Nach DRK-Insolvenz: Versteigerung von Harzer Altenheim erfolglos
Das ehemalige DRK-Alten- und Pflegeheim in Clausthal-Zellerfeld sollte unter den Hammer kommen. Doch bei der Zwangsversteigerung in der vergangenen Woche gibt niemand ein Gebot ab. Foto: Neuendorf
Für das frühere DRK-Altenheim in Clausthal-Zellerfeld fand sich bei der Zwangsversteigerung kein Käufer. Es ist ungewiss, wie es mit der leer stehenden Immobilie weitergeht.
Clausthal-Zellerfeld. Fast drei Jahre nach der Schließung steht das ehemalige Alten- und Pflegeheim des DRK am Zellbach erneut im Fokus. In der vergangenen Woche sollte die Immobilie zwangsversteigert werden. Doch für das Objekt mit einem Verkehrswert von 4.150.000 Euro ging kein Gebot ein, wie Amtsgerichtsdirektor Renning Duckstein auf GZ-Nachfrage mitteilt. Nun muss ein neuer Termin angesetzt werden, der voraussichtlich im Sommer stattfinden soll.
Protestaktion am Tag vor der Schließung im Frühjahr 2023: Eine Pflegehelferin richtet das Kreuz vor dem Eingang des geschlossenen DRK-Altenheims am Zellbach in Clausthal-Zellerfeld. Foto: Neuendorf/Archiv
Das Grundstück gehört zur Insolvenzmasse des ehemaligen DRK-Kreisverbandes Goslar. Der entsprechende Versteigerungsvermerk wurde bereits am 12. November 2024 ins Grundbuch eingetragen. Zum Versteigerungsobjekt gehört ein Gebäudekomplex aus drei Teilen: das eigentliche Alten- und Pflegeheim, eine frühere Tagespflegeeinrichtung sowie ein separates Einfamilienhaus.
Gebäudekomplex besteht aus drei Teilen
Das Hauptgebäude stammt aus dem Jahr 1983 und wurde in den Folgejahren mehrfach erweitert und modernisiert, zuletzt mit umfangreichen Brandschutzmaßnahmen im Jahr 2014. Der zwei- bis dreigeschossige Massivbau verfügt über Lastenaufzüge, eine Küche mit Belüftungsanlage, Balkone sowie ein weitgehend ausgebautes Dachgeschoss und ist größtenteils unterkellert. Ergänzt wird der Komplex durch eine freistehende ehemalige Tagespflege mit Baujahr 1970, die 2014/15 komplett saniert wurde und unter anderem über eine Brandmeldeanlage, einen Fahrstuhl und eine Dachterrasse verfügt. Sie bietet Platz für 56 Einzel- und 22 Doppelzimmer. Hinzu kommt ein bewohntes Fachwerkhaus mit fünf Zimmern, vermutlich aus der Zeit vor 1900, das ebenfalls zum Grundstück gehört.

Zum Aus des DRK-Altenheims hängt eine Traueranzeige am Eingang. Foto: Privat/Archiv
Protest am Tag vor der Schließung
Besonders hart traf die Insolvenz das Alten- und Pflegeheim in Clausthal-Zellerfeld. Im Frühjahr 2023 kam das Aus der Einrichtung für viele völlig überraschend. 59 Seniorinnen und Senioren mussten innerhalb kurzer Zeit ein neues Zuhause finden, 68 Beschäftigte ihre berufliche Zukunft neu ordnen. Am Vorabend der Schließung, Ende Mai 2023, organisierten die Angestellten einen stillen Protest vor dem Gebäude: Mit Kerzen, T-Shirts mit DRK-Aufdruck und einer symbolischen Todesanzeige machten sie ihre Enttäuschung und Wut sichtbar. Einige Angestellte verbrannten sogar ihre roten Dienstshirts und setzten so ein drastisches Zeichen für das Ende eines Hauses, das für viele über Jahrzehnte Arbeitsplatz und Lebensmittelpunkt gewesen war.

Symbol des Zorns: Kurz vor der Schließung brennt ein T-Shirt mit der Aufschrift DRK und Altenheim am Zellbach. Foto: Neuendorf/Archiv
Auch politisch sorgte die Schließung für heftige Diskussionen. Während sich Clausthal-Zellerfelds Bürgermeisterin Petra Emmerich-Kopatsch (SPD) damals tief betroffen zeigte und von einem schweren Schlag für die Stadt sprach, warfen die Menschen im Oberharz ihr und der restlichen Politik vor, nicht genug für den Erhalt der Einrichtung getan zu haben. Die Sozialdemokraten wehrten sich gegen die Kritik und betonten, dass sich Managementfehler des Trägers nicht vor Ort korrigieren ließen. Die Bürgermeisterin hatte damals nach eigenen Angaben bis zuletzt auf eine Lösung gehofft und konnte bis zum Schluss nicht nachvollziehen, warum ein gut ausgestattetes Pflegeheim mit qualifiziertem Personal aufgegeben werde.
Kein Gebot für das ehemalige Altenheim
Als zentrales Problem galt in der Einrichtung der Personalmangel: Statt der möglichen rund 100 Plätze konnten zuletzt nur knapp 60 belegt werden. Trotz intensiver Suche fanden sich weder genügend Pflegekräfte noch ein Investor, der den Betrieb hätte übernehmen können. Mehrere Interessenten sprangen im Laufe des Verfahrens wieder ab.
Innovativer Bass
Instrumentenbauer aus dem Harz erhält den Bayerischen Staatspreis
In der Folge des Insolvenzverfahrens wurde der Goslarer DRK-Kreisverband mit dem Kreisverband Osterode zum Verband Osterode-Goslar zusammengeschlossen. Viele Angebote in Goslar wurden eingestellt oder von anderen Trägern übernommen. Ein sichtbares Zeichen der Insolvenz in Clausthal-Zellerfeld ist aber nach wie vor die leerstehende Immobilie am Zellbach. Bereits kurz nach der Schließung war die Hoffnung geäußert worden, ein neuer Träger könne das Gebäude wieder für Pflegezwecke nutzen. Dass bei der Zwangsversteigerung jetzt kein Käufer gefunden wurde, verlängert den Schwebezustand weiterhin.
Copyright © 2026 Goslarsche Zeitung | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.