Wer räumt vor Romkerhall den Schutt endlich mal weg?
Trümmer blockieren auch nach zehn Monaten noch eine Fahrspur auf der B 498 bei Romkerhall. Foto: Jörg Kleine
Von Oker hinauf zum Stausee machen seit Mittwoch gleich zwei Baustellen die enge Bundesstraße zum Nadelöhr. Vor Romkerhall ist die Straße schon seit zehn Monaten halbseitig gesperrt: Trümmer der abgebrannten „Villa Helene“ blockieren die Fahrbahn.
Oker/Schulenberg. Lichterloh schießen am 20. Oktober nachts die Flammen in die Höhe. Rund 120 Feuerwehrleute kämpfen, um den Brand der maroden „Villa Helene“ an der Straße kurz vor Romkerhall unter Kontrolle zu bringen. Auch Polizei, Technisches Hilfswerk, Eurawasser und ein Rettungswagen sind am Tatort. Denn schnell wird klar, dass hier wohl Brandstifter am Werk waren. Und schnell schießen auch Spekulationen dazu ins Kraut.
Alles deutet auf vorsätzliche Brandstiftung
„Das Feuer entstand an verschiedenen Stellen im Gebäude, was eine Brandstiftung nahelegt“, sagt Polizeisprecher Thorsten Ehlers. Aber „einen Tatverdächtigen gibt es bislang nicht“. Die Akten liegen bei der Staatsanwaltschaft in Braunschweig.
Doch wer sind überhaupt die Eigentümer? Diese Frage umtrieb die Goslarer Feuerwehr um Christian Hellmeier schon in der Brandnacht. Schließlich musste der Stadtbrandmeister schnell handeln, um das Feuer zu ersticken und die öffentliche Sicherheit nicht zu gefährden. Da Teile des Gebäudes direkt an der Straße einzustürzen drohten, musste der Feuerwehrchef anordnen, vordere Teile der „Villa Helene“ einzureißen.
Nachgedacht
Bramkebrücke: Mahnmal des Versagens
Das war am 21. Oktober 2023. Seither liegen die Trümmer der Ruine auf der Straße, eine Fahrbahn ist gesperrt, und eine funkgesteuerte Ampel regelt den Verkehr. Das erhöht nicht nur permanent die Kosten an dieser Dauerbaustelle, sondern blockiert die ohnehin enge Bundesstraße 498 durchs Okertal – und ist ein Schandfleck für Urlaubsreisende und Einheimische gleichermaßen.
Die Stadt Goslar muss handeln
Die „Villa Helene“ gehört zur Gemarkung der Stadt Goslar, das ist eindeutig. Der Landkreis hat damit nichts zu – bis auf die Kontrollfunktion als untere Abfallbehörde, erklärt Landkreissprecher Maximilian Strache auf GZ-Anfrage. Der Kreis muss demnach prüfen, dass die Trümmer auf der Straße ordnungsgemäß entsorgt werden. Schließlich handelt es sich um teils kontaminierten Brandschutt, der nicht einfach auf eine Müllkippe darf.
In der Pflicht bei der Entsorgung sind zunächst die Eigentümer der Brandruine, zudem ist eine Gebäudeversicherung vorgeschrieben. Das müsste also funktionieren. Aber die Abwicklung des Trümmerhaufens gestaltet sich offensichtlich schwierig – sonst wäre der Schandfleck ja inzwischen beseitigt.
„Villa Helene“: Eigentümer im Ausland
„Da sich die Eigentum inhabende Person im Ausland befindet, ist eine Kontaktaufnahme schwierig“, erklärt Daniela Siegl auf GZ-Anfrage. Nein, die Stadtsprecherin drückt sich nicht immer so kompliziert aus. Aber es gehe um Datenschutz.
Nach unbestätigten GZ-Informationen hat die „Villa Helene“ eine Vielzahl von Eigentümern. Manche, die im Grundbuch eingetragen waren, waren offenbar noch minderjährig, andere bereits verstorben – und mit Ausland ist wohl Tschechien gemeint.
„Dennoch sucht die Stadt Goslar nach einer Lösung, um die Gefahrenstelle in Kürze zu beseitigen“, sagt Daniela Siegl. Die Ausschreibung für Abriss und Entsorgung der Ruine sei erfolgt, befinde sich aber „noch in einem laufenden Verfahren“.
Wann der Abbruch endlich beginnt, ist somit noch offen. Klar ist hingegen, dass dies nicht billig wird. Angaben dazu gibt es von der Stadt nicht, aber für Abriss und Entsorgung dürfte eine sechsstellige Summe fällig werden. Die wird zunächst die Stadt Goslar begleichen müssen – also die Steuerzahler. Immerhin bleibt die vage Hoffnung, dass irgendein Eigentümer oder dessen Versicherung vielleicht im Nachhinein dafür aufkommt.
Dies bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch überfällig: Der Schutthaufen muss endlich von der Straße. Umso dringlicher wird das, weil die Straßenbaubehörde vorigen Mittwoch kurz oberhalb von Romkerhall ein weiteres Nadelöhr eingerichtet hat (wir berichteten).
B 498: Nadelöhr bei Romkerhall
Neuer Fangzaun gegen Steinschlag im Okertal
Zwei Ampel-Stopps: Slalomfahrt bei Romkerhall
Die B 498 lädt also zur Slalomfahrt: Wer von Oker aus Richtung Okertalsperre hinauffährt, wartet zunächst vor Romkerhall an der „Villa Helene“ vor der Ampel mit Aussicht auf einen Schutthaufen. Bei Grün geht es links vorbei, dann ein kurzes Stück entlang an Romkerhall – wo nach einer Minute Fahrt die nächste Ampel wartet.
Vor vier Jahren ließ die Landesbehörde für Straßenbau dort an der Bundesstraße einen Fangzaun gegen Steinschlag fest installieren. Rechts oberhalb erhebt sich eine Felsenklippe, von der sich seit Jahren immer wieder Gestein löst. Mitten am Abhang soll nach vier Jahren Pause nunmehr ein weiterer Fangzaun angebracht werden. Mindestens bis Jahresende, möglicherweise auch bis Mitte Februar soll dafür laut Straßenbaubehörde die halbseitige Sperrung bestehen.
Baugenehmigung erst 2025
Bramkebrücke: Erst weichen Schwalben, dann kommt der Baubeginn
Die aktuelle Verkehrslage rund um den Okerstausee: Die Bramkebrücke vor Schulenberg ist nach Planungen der Landesbehörde bis 2028 oder länger gesperrt. Die Schulenberger müssen über Clausthal-Zellerfeld fahren, um nach Altenau, Goslar oder Oker zu kommen. Wer von Altenau die B 498 dann hinunterfährt, kann zwar via Weißwasserbrücke über den See, muss danach aber erst mal zwei Ampel-Stopps bei Romkerhall einlegen. Schlimmer geht‘s nimmer.

Oberhalb von Romkerhall wartet die nächste halbseitige Sperrung an der B 498. Von der Felsklippe rechts oben droht Steinschlag. Foto: Jörg Kleine