Perücken, Pomp und Pulverdampf im Goslarer Zinnfigurenmuseum
Der Maskenball in einem Schloss schwelgt in farbenfrohen Gewändern. Gekonnt ergänzen ein gemustertes Parkett und die Kombination aus Säulen mit Gold und großen Fenstern die Flachfiguren, um eine typische Gesamtszenerie aus dem Barock zu zeigen. Foto: Kaspert
Prunk, Wissenschaft und harte Realität: Die Ausstellung „Perücken, Pomp und Pulverdampf“ entführt im Zinnfigurenmuseum ins aufwühlende Barockzeitalter.

Die Jagd mit Hunden und zu Pferde gehört zu den Vergnügungen. Die Felsen dazu haben die Praktikanten des Museums selbst gebaut. Foto: Kaspert

Die Commedia del Arte aus Italien bringt feste Charaktere hervor, die in ganz Europa auftreten. Foto: Kaspert
Vier Veranstaltungen in der Lohmühle
Hildegard-Knef-Abend im Goslarer Zinnfiguren-Museum
Populäres Volkstheater
Kein Volk kommt ohne Belustigungen aus – die farbenprächtige Commedia del Arte eroberte von Italien aus öffentliche Plätze in ganz Europa. Dieses Volkstheater entwarf feste Charaktere, die Slapstick, Akrobatik und Satire aufführten und hohe Anforderungen an die maskierten und kostümierten Schauspieler stellten. Dafür stand ihre Darstellungskunst erstmals im Vordergrund und nicht der Text eines Autors.
Winterliche Schlittenfahrt in dicken Pelzen. Foto: Kaspert
Fund im Goslarer Depot
Historische Steinvase kehrt nach Jahren an Ursprungsort zurück
Kein Märchenland
Der Kurator hat eigene Exponate sowie von 12 Leihgebern zusammengetragen. Sie füllen zehn Vitrinen sehr farbenprächtig. Hinzu kommen Originalgegenstände aus der Zeit, die das benachbarte Goslarer Museum zur Verfügung stellt. Sie stammen mit Kämmen aus Horn, Schmuck und Fächer aus der Damenwelt.
Zeittypisch abgehoben: Mobilität mit der Sänfte. Foto: Kaspert
Dieser Zusatz macht deutlich, dass diese so verführerisch zusammengereimte Ausstellung mit den drei P im Titel keines Wegs ins Reich der Fantasie führt, sondern in eine extrem zweigeteilte Realität des 17. Jahrhunderts. „Die Schere ging sehr, sehr weit auseinander. Die Kontraste waren riesig“, sagt Marc Krüger, Leiter des Zinnfigurenmuseums seit diesem Sommer. Eingefädelt hat die pittoreske Farbenpracht noch seine Vorgängerin Lea Knupper. Sie betreut inzwischen das Kloster Walkenried.
Welche Berühmtheiten sind dabei?
Berühmte barocke Persönlichkeiten in Zinn gegossen sind: Kardinal Richelieu, Gustav-Adolf von Schweden, Gottfried Leibniz, Philosoph und Mathematiker, Albrecht von Wallenstein, Dr. Eisenbarth.
Ein kleinwüchsiger Spaßmacher hat es in der höfischen Gesellschaft zu Wohlstand gebracht. Foto: Kaspert
August der Starke von Sachsen begründete durch seine eifrige Kunst- und Bauleidenschaft den Ruf Dresdens als prunkvolle barocke Metropole, auch als Elb-Florenz gewürdigt. Die Szene „August der Starke begibt sich zur Jagd“ spielt mit der höfisch geschraubten Sprache.
Die Ausstellung läuft im Zinnfigurenmuseum bis April 2027, geöffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.
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