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Anbau und Aufbau im Social Club

GZ Plus IconCannabis im Oberharz: Wie ein neuer Verein durchstarten will

Cannabispflanzen in der Blütephase.

Hinter Schloss und Riegel wachsen hier Cannabispflanzen heran. Foto: Müller

In Clausthal-Zellerfeld entsteht ein Cannabis Social Club. Florian Altenhövel und Lars Weitemeyer über Vereinsleben, Anbau und Prävention.

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Von Friederike Julia Müller
Dienstag, 20.01.2026, 18:00 Uhr

Clausthal-Zellerfeld. Zwischen Betonboden und hohen Decken wird eine ehemalige Fertigungshalle in Clausthal-Zellerfeld mehr und mehr zu einem Treffpunkt. Hier fängt das Vereinsleben des CSC Clausthal an. Florian Altenhövel ist erster Vorsitzender des Vereins, Lars Weitemeyer der Schatzmeister. Die beiden kennen sich seit der Schulzeit. Wie es im Inneren eines Cannabis-Vereins aussieht und welche Ziele er hat.

Von der Schnapsidee vom Verein

„Flo kam auf mich zu und sagte, er braucht jemanden für die Finanzen“, erinnert sich Weitemeyer. „Jemanden, der rechnen kann. Und ich leite auch im Ort ein Taxiunternehmen mit 24 Angestellten“. Einen persönlichen Bezug zu Cannabis habe er nicht. „Ich unterstütze das Ganze vom betriebswirtschaftlichen her“, sagt er. Florian Altenhövel gehören die Räume, früher war hier die Produktion seines Unternehmens Tattoo Tools. Das Unternehmen existiert weiterhin, produziert aber nicht mehr selbst. Als die Legalisierung kam, stand auch die Fläche zur Verfügung. „Es war erst eine Schnapsidee“, sagt Florian Altenhövel. „Aber ich habe die Idee sacken lassen und wir haben immer öfter darüber gesprochen. Dann ist etwas Richtiges daraus geworden.“

Lars Weitemeyer (l.) und Florian Altenhövel vor der nicht ganz fertig bemalten Wand im CSC.

Lars Weitemeyer (l.) und Florian Altenhövel sind im Vorstand des CSC. Foto: Müller

Was beide unterschätzt hätten, sei der bürokratische Aufwand. „Wir sind zwar kein Unternehmen, aber wir zahlen Steuern. Und es ist auch viel Geld in technische Infrastruktur geflossen“. Der Anbau läuft seit dem Herbst, wie Florian Altenhövel erklärt. Von Beginn der Trocknung bis zur Abgabe vergehen rund zwei Monate. „Der errechnete Termin dafür ist der 20. April“. Dass es ausgerechnet der „4/20-day“ ist, habe er vorher natürlich nicht geplant. 420 ist ein Codewort für Cannabis. Der Ausdruck geht mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine amerikanische Schülerclique „The Waldos“ Anfang der 1970er-Jahre zurück, die sich nach der Schule zum Kiffen verabredete. Sie trafen sich immer um 16.20 Uhr, also 4.20 Uhr nachmittags.

Vorbereitungen inmitten der Bürokratie

Bis die insgesamt 120 Mitglieder zur Ernteschere greifen können, helfen sie bei der Einrichtung der Halle. Zwischen Couches und Zimmerpflanzen soll es nach und nach gemütlicher werden. Die Cannabispflanzen selbst wachsen in separat abgeschlossenen Räumen. Franziska – sie möchte ihren vollen Namen nicht in der Öffentlichkeit wissen – ist hier Mitglied und künstlerisch veranlagt. Sie habe Tannen und später das Vereinslogo an die Innenwände gezeichnet. Außen sei das nicht erlaubt gewesen. Auch der Name „CSC Clausthal“ dürfe nicht an der Fassade angebracht werden, „wegen des Werbeverbots“, wie sie erklärt.

