Skurrile Bahn-Informationen auf dem Weg von Goslar nach Hamburg
Unterwegs von Goslar nach Hamburg: Brigitte Kalbe trifft unterwegs viele nette Menschen und einen verpeilten Bahnmitarbeiter. Foto: Privat
Im Schnee-Chaos mit der Bahn muss man mit Ausfällen rechnen. Nicht jedoch mit der schrägen Auskunft, mit der ein Mann am Infoschalter zwei Goslarerinnen abfertigte.
Goslar/Hannover. Eine Odyssee in Eis und Schnee haben Brigitte Kalbe und ihre Tochter Christiane am Wochenende erlebt. Eigentlich wollten die beiden Goslarerinnen „nur“ mit der Bahn von Goslar nach Hamburg zur Messe „Nordstil“ fahren. Dass durch das Schneechaos einiges nicht funktionierte, nahmen die beiden hin. Aber die Informationspolitik der Bahn und die schräge Aussage eines Mitarbeiters am Informationstresen haben Mutter und Tochter dann doch schockiert.
Von Anfang an: Am Freitag vergangener Woche, als die beiden in Goslar in den Zug steigen wollten, lief nichts mehr. Wegen des starken Schneefalls wurden die Züge gestrichen. Was Brigitte und Christiane Kalbe auch verstanden. Aber am Samstag fanden sie im Internet die Informationen, dass es Zugfahrten von Hannover nach Hamburg geben sollte. Also brachen sie auf. Nur, dass es von Goslar keinen Zug nach Hannover gab. Am Goslarer Bahnhof trafen sie auf weitere „Gestrandete“, Menschen aus unterschiedlichen Städten, die zum Teil schon seit 24 Stunden unterwegs waren, wie Brigitte Kalbe berichtet. Darunter waren Bremer und Stuttgarter, und auch ein Hund.
Ein freundlicher Goslarer Taxifahrer chauffierte die achtköpfige Gruppe schließlich nach Hannover. Die Stimmung war gut, man verstand sich, betont die 76-Jährige.
Falsche Anzeigen und wenig Hilfe
Doch auf dem Bahnsteig in Hannover erhielt die Stimmung wieder einen Dämpfer: „Es wurden zwei Züge nach Hamburg angekündigt, aber die kamen nicht. Und es gab auch keine Information auf dem Bahnsteig“, erzählt die Goslarerin. „Meine Tochter ist dann zum Informationsschalter gegangen und hat gefragt, ob die Züge fahren. Der Mann hat gesagt: „Sie können sich darauf verlassen: Die fahren nicht.“ Warum die Züge dann auf den Anzeigen angekündigt seien? Die verblüffende Antwort des Bahn-Mitarbeiters habe gelautet: „Ja, wir wollen unseren Fahrgästen damit Trost spenden.“ Ein Satz, der für die beiden Goslarerinnen noch immer keinen Sinn ergibt.
Eine Bahnsprecherin sagt dazu auf GZ-Anfrage: „Die Aussage, die ein Mitarbeiter getätigt haben soll, ist für uns nicht nachvollziehbar. Uns ist die Information unserer Fahrgäste ein wichtiges Anliegen.“
Grundsätzlich weist sie darauf hin, dass die Bahn am Wochenende, wie viele andere Verkehrsmittel auch, durch das Wetter große Probleme gehabt habe. „Unerwartete Störungen wie der vergangene heftige Wintereinbruch führen zu längeren Streckensperrungen und Züge können nicht mehr fahren.“
Was die Anzeigen am Bahnsteig angehe: „Die Daten, unter anderem zu Zugverspätungen oder Ausfällen, die im DB-Navigator angezeigt werden (und übrigens auch auf den Zugzielanzeigern in den Bahnhöfen), werden von den jeweils zuständigen Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) geliefert, wobei natürlich immer der Anspruch aller Beteiligten ist, den Fahrgästen schnellstmöglich alle Informationen zur Verfügung zu stellen.“
Nette Fahrgemeinschaft
Die beiden Goslarerinnen jedenfalls kamen mit einem Taxigutschein der Bahn dann doch noch nach Hamburg. Die Messe konnten sie auch noch besuchen. „Es bilden sich Fahrgemeinschaften. Wir reisen mit zwei sehr netten Damen, die am Vortag aus Saarbrücken kommend in Hannover übernachtet haben und jetzt nach Hause nach Hamburg wollen“, schrieb Brigitte Kalbe. „Es ist eine sehr angenehme Fahrt.“
Insgesamt blickt sie mit einem weinenden und einem lachenden Auge auf das Erlebnis zurück. Bei allem Ärger und der Erfahrung, keine oder falsche Informationen zu bekommen und sich hilflos zu fühlen, will sie doch die tolle Gemeinschaft mit den anderen Fahrgästen hervorheben. Die Gespräche und der Zusammenhalt in der Achtergruppe, die sich auf dem Goslarer Bahnhof fand, haben sie sehr beeindruckt. „Das war ein sehr positives Erlebnis.“
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