Forschung: Welche Geheimnisse gibt die Isiburg bei Schladen frei?
Das alte Luftbild zeigt das Areal der Isiburg. Im Getreidefeld sind die Strukturen einer Ringwallanlage an der unterschiedlichen Färbung des Korns zu erkennen. Foto: Archiv Steinmetz
Zwölf Jahre lang gruben Freunde der Archäologie im Braunschweiger Land auf dem Areal der Isiburg am Okertal. Es folgten Jahre der Forschung. Wie lauten die Ergebnisse?
Isingerode/Schladen. Im Jahr 2016 erfolgte die letzte Grabung an der Isiburg bei Schladen. Jetzt, rund zehn Jahre später, gibt es neue Erkenntnisse aus der Forschung zu dem Bauwerk der Bronzezeit – und Wolf-Dieter Steinmetz, ehemaliger Oberkustos der Abteilung Ur- und Frühgeschichte des Braunschweigischen Landesmuseums und nun in Ruhestand, nahm die Besucher des Winterabends im Heimathaus Alte Mühle mit auf eine Zeitreise.
Im Heimathaus Alte Mühle referiert Archäologe Wolf-Dieter Steinmetz über die Forschungsergebnisse aus zwölf Jahren Grabungen auf der Isiburg. Foto: Gereke
„Wir machen einen kleinen Schnitt, 20 mal drei Meter – und im Herbst sind wir wieder verschwunden“, so erinnerte sich Steinmetz habe er es damals dem Grundeigentümer die erste Grabung schmackhaft gemacht. Geworden sind daraus zwölf Jahre Grabungstätigkeit in einer etwa 190 mal 140 Meter großen alten Befestigungsanlage. „Sie ist wiederholt zerstört und wiederaufgebaut worden, es gab mehrere Befestigungsphasen“, so der Archäologe. Auf einem Wall befand sich eine Befestigungsmauer – auch zum Steilhang hin. „Keine Steinmauer oder Palisaden, sondern Balken mit einem Maß von 20 mal 25 Zentimetern, die von außen wegen der Brandgefährdung mit einer Lehmschicht versehen waren.“ Es gibt Hinweise, dass diese Lehmschicht bemalt war – ein Zeichen für eine repräsentative Anlage. Zur Burg gehörte eine Außensiedlung, alles existierte vom 12. bis zum 7. Jahrhundert vor Christus. „Wir sprechen hier also über bis zu 600 Jahre Siedlungsgeschichte.“
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Steinmetz glaubt, die Isiburg war ein regionales Herrschaftszentrum in einem ethnisch-kulturellen Grenzgebiet. Weitere historische Funktionen: Grenz- und Fernwegkontrolle als eine Art Zollstation, Handels- und Stapelplatz, Marktplatz sowie Handwerkersiedlung und vielleicht auch religiöser Anlaufpunkt. Die Isiburg als herrschaftlicher Fürstensitz: Andere Anlagen ähnlichen Typs befanden sich eine Tagesreise entfernt – damals etwa 20 Kilometer, sodass um jeden Standort ein Umkreis von zehn Kilometern bestand. Ein Abstand, in den Isiburg genau hineinpasst.

Es ist vielleicht das einzige Schild, das an die Isiburg erinnert. Eine Hinweistafel gibt es am Areal oberhalb von Isingerode nicht. Foto: Gereke
„Die Oker war eine Grenze zu einer anderen Siedlungsgruppe. Die Unterschiede bestanden nicht nur in den benutzten Töpfen“, verdeutlichte Steinmetz. So gab es jenseits der Oker eine ganz andere Bestattungskultur. Folge: „Eine Konfliktsituation. Man baut nicht umsonst eine solche Befestigungsanlage.“ Und vielleicht ist es auch eine Erklärung für die mehrfache Brandschatzung. „Nachbarn mögen sich oft nicht – siehe Braunschweig und Hannover“, so Steinmetz. Oder auch „Schladen und Hornburg früher“, wie Heimatkreis-Vorsitzende Dorothee Schacht einwarf und für Lacher im Publikum sorgte.
Große Anzahl Knochenfunde zeugt von Jagd
Viele Knochenfunde auf dem Isiburg-Gelände von Auerochse, Rothirsch, Wildschwein, Reh und Bär zeugen auch von Jagd – und Jagd war „ein herrschaftliches Signet“. Die Okerniederung hätte damals noch ganz anders ausgesehen – es war eine feuchte Niederung mit Sandbänken. Beschiffbar für Lastkräne mit geringem Tiefgang. „Das wäre noch mal ein Ziel, den Isihafen zu finden“, schmunzelte Steinmetz. Die Knochenfunde lieferten auch ein Indiz dafür, dass das Braunschweiger Land ein bronzezeitliches Zentrum für Pferdezucht war. Die Grabungen förderten eine Gussform für Ringschmuck zu Tage, einen Sandstein zum Bearbeiten der Bronze – und Salzsiedeständer. Ein Zeichen dafür, dass die Isiburg-Bewohner kein Salz erwarben, sondern nur Sole und selbst siedeten.

