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Brockenballon

GZ Plus IconDieser Mann fährt fast jeden Tag durch den Harzer Himmel

Seit 2014 ist Winfried Borchert mit seinem Brockenballon über den Harz unterwegs, am Wochenende bewunderte er erst wieder Clausthal-Zellerfeld von oben.

Seit 2014 ist Winfried Borchert mit seinem Brockenballon über den Harz unterwegs, am Wochenende bewunderte er erst wieder Clausthal-Zellerfeld von oben. Foto: Brockenballon/Drechsler

Fast täglich fährt Winfried Borchert mit seinem Brockenballon über den Harz. Auch nach mehr als 1300 Fahrten hat er sich an der Landschaft immer noch nicht sattgesehen.

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Von Corinna Knoke
Montag, 19.01.2026, 19:45 Uhr

Clausthal-Zellerfeld. Beinahe jeder im Harz kennt den Brockenballon aus Wernigerode. Fast täglich ist er am Himmel unterwegs, gesteuert von Winfried „Winni“ Borchert. Er fährt Passagiere über Höhenzüge, Wälder und Städte. Dabei ist er oft so niedrig, dass er den Menschen am Boden zuwinken kann. Die Fotos seiner Fahrten, die Borchert regelmäßig bei Facebook teilt, bekommen viel Resonanz. Am Samstag zog sein Ballon erst wieder seine Kreise über den Oberharz.

Mehr als 1300 Ballonfahrten hat der 56-Jährige inzwischen absolviert, wie er erzählt. Einen besonderen Lieblingsplatz hat er dennoch nicht. Zu reizvoll findet er es, immer wieder neue Gegenden im Drei-Länder-Eck Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu entdecken. Oft äußern die Passagiere Wünsche, welche Orte sie von oben sehen möchten. Borchert versucht, diese Routen möglich zu machen – immer unter der Voraussetzung, dass Wetter und Wind es zulassen.

Nebel oder nicht, das ist die Frage

Ein seltener Anblick: Wildemann von oben.

Ein seltener Anblick: Wildemann von oben. Foto: Brockenballon

Denn der Ballon hat keinen eigenen Antrieb, erklärt der Ballonpilot. Er steigt und sinkt mit den Luftströmungen. Zu wenig Wind ist daher ebenso ungünstig wie zu viel. Im Winter bleibt durch den frühen Sonnenuntergang meist nur eine Fahrt am Tag. Um gut vorbereitet zu sein, greift der Ballonfahrer auf die aktuellen Daten des Deutschen Wetterdienstes zurück. Am Samstag passten die Bedingungen. Während es im Harzvorland nebelig war, war es über Clausthal-Zellerfeld, Wildemann und Bad Grund sonnig. Von oben waren markante Punkte gut zu erkennen: die Marktkirche, das Rathaus, das Landesbergamt, die Aula der TU Clausthal und weitere Gebäude der Universität. Ob eine Fahrt möglich ist und wo gelandet werden kann, hängt stark von solchen Wetterlagen ab. Bei Nebel ist das nicht nur schwierig, sondern auch wenig attraktiv. „Dann sieht man logischerweise nichts“, sagt Borchert.
Die Aula Academica der TU Clausthal ist auch aus der Luft ein Blickfang.

Die Aula Academica der TU Clausthal ist auch aus der Luft ein Blickfang. Foto: Brockenballon

Sein Motto lautet daher: „So hoch wie nötig, so niedrig wie möglich.“ Maximal kann der Ballon eine Höhe von drei Kilometern über Null erreichen, im Harz wegen der Topografie etwa zweieinhalb Kilometer. Höher ginge es nur mit spezieller Ausrüstung und Sauerstoff. Dann würden die Passagiere aber kaum noch etwas am Boden erkennen. Und Borchert gehe es schließlich um den besonderen Blick aus dem Ballon und darum, das Mittelgebirge aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. Laut dem Wernigeröder ist für viele der Harz nur das, was sie jeden Tag direkt vor der Haustür sehen. Ähnlich wie bei der Harzer Wandernadel, bei der Wanderer neue Strecken entdecken, eröffnet er mit seinen Fahrten Ausblicke, die man sonst verpasst.

Fotograf, Journalist und jetzt Ballonpilot

Besonders beliebt bei Facebook sind Winfried Borcherts Fotos vom Brocken.

Besonders beliebt bei Facebook sind Winfried Borcherts Fotos vom Brocken. Foto: Brockenballon

Diese Fotos und Videos teilt er regelmäßig in den sozialen Medien. Besonders Bilder vom Brocken stoßen bei Facebook auf große Resonanz. In den Kommentaren posten Menschen häufig eigene Bilder, wenn sie den Ballon vom Boden aus gesehen haben. Diese Rückmeldungen schätzt Borchert, weil sie zeigen, wie sehr seine Fahrten wahrgenommen werden.

Dass er einmal Ballonpilot werden würde, hätte der 56-Jährige lange selbst nicht erwartet. Nach der Schulzeit lernte er den Beruf des Fotografen. Die Vorstellung, später vielleicht einmal selbst Inhaber eines kleinen Geschäfts zu werden, reizte ihn. Doch dann kam die politische Wende, die innerdeutsche Mauer war plötzlich Geschichte. Borchert musste sich umorientieren. Er bekam das Angebot, bei einer Tageszeitung mitzuarbeiten. Er nutzte die Chance und war über 20 Jahre als Redakteur bei der Volksstimme tätig.

Doch 2013 gab es einen weiteren Wendepunkt: Beim Ballonglühen in Magdeburg kam er mit einem Piloten ins Gespräch und ließ sich von dessen Begeisterung anstecken. Dann fiel Borcherts Entscheidung, selbst in die Luft zu gehen. Seit 2014 ist er nun mit dem eigenen Ballon rund um den Harz unterwegs, was bei Groß und Klein immer beliebter wird. „Ich dachte immer, ich habe den besten Beruf der Welt“, sagt er rückblickend über seine Zeit als Journalist. Inzwischen sieht er das anders. „Der beste Beruf“, sagt Borchert, „ist der, den ich jetzt habe.“

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