoben. Sie handeln leise, aber wirkungsvoll.“ Hulsch habe über viele Jahre hinweg Zeit, Kraft und Kompetenz in den Dienst anderer gestellt, sagte Schwerdtner und griff zur Schatulle. „Der Bundesverdienstorden ist auch ein Symbol dafür, wie viel ein einzelner Mensch bewegen kann, wenn er Verantwortung übernimmt“, sagte Schwerdtner und steckte einem sichtlich gerührten Eike Hulsch den Orden an. Seine Frau Barbara bekam Blumen von der OB und den Dank ihres Mannes: „Ich konnte schalten und walten, wie ich wollte.“

Geehrter ist überwältigt

Ein lachender Mann hält eine Geschenk-Flasche in der Hand und nimmt Umschläge entgegen.

Er hat gut lachen: Eike Hulsch ist Träger des Bundesverdienstkreuzes. Foto: Kempfer

„Ich bin überwältigt“, gestand Hulsch, der Teile seiner vorbereiteten Dankesrede weglassen musste – vieles davon hatte Schwerdtner schon gewürdigt. Er dankte unter anderem dem Golfclub Salzgitter-Liebenburg, der seit 17 Jahren den Platz für das Wohltätigkeitsturnier kostenlos zur Verfügung stelle; so greift ein Rädchen ins andere. Lob gab es auch fürs Medienhaus Krause und die Glücksschweinchen-Aktion, die oft helfen konnte.

„Das Netzwerk in Goslar funktioniert“, stellte Hulsch fest. Bevor gefeiert wurde, hielt er eine Laudatio aufs Ehrenamt und brachte seine Sorge zum Ausdruck, dass die Fixierung auf Smartphone & Co. dazu führen könne, dass sich viele nicht mehr in die Gemeinschaft einbringen. Hulsch hält es für fatal, „wenn jeder nur noch sein Ding macht“.

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