Die Zahl 420 an den Fensteraushängen habe die Behörde allerdings genehmigt. Die Bürokratie „ist schon gewaltig“, sagt Florian Altenhövel. Gerne hätte er eigene T-Shirts oder Pullover mit Vereinsbezug gedruckt. Merchandising gelte allerdings als Werbung und sei darum nicht genehmigt worden. Tatsächlich ist für die Pflanze jede Form von Werbung und Sponsoring untersagt, so steht es im Konsumcannabisgesetz. „Währenddessen stellt eine Brauerei Alkohol her und tritt frei nach außen auf“, sagt Altenhövel. TV‑, Radio‑, Plakat‑, Online‑Werbung sowie Sponsoring im Sport oder bei Veranstaltungen sind für Alkohol in Deutschland zulässig, nicht aber für Cannabisprodukte. Alkoholwerbung darf sich nur nicht speziell an Minderjährige richten und keinen übermäßigen Konsum fördern. Den befürworten Altenhövel und sein Team sowieso nicht.

Verantwortungsvoller Konsum im CSC

Marvin ist, genau wie Franziska, dem Club beigetreten, weil er Cannabis kontrolliert und in gleichbleibender Qualität konsumieren möchte. „Wir trinken seitdem auch keinen Alkohol mehr.“ Beide sprechen sich klar für einen verantwortungsvollen Umgang mit Cannabis aus. Für den Vorstand gehöre Prävention fest dazu. „Am Freitag, 20. Juni, findet unser erster Lehrgang zum risikoarmen Konsum statt“, so Florian Altenhövel. Die Teilnahme sei für Mitglieder kostenlos und auch das Präsentionsteam arbeite ehrenamtlich. „Zwei von den drei Personen kommen von extern.“ Brauche jemand professionelle Hilfe, würden er und Lars Weitemeyer die Person an die örtliche Drogenberatungsstelle weiterleiten. „Wir haben mit denen eine Partnerschaft“, sagt Altenhövel. Bei Franziska habe der Cannabiskonsum auch einen medizinischen Hintergrund. Aber über Ärzte an Cannabis zu kommen, sei ihrer Erfahrung nach schwierig gewesen.

Wer konsumieren möchte, darf das nicht auf dem Gelände eines Cannabis Social Clubs tun. Das Gesetz schreibt eine Entfernung außer Sichtweite vor, entsprechend mindestens 100 Meter weg vom Gebäude. Mitglieder zwischen 18 bis 20 Jahren dürfen monatlich 30 Gramm bekommen. Wenn sie über 21 Jahre alt, sind es laut Gesetz 50 Gramm. Der Clausthaler Verein nimmt nur über 21-Jährige auf.

Legaler Anbau hinter Schloss und Riegel

Außer Sichtweite sind auch die Räume für Cannabispflanzen verschiedenster Sorten. Florian Altenhövel öffnet die gesicherte Tür mit dem Fingerabdrucksensor. „Es ist ein bisschen wie in einer Bank“, sagt Lars Weitemeyer. Damit hinterher niemand ein Haar in seinem Joint findet, ist Schutzkleidung Vorschrift. Dank eigener Belüftungsanlagen gibt es selbst im Raum kaum Cannabisgeruch. „Die Pflanzen befinden sich schon in ihrer Blüte“, erklärt der Vorsitzende. „Die Temperaturen regulieren wir digital.“

Kleineren Cannabispflanzen in ihrem eigenen Raum.

Die kleineren Pflanzen haben ihren eigenen Raum. Foto: Müller

Auch Lars Weitemeyer sieht Qualität und Hygiene als sehr wichtig, vom Anbau bis zum fertigen Produkt. Dafür möchten beide die Konsumenten aus der Illegalität holen. Dort wisse niemand, womit das Produkt gestreckt ist. „Ein kontrollierter, verantwortungsvoller Konsum ist besser als der Schwarzmarkt“, sagt Weitemeyer.

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