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Hilfe für Kröten und Co.

GZ Plus IconNordharzer suchen Helfer für die Amphibienrettung

Gruppe von Menschen in Winterkleidung, die mit Werkzeugen am Boden in einem bewaldeten Gebiet arbeiten.

Für die kommende Amphibiensammlung werden an vielen Orten im Nordharz Tierfreunde als Helfer gesucht. Foto: Leifeld (Archiv)

Wenn die Temperaturen steigen, beginnt die Zeit der Amphibienwanderung. Für die Rettung von Kröte und Co. im Nordharz werden noch Helfer gesucht.

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Von Andrea Leifeld
Freitag, 20.02.2026, 04:00 Uhr

Nordharz. Beim Blick auf die angekündigten warmen Temperaturen am bevorstehenden Wochenende plagen Wolfgang Moldehn tierische Sorgen. „Wir benötigen noch dringend Helfer für unsere Amphibiensammlung“, erklärt er für die Nabu-Ortsgruppen Langelsheim.

Frosch mit Zylinderhut und Fliege zeigt mit ausgestrecktem Finger nach vorne vor Text 'WIR SUCHEN DICH FÜR DIE AMPHIBIENRETTUNG - AB MÄRZ 2026 -'.

Gemeinsam werben die Sammelgruppen für die Hilfe bei der Amphibienrettung. Foto: Privat

„Wir sind ja nicht die Einzigen, die Helfer suchen“, betont Moldehn und verweist auf 14 Amphibiensammelgruppen im Landkreis Goslar.

Dass es aber bereits an diesem Wochenende „losgeht“, kann er sich nicht wirklich vorstellen: „Wir hatten über viele Wochen tiefen Frost, und die wechselwarmen Amphibien überwintern tief im Wald. Da müssten wir schon über mehrere Tage deutliche Plusgrade haben, bevor die Wanderung beginnt“, hofft er.

Die ersten tierischen Wanderer im Jahr sind immer Frösche, dann folgen die Erdkröten, die oft über mehrere Wochen wandern. Dazu kommen verschiedene Molche, darunter auch seltene Arten. Seit 2008 sind die Amphibiensammler auf 2,5 Kilometern der L 515 entlang der Innerste-Talsperre aktiv. Angeschoben hatte einst die Langelsheimerin Annegret Grabengörst die Rettung der Tiere, die sonst zu Tausenden auf dem Weg zu ihrem Laichgewässer überfahren werden würden.

Durch Unterdruck zerrissen

Für den Tod der Tiere ist nicht entscheidend, ob die Räder des Fahrzeugs das Tier direkt überrollen. Selbst,wenn der Fahrer die Amphibie gut gemeint „zwischen die Räder nimmt“, wird das Tier im entstehenden Unterdruck zerrissen. Die Organe platzen und die Tiere sterben einen qualvollen Tod.

Bereits vor einigen Jahren wurde an der L 515 auf 1,3 Kilometern ein fester Krötenzaun aufgestellt.

„Das ist eine unglaubliche Erleichterung, weil in dem Bereich die Tiere nicht mehr von der Straße gesammelt werden müssen, aber die restliche Strecke ist geblieben und verlangt noch immer über einen großen Zeitraum nach vielen Sammlern, die in den Morgen- und Abendstunden tätig sind“, erklärt Moldehn. Koordiniert werden die Einsätze nach einer vorherigen Absprache und über eine WhatsApp-Gruppe. Je nach Wetterlage rücken die Amphibiensammler von März bis Mai aus. Gesammelt würde aber nicht nur entlang der Talsperre, sondern auch einige hundert Meter entlang der K 35 auf Höhe der Schäderbaude.