Besonderer Fund bei den Grabungen oberhalb von Isingerode: Die Archäologen entdecken eine Bronzesichel. Foto: GZ-Archiv
Die neuen Methoden des Archäomagnetismus brachten in den vergangenen Monaten neue Erkenntnisse zur Chronologie und Klimageschichte der Anlage. Das Prinzip dahinter: Wenn Ton oder Lehm gebrannt werden, richten sich die magnetischen Minerale nach dem zu diesem Zeitpunkt aktuellen Erdmagnetfeld aus. Beim Abkühlen „friert“ diese Ausrichtung ein. Da sich das Erdmagnetfeld im Laufe der Zeit ändert, können Archäologen anhand der Ausrichtung und Intensität des gespeicherten Magnetismus den Zeitpunkt des Brandes bestimmen.
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So konnte eine Wissenschaftlerin Brandphasen bestätigen, die Steinmetz zuvor zeitlich eingeordnet hatte. Bei einer aber erntete er Widerspruch. Demnach habe es ein Brandereignis im Zuge eines „800er Events gegeben, das ein gewaltiger klimatischer Einbruch gewesen sein muss“, so Steinmetz und spricht von einem Jahrtausendhochwasser. Wozu so etwas führen kann, dokumentieren Aufzeichnungen aus dem Mittelalter: Missernten, Hungersnöte, Bevölkerungsrückgang, Wüstungen, Unruhen, Krankheiten.

Im Gelände oberhalb des Steilhangs lässt sich nur noch erahnen, wo sich einst die Isiburg, die in alten Landkarten als Schwedenschanze bezeichnet wird, befand. Foto: Gereke
„Es trat ein Brandereignis also kurz vor oder während der Klimakatastrophe ein – danach prägte die Isiburg eine stärkere Wüstungsphase“, erläuterte Steinmetz. Als die Wiederbesiedelung begann, erfolgte das Anlegen eines Befestigungsgrabens nach außen. Das war in der Endphase der späten Bronzezeit bzw. der frühen Eisenzeit von 750 bis 700 vor Christus. „Um 600 setzte dann ein Burgensterben ein – über die Gründe kann nur gerätselt werden.“ Vielleicht, weil das neue Metall Eisen neue Handelsplätze mit sich brachte. Oder das Vordringen neuer Kulturen für unruhige Zeiten sorgte.
„Die zwölf Jahre haben sich gelohnt“
Sein Fazit: „Nach zwölf Jahren Grabungen und neun Jahren Forschung können wir in ganz vielen Punkten die Lebensweise rekonstruieren“, sagte Steinmetz. Er schätzt, dass in und um die Isiburg, oder Schwedenschanze wie sie früher genannt wurde, zwischen 300 und 500 Menschen lebten – und das in einer Zeit, in der durchschnittlich drei bis vier Menschen pro Quadratkilometer lebten. Während der zwölf Jahre verbrachte er quasi die Sommer oberhalb von Isingerode. „Die Grabungen habe ich in meiner Freizeit gemacht“, erinnerte er sich – gemeinsam mit den Freunden der Archäologie im Braunschweiger Land. Doch: „Die zwölf Jahre haben sich gelohnt.“
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Heute lässt sich die Isiburg im Gelände nur noch erahnen – noch nicht mal eine Hinweistafel gibt es. „Wem muss man denn mal auf die Füße treten, damit so etwas mal dort oben hinkommt“, fragte denn auch eine Zuhörerin. „Dem Bezirksarchäologen“, nannte Steinmetz als Adresse.
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