Dieser Mann fährt fast jeden Tag durch den Harzer Himmel
Seit 2014 ist Winfried Borchert mit seinem Brockenballon über den Harz unterwegs, am Wochenende bewunderte er erst wieder Clausthal-Zellerfeld von oben. Foto: Brockenballon/Drechsler
Fast täglich fährt Winfried Borchert mit seinem Brockenballon über den Harz. Auch nach mehr als 1300 Fahrten hat er sich an der Landschaft immer noch nicht sattgesehen.
Clausthal-Zellerfeld. Beinahe jeder im Harz kennt den Brockenballon aus Wernigerode. Fast täglich ist er am Himmel unterwegs, gesteuert von Winfried „Winni“ Borchert. Er fährt Passagiere über Höhenzüge, Wälder und Städte. Dabei ist er oft so niedrig, dass er den Menschen am Boden zuwinken kann. Die Fotos seiner Fahrten, die Borchert regelmäßig bei Facebook teilt, bekommen viel Resonanz. Am Samstag zog sein Ballon erst wieder seine Kreise über den Oberharz.
Mehr als 1300 Ballonfahrten hat der 56-Jährige inzwischen absolviert, wie er erzählt. Einen besonderen Lieblingsplatz hat er dennoch nicht. Zu reizvoll findet er es, immer wieder neue Gegenden im Drei-Länder-Eck Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu entdecken. Oft äußern die Passagiere Wünsche, welche Orte sie von oben sehen möchten. Borchert versucht, diese Routen möglich zu machen – immer unter der Voraussetzung, dass Wetter und Wind es zulassen.
Nebel oder nicht, das ist die Frage

Ein seltener Anblick: Wildemann von oben. Foto: Brockenballon

Die Aula Academica der TU Clausthal ist auch aus der Luft ein Blickfang. Foto: Brockenballon
Sein Motto lautet daher: „So hoch wie nötig, so niedrig wie möglich.“ Maximal kann der Ballon eine Höhe von drei Kilometern über Null erreichen, im Harz wegen der Topografie etwa zweieinhalb Kilometer. Höher ginge es nur mit spezieller Ausrüstung und Sauerstoff. Dann würden die Passagiere aber kaum noch etwas am Boden erkennen. Und Borchert gehe es schließlich um den besonderen Blick aus dem Ballon und darum, das Mittelgebirge aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. Laut dem Wernigeröder ist für viele der Harz nur das, was sie jeden Tag direkt vor der Haustür sehen. Ähnlich wie bei der Harzer Wandernadel, bei der Wanderer neue Strecken entdecken, eröffnet er mit seinen Fahrten Ausblicke, die man sonst verpasst.
Fotograf, Journalist und jetzt Ballonpilot

Besonders beliebt bei Facebook sind Winfried Borcherts Fotos vom Brocken. Foto: Brockenballon
Dass er einmal Ballonpilot werden würde, hätte der 56-Jährige lange selbst nicht erwartet. Nach der Schulzeit lernte er den Beruf des Fotografen. Die Vorstellung, später vielleicht einmal selbst Inhaber eines kleinen Geschäfts zu werden, reizte ihn. Doch dann kam die politische Wende, die innerdeutsche Mauer war plötzlich Geschichte. Borchert musste sich umorientieren. Er bekam das Angebot, bei einer Tageszeitung mitzuarbeiten. Er nutzte die Chance und war über 20 Jahre als Redakteur bei der Volksstimme tätig.
Doch 2013 gab es einen weiteren Wendepunkt: Beim Ballonglühen in Magdeburg kam er mit einem Piloten ins Gespräch und ließ sich von dessen Begeisterung anstecken. Dann fiel Borcherts Entscheidung, selbst in die Luft zu gehen. Seit 2014 ist er nun mit dem eigenen Ballon rund um den Harz unterwegs, was bei Groß und Klein immer beliebter wird. „Ich dachte immer, ich habe den besten Beruf der Welt“, sagt er rückblickend über seine Zeit als Journalist. Inzwischen sieht er das anders. „Der beste Beruf“, sagt Borchert, „ist der, den ich jetzt habe.“
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