Verlässliche Helfer gesucht

Was müssten willige Sammler mitbringen? „Die Lust, im genannten Fall verlässlich helfen zu wollen“, bringt es Wolfgang Moldehn mit wenigen Worten auf den Punkt. Alles andere würde sich finden. Einige Tierfreunde sammelten lieber morgens, andere lieber in den Abendstunden, weiß er aus Erfahrung. Auch ein anfänglicher Ekel, einen Frosch in die Hand zu nehmen, wurde bislang noch nie zum Problem und konnte immer überwunden werden. „Viele Leute glauben, Kröten und Frösche sind nass, kalt und glitschig – stellen dann aber beim ersten Berühren überrascht fest, dass es gar nicht so ist.“

Neuer Ansprechpartner der Langelsheimer Gruppe ist Andreas Muschke, der die Organisation der Amphibiensammlung von Annegret Grabenhorst übernimmt. Willige Helfer können sich mit ihm unter andreas.muschke@web.de und 0162/40 82 458 in Verbindung setzen. Darüber hinaus trifft sich die Nabu-Ortsgruppe Langelsheim jeden ersten Dienstag im Monat, um 19 Uhr in der Schäderbaude.

Vier Personen mit Warnwesten arbeiten gemeinsam an einem grünen Drahtgitter neben einem Weg im Freien.

Auch an der L496 zwischen Lutter und Neuwallmoden sind Maßnahmen nötig. Foto: Leifeld (Archiv)

Auch in der Gemarkung Lutter am Barenberge können Tierfreunde tätig werden: Dort sammelt seit ungezählten Jahren eine emsige Gruppe um Joachim Kraume-Flügel entlang der L 496 zwischen Lutter und Neuwallmoden. „Auch wir suchen Helfer“, bestätigt Kraume-Flügel. Das bestehende Team könnte jederzeit ergänzt werden. „Es kann ja nicht jeder an jedem Tag“, hält er fest. „Den Amphibienschutzzaun können wir zum Beispiel nur am Wochenende aufstellen, weil wir unter der Woche alle zur Arbeit sind“, verdeutlicht er. 500 bis 600 Meter umfasst die Sammelstrecke entlang der Teiche. „Im vergangenen Jahr hat die Straßenmeisterei Seesen nach Vorgabe der Unteren Naturschutzbehörde eine Möglichkeit geschaffen, dass wir die Sammeleimer nicht jedes Jahr neu eingraben müssen. Das entlastet unsere Arbeit enorm“, zeigt er sich in jene Richtung dankbar.

Amphibiensammler sind versichert

Auch DIN-genormte Warnwesten wurden den Amphibiensammlern durch die Behörde zur Verfügung gestellt. „So sind wir bei unseren Einsätzen versichert“, fügt er an. Gesammelt wird in den Abendstunden ab 21 Uhr – und morgens.

„Wir müssen ja nur die Eimer ausleeren, aber das ist morgens besonders wichtig, weil kleine Molche über den Tag im Eimer austrocknen könnten“, erklärt er. Tierfreunde, die unterstützen möchten, können das Neuwallmodener Team unter (05383) 1340 erreichen.

Zwei Personen stehen neben einem grünen Netzzaun an einem Gehweg neben einer Straße mit Bäumen und einem Fluss im Hintergrund.

An den Liebenburger Teichen werden Amphibien auf einer Länge von 300 Metern gesammelt. Foto: Privat

Auch in der Gemeinde Liebenburg wirbt das Amphibiensammler-Team um Sabine Asmus um weitere Helfer. Die Kröten- und Amphibienrettung entlang der Liebenburger Teiche ist für Tierfreunde und Verkehrsteilnehmer seit vielen Jahren bekannt. Alljährlich wandern dort jedes Frühjahr viele Hundert Amphibien vom Burgberg kommend über die L 500, um in den zwei Domänenteichen ihre Laichgewässer zu erreichen.

Die Sammelstrecke beträgt dort rund 300 Meter. Weil sich die Helferschar in diesem Jahr altersbedingt verkleinert hat, muss sich die Gruppe neu finden. Tier- und Naturfreunde, die sich angesprochen fühlen, können Sabine Asmus unter amphibienschutz-liebenburg@web.de erreichen.

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