Zugunsten des Harzburg-Turms: Bündheimer Schloss wird abgerissen
Der Abriss des Bündheimer Schlosses hat bereits begonnen: Stein für Stein wird abgetragen und zur späteren Wiederverwendung aufgestapelt. Foto: Privat
Der Bau des Harzburg-Turms auf dem Burgberg könnte viel schneller starten als gedacht – das ist aber an Bedingungen geknüpft. Die weitreichendste betrifft das Schloss.
Bad Harzburg. Diese Nachricht kommt nicht nur überraschend, sie stellt auch eine Zäsur in der Geschichte Bad Harzburgs dar: Das mehr als 450 Jahre alte Bündheimer Schloss, einst Amtssitz und später viele Jahre lang Veranstaltungsstätte, wird abgerissen. Die Arbeiten haben bereits begonnen. Hintergrund sind der geplante Bau des Harzburg-Turms auf dem Burgberg – und Entwicklungen, die das Projekt unerwartet beschleunigen.
Kurzer Rückblick: Wie berichtet, möchte der Förderverein Historischer Burgberg einen Teil der alten, im Jahr 1068 errichteten Harzburg wieder aufbauen. Dafür konnte er mit dem Schweizer Max Dudler bereits einen renommierten Architekten für sich gewinnen. Der hatte im Sommer seine Pläne vorgestellt: Gebaut werden soll nach dessen Vorstellungen und denen des Vereins ein Aussichtsturm, der verschiedene Ausstellungen beherbergen soll. Geschätzte Kosten: fünf Millionen Euro. Weitere zwei Millionen Euro würde ein optionaler Anbau mit Veranstaltungssaal und Dachterrasse kosten.Vereinsmitglieder stimmen ab
Entscheidung gefallen: Harzburg-Turm soll gebaut werden
Plötzlich finanzierbar
Nun geht es jedoch deutlich schneller als gedacht: Für das Vorhaben stehen nämlich Fördermittel in Aussicht, die allerdings an eine Frist gebunden sind. Das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege habe dem Förderverein signalisiert, dass die Gelder nur dann genehmigt werden könnten, wenn mit den Bauarbeiten auf dem Burgberg noch in diesem Jahr begonnen werde. „Wenn wir diese Chance nutzen wollen, müssen wir jetzt handeln“, heißt es dazu auf GZ-Nachfrage von Vereinsseite.
Geld für das Projekt fließt zudem aus dem Investitionsprogramm „Pakt für Kommunalinvestitionen“ des Landes Niedersachsen. 748.000 Euro daraus erhält Bad Harzburg.Gesamtkosten: 1,5 Millionen Euro
Sprudelbecken der Harzburger Sole-Therme braucht einen neuen Überbau
„Wir haben die Prioritäten noch einmal neu bewertet“, heißt es aus dem Umfeld des Gremiums. Ziel sei es, mit dem Projekt auf dem Burgberg einen „nachhaltigen Impuls“ für den Tourismusstandort zu setzen. Der entsprechende Beschluss sei in einer kurzfristig anberaumten Sitzung gefallen.
Innenräume bereits entkernt
Dass Gelder fließen, ist aber auch an weitere Bedingungen geknüpft. Die weitreichendste: Für den Bau des Harzburg-Turms müssen, so fordert es das Amt für Denkmalpflege, die Originalsteine der alten Burg verwendet werden. Sie sind aber nicht mehr ohne Weiteres verfügbar – im Laufe der Jahrhunderte waren sie vom Burgberg ins Tal getragen und zum Bau des Bündheimer Schlosses sowie für Teile des Harzburger Gestüts verwendet worden. Dieser Umstand, in Kombination mit dem engen Zeitfenster bis zum notwendigen Baustart, hätten nun ein schnelles Handeln erforderlich gemacht, teilt der Förderverein mit.
Die Innenräume des Schlosses – hier zu sehen der große Saal - sind bereits entkernt. Foto: Privat
Gleich nachdem am Freitag das Netzwerk-Treffen Herrenabend im Schloss zu Ende gegangen war (die GZ berichtete), wurde das Gebäude ausgeräumt. Anschließend rückten Bautrupps an. Von innen wurde das Schloss mittlerweile komplett entkernt, von außen hat nun der Abriss der Wände begonnen. Dieser erfolgt behutsam, ein Stein nach dem anderen wird auf Paletten gestapelt.
Erst den Saal, dann den Turm
Doch auch die Stadt Bad Harzburg, die für das Schloss verantwortlich ist, hat dessen Abriss unter eine Bedingung gestellt. Weil mit dem Gebäude die letzte größere verbliebene Veranstaltungsstätte der Kurstadt verloren geht, habe sich der Förderverein Historischer Burgberg dazu verpflichten müssen, zuerst den Veranstaltungssaal und erst im Anschluss den eigentlichen Turm auf dem Burgberg zu errichten, heißt es aus dem Rathaus.
Für die Übergangszeit arbeitet die Stadt nach eigenen Angaben bereits an Alternativen. Zum einen soll das Freizeitzentrum in Harlingerode als Ausweichfläche für Kulturveranstaltungen genutzt werden. Zum anderen würden mobile Veranstaltungsflächen im Schloss- und im Kurpark geprüft.500 Unterschriften gesammelt
„Omas gegen Rechts“ kämpfen gegen die AfD-Treffen im Schloss
Am Rande dürfte die Entwicklung auch eine zuletzt intensiv geführte Debatte entschärfen: In den vergangenen Monaten war wie berichtet wiederholt darüber gestritten worden, ob und in welchem Umfang politischen Parteien die Nutzung des Schlosses für Veranstaltungen untersagt werden kann – Ausgangspunkt dafür waren die AfD und deren Bürgerdialoge. Angesichts der aktuellen Lage stellt sich diese Frage nun allerdings nicht mehr.
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