Braunlager Dachmarke: Was denken eigentlich die Bürger darüber?
Auf Broschüren ist die Nennung aller drei Orte vergleichsweise unkompliziert, für die Tourismus-Werbung im Internet oder auf Festen und Messen soll eine schnell erfassbare und einprägsame Dachmarke entwickelt werden. Foto: Nachtweyh/Archiv
Touristiker und Politiker diskutieren seit Monaten über eine gemeinsame Dachmarke für Braunlage, St. Andreasberg und Hohegeiß: Mit welchem Slogan soll künftig geworben werden? Die GZ wollte wissen, wie in den drei Ortsteilen darüber gedacht wird.
Braunlage. Der Kurort Braunlage, die Bergstadt St. Andreasberg und das Bergdorf Hohegeiß sollen künftig nicht nur als Stadt gemeinsam verwaltet, sondern auch als Tourismusdestination mit einer prägnanten Formulierung werbewirksamer vermarktet werden – dafür will die Braunlage-Tourismus-Marketing-Gesellschaft (BTMG) wie berichtet eine sogenannte Dachmarke entwickeln lassen. Unter Touristikern und Politikern wird das Thema seit Monaten heiß diskutiert. Aber die GZ wollte wissen, was eigentlich die Menschen in Braunlage, St. Andreasberg und Hohegeiß von so einer gemeinsamen Dachmarke halten?
Als Ortsvorsteher sind Albert Baumann, Karl-Heinz Plosteiner und Sebastian Hansmann in Braunlage, St. Andreasberg und Hohegeiß gut vernetzt und viel unterwegs. Im Gespräch mit der GZ erzählen sie von dem, was sie hören, wenn es an Stammtischen, bei Feiern oder beim Plausch auf der Straße um die Dachmarke geht. Und das klingt von Ort zu Ort ganz unterschiedlich.
Kein großes Thema
In der Kernstadt sehe die große Masse der Menschen das Thema eigentlich „ziemlich gelassen“, sagt Braunlages Ortsvorsteher Albert Baumann. Er komme tatsächlich viel rum, bestätigt der CDU-Mann, aber ein Stammtisch-Thema sei die Diskussion um die Dachmarke wirklich nicht. „Das brennt hier nicht so“, meint Baumann und weiß auch warum: Braunlage sei davon „ja nicht weiter betroffen“, denn der Name „Braunlage“ werde in der künftigen Dachmarke ohnehin enthalten sein. Darin sei man sich in der Kernstadt einig und deswegen sei es wohl auch nicht weiter Thema, schätzt Baumann.
Wenn irgendwo in Gesprächen die Rede auf die Dachmarke kommt, werde viel eher hinterfragt, warum das überhaupt sein muss, hat der Ortsvorsteher festgestellt. Der bisherige Slogan „Braunlage – das Herz im Harz“ sei doch gut und einprägsam, fänden die Leute. Und noch etwas sei bei einigen nicht gut angekommen, so Albert Baumann: Dass ausgerechnet der beliebte „Sommernachtstraum“ im Kurpark dieses Jahr als Veranstaltung gestrichen wurde, um stattdessen die Entwicklung der Dachmarke zu finanzieren. Mit der Entwicklung wurde eine Agentur beauftragt.
Albert Baumann aus Braunlage Foto: GZ-Archiv
Neutraler Begriff ist okay
Gänzlich anders sieht das Stimmungsbild in St. Andreasberg aus. Beim Neujahrsempfang 2025 waren die Wellen emotional hochgeschlagen, als das Vorhaben öffentlich vorgestellt worden war. Das sei am Anfang auch einfach schlecht vermittelt worden, räumt Ortsvorsteher Karl-Heinz Plosteiner rückblickend ein. Inzwischen hätten sich die Gemüter beruhigt, fügt er hinzu. Eifrig diskutiert werde über das Thema in der Bergstadt aber noch immer, bestätigt der CDU-Politiker.
Und wie stehen die St. Andreasberger heute zur Dachmarke? Mit einer Marke unter einem neutralen Begriff – Hochharz, Oberharz oder ähnliches – könnte man in Andreasberg leben, fasst Plosteiner zusammen, „das wäre okay“. Denn alle drei Orte müssten gleichberechtigt in der Dachmarke vertreten sein. Alles andere sei mit den Bergstädtern nicht zu machen. Wichtig sei ihnen auch, dass neben dem Aufsichtsrat der BTMG und dem Stadtrat auch die Bürger mitentscheiden dürften, meint Plosteiner.
Karl-Heinz Plosteiner aus St. Andreasberg Foto: GZ-Archiv
Diskutiert werde in diesem Zusammenhang aber auch eine andere Frage: Was passiert, wenn die Dachmarke gut funktioniert und noch mehr Gäste kommen? Schon jetzt würde speziell in Braunlage die touristische Infrastruktur phasenweise an ihre Grenzen kommen. „Und die Zahlen der BTMG belegen ja auch, dass es hervorragend läuft“, fügt der Ortsvorsteher an. Da dränge sich bei manchem durchaus die Frage auf, „wozu wir die Dachmarke überhaupt brauchen“.
Eine Generationenfrage?
Das kleine Bergdorf Hohegeiß ist mit Braunlage schon viel länger kommunal verbandelt und war in der Dachmarken-Diskussion bisher kaum zu hören. „Natürlich hat jeder Ort auch seinen Stolz“, weiß Ortsvorsteher Sebastian Hansmann (Bürgerliste), aber in Hohegeiß sei die geplante Dachmarke eigentlich kein großes Thema. Vielleicht sei die Sache mit dem Stolz auch eine Generationenfrage, überlegt Hansmann. Die Jüngeren jedenfalls würden gelassen damit umgehen.
Sebastian Hansmann aus Hohegeiß Foto: Eggers/Archiv
Persönlich hofft der Ortsvorsteher, dass die gemeinsame Dachmarke eine Chance für das Zusammenwachsen der drei Ortschaften bietet. Um gewissermaßen jenen Schritt nachzuholen, den man bei der Zusammenlegung von Braunlage und St. Andreasberg möglicherweise verpasst hat. Hansmann verweist auf andere Gebietskörperschaften wie die Stadt Oberharz am Brocken oder die Landgemeinde Harztor, die sich bei der Zusammenlegung mehrerer Orte gleich einen einprägsamen Namen zugelegt hatten. Sebastian Hansmann wünscht sich: „Da muss jetzt etwas Einheitliches geschaffen werden“.
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