Zähl Pixel
Protest gegen Bundeswehr-Camp wächst

GZ Plus IconKritik aus dem Kreis Goslar gegen Nachwuchswerbung auf dem Brocken

Bundeswehrsoldaten auf dem Brocken.

Bundeswehrangehörige während einer Erkundung im Januar auf dem Brocken. Für Mai ist ein zweiwöchiges Nachwuchscamp geplant, dagegen formiert sich Kritik. Foto: Bein

Die Kritik vor allem aus dem Landkreis Goslar gegen das Bundeswehr-Nachwuchs-Camp auf dem Brocken wächst. Derweil hat die Bundeswehr schon auf Bedenken reagiert.

author
Von Oliver Stade
Donnerstag, 12.02.2026, 12:00 Uhr

Goslar/Harz. Nach der Nationalparkverwaltung sowie der Pax-Christi-Gruppe Nordharz und dem Linken-Kreisverband Goslar wendet sich nun auch der Grünen-Kreisverband Goslar gegen das für Mitte Mai von der Bundeswehr geplante Nachwuchs-Camp auf dem Brocken. Unterdessen werden im Internet Unterschriften gesammelt, um die Karrieremesse per Petition zu verhindern. Ein Teil der Kritik läuft indes ins Leere.

Der Grünen-Kreisverband Goslar schließt sich der Nationalparkverwaltung an. Die hatte sich aus Gründen des Naturschutzes gegen das Camp auf dem Brocken ausgesprochen und für einen anderen Standort plädiert, um die Natur vor Beeinträchtigungen durch Hubschrauber, Flugzeuge, Tiefflüge, schwere Fahrzeuge, Zelte, Infostände und einem größeren Besucherandrang zu schützen.

„Reine Zurschaustellung“

Während Pax Christi und der Linken-Kreisverband auch die Bundeswehr kritisierten, etwa für die „reine Zurschaustellung von militärischem Gerät“ (so die Linke), loben die Grünen das zweiwöchige Karrierecamp als „einen neuen Ansatz in der Öffentlichkeitsarbeit“.

So schließt sich Grünen-Kreissprecher Mathias Schlawitz den Worten des Halberstädter Landrats Thomas Balcerowski an, wenn er sagt: „Die Bundeswehr gehört in die Mitte der Gesellschaft.“ Sein Kreisverband begrüße „die neuen Wege, die unsere parlamentarische Freiwilligenarmee geht, um auf sich aufmerksam zu machen“. Dennoch wenden sich die Grünen gegen das Camp: Denn der Naturschutz habe in einem Nationalpark Vorrang vor den Interessen der Bundeswehr.

Ungeeigneter Ort

Kreissprecherin Mareike Niebuhr aus dem Oberharz sagt, ein Ort wie der Brocken sei aus Naturschutzgründen besonders ungeeignet für ein solches Camp. Die Planer hätten „nicht genau genug hingeschaut, wir befinden uns zum einen mitten in der Brut- und Setzzeit und zum anderen in einer hochsensiblen Nationalparkkernzone“.

Niebuhr meint, „in der ganzen Diskussion um einen geeigneten Standort für das Camp sollten wir doch der Fachkompetenz der Nationalparkverwaltung vertrauen“. Die hatte sich gegen das Camp auf dem Brocken ausgesprochen und stattdessen einen Veranstaltungsort außerhalb des Nationalparks vorgeschlagen, der aber ebenfalls mit der Brockenbahn erreichbar ist. Es soll sich um den Bahnhof Drei Annen Hohne handeln.

Während aus dem Landkreis Goslar von mehreren Gruppen Protest zu hören ist, gibt es aus dem Ostharz kaum vernehmbare Kritik. Lediglich im Stadtrat Wernigerode seien vereinzelt kritische Stimmen zu vernehmen, berichtet eine Ratsfrau der Fraktion „Bunte Liste“. Derweil gibt es im Internet auf der Plattform „change.org“ zwei Unterschriften-Initiativen für eine Petition gegen das Camp. Die eine hatte bis zum Mittwochmittag rund 4000 Unterschriften verzeichnet, die andere 2500.

Keine Flugmanöver mehr

Ohnehin scheint aber ein Teil der Einwände längst überholt zu sein. Landrat Thomas Balcerowski hatte nach der von der Nationalparkverwaltung veröffentlichten Kritik mitgeteilt, er gehe davon aus, dass die Bundeswehr die Bedenken berücksichtige und dass das Camp unter Beachtung des Naturschutzes auf dem Brocken stattfinde.

Die „Volksstimme“ berichtete bereits Ende Januar, sie habe aus sicherer Quelle erfahren, dass die Bundeswehr auf alle Flugmanöver auf dem Gipfel verzichten wolle.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Themen aus der Region