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„Martialische Inszenierung“

GZ Plus IconLinke und Pax Christi lehnen Bundeswehr-Werbung auf Brocken ab

Ein Hubschrauber landet auf dem Brocken.

Ein Hubschrauber landet auf dem Brocken: Ende Januar hatte die Bundeswehr das Gelände erkundet, um ein Karrierecamp zu planen. Foto: Landkreis Harz

Die Bundeswehr plant auf dem Brocken ein Karrierecamp. Nach der Nationalparkverwaltung üben Pax Christi und „Die Linke“ aus dem Landkreis Goslar daran Kritik.

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Von Oliver Stade
Donnerstag, 05.02.2026, 04:00 Uhr

Harz. Das von der Bundeswehr für Mai geplante zweiwöchige Karrierecamp auf dem Brocken ruft beim Linken-Kreisverband Goslar und der Pax-Christi-Basisgruppe Nordharz Ablehnung hervor. In teilweise scharfen Worten kritisieren sie die Bundeswehr und ihre Absicht, auf dem Brocken in Sachsen-Anhalt um Nachwuchs zu werben.

„Die Bundeswehr ist kein Freizeitunternehmen, Abenteuerspielplatz oder Reiseunternehmen in fremde Länder, wie sie sich gern in ihren Werbungen inszeniert“, schreiben Joachim Hoffknecht und Markus Weber aus Bad Harzburg für Pax Christi, einer katholischen Friedensbewegung. Junge Menschen würden damit getäuscht, auch durch die freie Fahrt zum Karrierecamp mit der Brockenbahn würden sie getäuscht, „als gebe es dies alles umsonst“. Hoffknecht und Weber schreiben: „Nein, hier geht es um Leben und Tod.“

Der Heilige Geist als Friedensbringer

Dass die Bundeswehr ausgerechnet in der Pfingstzeit auf dem Brocken um Nachwuchs werben wolle, empfinden Hoffknecht und Weber als „Affront“, denn Christen würden in dieser Zeit „den Heiligen Geist als Gemeinschaftsstifter und Friedensbringer feiern“. Beide kritisieren außerdem, dass „Bedrohungswahrnehmungen“ verbreitet würden. Mit dem Karrierecamp werde der Brocken nach dem Abzug des sowjetischen Militärs „wieder militärisch besetzt werden“.

So wie die Pax Christi sich „entschieden“ gegen ein „solches“ Karrierecamp der Bundeswehr wendet, spricht sich der Linken-Kreisverband ebenfalls „entschieden“ gegen „die Bundeswehr-Werbeveranstaltung auf dem Brocken“ aus. „Einen der bekanntesten Natur- und Tourismusorte im Harz zusätzlich für militärische Werbung zu nutzen, hält die Linke für politisch falsch und unnötig“, heißt es in einer Mitteilung. Kreisvorsitzende Peggy Plettner-Voigt betont: „Der Nationalpark ist ein Ort der Ruhe, des Naturschutzes und der Begegnung mit der Natur und kein Platz für Militärwerbung oder martialische Inszenierungen.“

Der Brocken liege zudem mitten in einem besonders sensiblen Schutzgebiet. Fahrzeuge, schweres Gerät oder Hubschrauber würden den Naturschutzgedanken sowie die Natur, Tiere und Erholungssuchende belasten. Außerdem sei es ein Unterschied, ob auf dem Brocken Rettungshubschrauber landen würden oder Militärhubschrauber. Wer dies übersehe, „ignoriert den fundamentalen Unterschied zwischen einer lebensrettenden Maßnahme und der reinen Zurschaustellung von militärischem Gerät“. Für die Linke sei klar, der Nationalpark stehe für Frieden und nicht für „Bundeswehr-PR, betont Michael Ohse, ebenfalls Linken-Kreisvorsitzender.

Wie berichtet, schlägt die Bundeswehr Mitte Mai für zwei Wochen auf dem Brocken ein Karrierecamp auf. Die Fläche gehört dem Landkreis Harz. Landrat Thomas Balcerowski begrüßt das Vorhaben. Die Bundeswehr gehöre in die Mitte der Gesellschaft, betonte er.

Die seltene Ringdrossel

Die Nationalparkverwaltung hatte das Vorhaben ebenfalls kritisiert, naturschutzrechtliche Bedenken geäußert und vorgeschlagen, das Camp auf eine Fläche außerhalb des Schutzgebiets zu verlegen. Durch die Landung von Flugzeugen und Hubschraubern werde die Natur beeinträchtigt. Vor allem die seltene Ringdrossel werde in der Brutzeit gestört.

Landrat Balcerowski hatte daraufhin erklärt, er gehe davon aus, dass die Bundeswehr die Bedenken berücksichtige und das Camp wie geplant auf dem Brocken stattfinde.

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