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Als Elektroniker freigesprochen

GZ Plus IconWarum sich Aaron Theuerkauf früh fürs Handwerk entschieden hat

Person mit langärmligem Oberteil arbeitet an einem Schaltschrank mit mehreren Kabeln und elektrischen Bauteilen

Aaron Theuerkauf ist jetzt Elektriker-Geselle bei „Schmidt’s Team“ in Döhren. Die Arbeit macht ihm großen Spaß. Foto: Heinemann

Der in Döhren ausgebildete Elektroniker wurde freigesprochen. Die Freude war groß, denn diesen Beruf wollte er schon immer ausüben. Darum rät er es auch anderen.

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Von Ronja Heinemann
Samstag, 07.02.2026, 19:45 Uhr

Döhren. Als Aaron Theuerkauf am Freitag in der vergangenen Woche erfuhr, dass er seine Abschlussprüfung bestanden hat, fällt die Anspannung der vergangenen Tage von ihm ab. Zehn Tage lang hatte er auf das Ergebnis gewartet. „Man denkt trotzdem die ganze Zeit darüber nach, ob man bestanden hat oder nicht“, sagt der 23-Jährige. Besonders die theoretische Prüfung habe ihn beschäftigt. „Bei der praktischen kann man sich ganz gut selbst einschätzen. Aber bei der Theorie weiß man es nie so genau.“ Am Ende passt seine Einschätzung – bestanden. Die Erleichterung ist groß.

Die erste Nachricht geht an seine Partnerin, kurz darauf an seine Mutter, dann an den Rest der Familie. Wenige Tage später wird Theuerkauf offiziell freigesprochen – ein wichtiger Meilenstein nach einem Weg, der nicht immer geradlinig war, für ihn aber früh die richtige Richtung hatte.
Person hält einen Gesellenbrief vor einem Plakat

Stolz hält Aaron Theuerkauf seinen Gesellenbrief in der Hand. Foto: Epping

Schon immer der Praktiker

Aufgewachsen ist Aaron Theuerkauf in Oker. Er besuchte das Ratsgymnasium, verließ die Schule jedoch nach der achten Klasse. Schon damals sei klar gewesen, dass seine Stärken nicht im langen Stillsitzen lagen. „Ich bin sehr, sehr lernfaul. Das muss ich zugeben“, sagt er offen. Lieber habe er praktisch gearbeitet, Dinge mit den Händen gemacht. „Viel rumsitzen, das kann ich nicht. Wenn ich Urlaub habe, weiß ich nach einer Woche nicht mehr, was ich machen soll.“

Der Weg ins Handwerk zeichnete sich früh ab. Nach der Schule arbeitete Theuerkauf zunächst anderthalb Jahre bei Elektrocycling, zeitweise auch in einer Werkstatt bei Elektrikern. 2022 begann er schließlich seine Ausbildung zum Elektroniker. Einen Teil absolvierte er bei „Schmidt’s Team“ in Döhren, wohin er zum zweiten Lehrjahr wechselte. Dort schloss er seine Ausbildung nun erfolgreich ab.

Dass es der Beruf des Elektrikers werden sollte, war für ihn keine spontane Entscheidung. „Das hat mir eigentlich schon immer gefallen“, sagt Theuerkauf. Schon der Physik- und Chemieunterricht haben sein Interesse geweckt. Zwar gibt es einen Onkel in der Familie, der ebenfalls Elektriker war, doch ausschlaggebend sei das nicht gewesen. „Ich wollte ins Handwerk, weil ich was Praktisches machen wollte. Und da stach mir der Beruf mehr ins Auge als Maler oder Maurer.“

Viel Verantwortung

An seinen ersten Arbeitstag erinnert er sich noch gut. Nach einer theoretischen Einführung zu Schutzmaßnahmen ging es direkt raus auf die Baustelle. „Wir mussten ein schweres und großes Erdkabel durch den Regen ziehen“, erzählt er und lacht. „Das bleibt in Erinnerung.“

Heute betreut Theuerkauf als Elektriker die Wano Schwarzpulver GmbH in Kunigunde. Dort ist er für die Überprüfung, Instandsetzung und Neuinstallation der elektrischen Anlagen zuständig – verteilt auf rund 70 Gebäude. Die Anlagen zur Verarbeitung von Schwarzpulver sind komplex, die Verantwortung groß. „Für Instandsetzung und Neuinstallation bin ich komplett alleine zuständig“, sagt er. Wenn er Hilfe brauche, bekomme er sie – dennoch ist es ein Vertrauensbeweis, den nicht jeder junge Geselle erhält.

Dass ihm diese Verantwortung schon während der Ausbildung zugetraut wurde, bestätigt auch Geschäftsführer und Elektromeister Mario Zimmermann. „Darüber muss man sich als Unternehmen bewusst sein, und jeden kann man das nicht machen lassen“, sagt er. „Da brauchen wir wirklich Leute, die ihren Kopf benutzen und das nötige Verhalten an den Tag legen. Aaron war einfach der Richtige dafür.“

Nicht ohne Herausforderungen

Ganz ohne Herausforderungen verlief die Ausbildung nicht. Vor allem der Wechsel in die Industrie sei eine große Umstellung gewesen. „Die Anlagen sind deutlich komplizierter und unübersichtlicher“, erklärt Theuerkauf. „Das ist schon ein großer Unterschied, ob man in eine Wohnung kommt oder vor einem Industrieschrank steht.“ Geholfen hätten ihm Lehrgänge, vor allem aber die Unterstützung seiner Vorgesetzten. „Nach einer Zeit findet man die Fehler auch selbst.“ Fehler gehörten dazu – in der Ausbildung ebenso wie später als junger Geselle.

Auf dem Gymnasium habe er häufig zu hören bekommen, dass man mit Abitur studieren müsse. Vom Handwerk sei teilweise sogar abgeraten worden. „Das verstehe ich nicht“, sagt Theuerkauf. Er sehe viele Studiengänge, die jahrelang dauern und am Ende nicht zwangsläufig zu einem Job führen. Das Handwerk dagegen brauche dringend Nachwuchs. Bei der jüngsten Freisprechung seien es insgesamt nur 37 Gesellen aus allen Handwerksberufen gewesen. Statt zehn bis 15 Elektrikern habe es in diesem Jahr nur acht gegeben, von denen sechs bestanden hätten.

Jungen Menschen, die überlegen, ins Handwerk zu gehen, rät er vor allem eines: ausprobieren. „Dafür sind die Schulpraktika da“, sagt er. Zwei Wochen reichen oft schon, um festzustellen, ob der Beruf passe. „Einfach mal trauen, reinschnuppern. Wenn es nichts für einen ist, ist das auch okay.“ Das Handwerk biete zudem geregelte Arbeitszeiten, eine Fünf-Tage-Woche, faire Bezahlung und Perspektiven, vom Firmenwagen bis zur Weiterbildung.

Für sich selbst kann sich Aaron Theuerkauf vorstellen, eines Tages den Meister zu machen. Seinem jüngeren Ich würde er denselben Rat geben wie heute anderen: ins Handwerk gehen. „Es hat sich für mich einfach richtig angefühlt.“

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