Zähl Pixel
Spende für den leukämiekranken Julian

GZ Plus IconItalienisches Eiscafé für Senioren im Goslarer Haus Abendfrieden

Ben nimmt die Bestellungen auf. Maria und Hans-Heinz Emons haben sich für zweimal gemischtes Eis entschieden.

Ben nimmt die Bestellungen auf. Maria und Hans-Heinz Emons haben sich für zweimal gemischtes Eis entschieden. Foto: Hartmann

Im Goslarer Seniorenheim „Haus Abendfrieden“ eröffnete ein italienisches Eiscafé: Jungen und Mädchen verwöhnten die Bewohner mit Schwarzwaldbechern und Bananensplit und sammelten Spenden für den krebskranken Julian (13) aus Langelsheim.

author
Von Petra Hartmann
Mittwoch, 31.07.2024, 15:00 Uhr

Goslar. „Was möchten Sie?“ Ben legt den Kopf schief und malt sorgfältig zweimal die Nummer 4 auf seinen Kellnerblock. Gemischtes Eis mit Sahne für Maria und Hans-Heinz Emons von Tisch 5. Die anderen drei Seniorinnen am Tisch – Regina Kreikemeyer, Gisela Ose, Ernestine Waltinger – haben sich für Schwarzwaldbecher entschieden. Aber mehr als zwei Portionen Eis kann der Goetheschüler nun wirklich nicht gleichzeitig auf seinem Tablett tragen.

Das italienische Eiscafé ist vermutlich jedes Jahr das zauberhafteste Angebot des Ferienpasses: Der Speisesaal des Seniorenheims Haus Abendfrieden verwandelt sich in eine liebevoll hergerichtete Eisdiele, und Kinder im Alter von acht bis elf Jahren mit Käppi und Häubchen stolzieren würdevoll und hochkonzentriert von Tisch zu Tisch und balancieren Eisbecher auf ihren Tabletts. Sieben Sorten gibt es: Früchtebecher, Bananensplit, Schwarzwaldbecher, gemischtes Eis mit Sahne, Eiskaffee, Eisschokolade und Sanfter Engel. „Die Karte habe ich selbst gemalt“, sagt Ben stolz, als er seine erste Fuhre ablädt. Er dreht das laminierte Blatt um: „Da steht es: Ben.“ Dann kehrt er flink zurück in den Vorraum, in dem Katja Bonse und Bettina Steffens, Alltagsbegleiterinnen beim Abendfrieden, die Schwarzwaldbecher zusammenstellen.

18 Jahre italienisches Eiscafé

„Das italienische Eiscafé wird heute volljährig“, verkündet Theresa Hellmann zur Eröffnung. Die Leiterin des Begleitenden Dienstes hat extra noch einmal nachgeschaut: Kein Zweifel, die Aktion gibt es schon seit 18 Jahren. Zum 20-Jährigen will sie versuchen, ein paar „Eiskinder“ der ersten Stunde zu finden und einzuladen. Die Idee zu der Ferienpass-Aktion im Abendfrieden hatte damals ihr Vorgänger Erhard Stahl, der auch an diesem Tag zu Gast ist. Er erinnert sich noch gut daran, wie sie reagiert hatte, als er das erste Mal davon sprach: „Sie hat mich angeschaut, als ob sie dachte: Was will der jetzt schon wieder ...?“, sagt er schmunzelnd und nimmt sie in den Arm. Doch nun heißt es: „Essen, bis der Bauch wehtut, es ist genug da!“, so die Losung, die Hellmann ausgibt.

13 Jungen und Mädchen sind im Einsatz und fliegen von Tisch zu Tisch, um Bestellungen aufzunehmen und Eis zu bringen. Unterstützt werden sie von drei „Großen“, von den Praktikanten Diego Da Costa und Pauline Bonse und der angehenden Heilerziehungspflegerin Broniar Nalunga. Außerdem sind die beiden Stadtjugendpfleger Jannick Voss und Camilla Dal Pos mit im Boot.

Am Tag zuvor haben die Kinder den Saal geschmückt, haben Luftballons aufgehängt und Eistüten aus Tonpapier aufgestellt. Außerdem hat die 101-jährige Anni John Tischdeko gebastelt.

Viel Spaß beim Badewannentango

Die Kinder haben auch ein kleines Programm vorbereitet. Fiete trägt das Gedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Haveland“ vor, und alle zusammen singen mit viel Spaß und den passenden Gesten den „Badewannentango“. Alle Bewohner zusammen stimmen darauf „Kein schöner Land“ für die Eiskinder an - vier Strophen, und niemand braucht einen Textzettel.

Was am meisten Spaß gemacht hat? „Dass ich die Gäste glücklich gemacht habe“, sagt Alicia (9). „Der Badewannentango“, sagt Ben. Sam (10) könnte sich vorstellen, später mal in einer Eisdiele zu arbeiten: „Das ist mein zweiter Traumberuf.“ Fiete stellt allerdings am Ende fest: „Mir tun die Beine weh.“

Spenden für Julian

Zum Schluss geht Emily mit der Sammelbüchse herum. Die Kinder, die jedes Jahr für einen anderen wohltätigen Zweck sammeln, haben beschlossen, dass diesmal das Geld für den 13-jährigen Julian aus Langelsheim bestimmt ist. Der Schüler ist an Leukämie erkrankt und auf der Suche nach einem genetischen Zwilling, der für ihn Stammzellen spenden kann. Das Geld soll zur Finanzierung der Gen-Analysen dienen. Im vergangenen Jahr waren 312 Euro für das Goslarer Hospiz zusammengekommen. Ein Betrag, den die Jungen und Mädchen unbedingt toppen wollten. Und Tatsächlich: Beim Kassensturz waren stolze 324,50 Euro für die Aktion Julian herausgekommen.

Als Dankeschön gab es im Anschluss „Eis satt“ für die kleinen Eishelden. Und manche von ihnen schafften sogar noch Eisbecher. „Essen bis der Bauch weh tut“, hieß ja die Parole.

Regina Kreikemeyer (von links), Gisela Ose, Ernestine Waltinger und Maria und Hans-Heinz Emons genießen Schwarzwaldbecher und gemischtes Eis.

Regina Kreikemeyer (von links), Gisela Ose, Ernestine Waltinger und Maria und Hans-Heinz Emons genießen Schwarzwaldbecher und gemischtes Eis. Foto: Hartmann

Fiete wünscht allen einen guten Appetit.

Fiete wünscht allen einen guten Appetit. Foto: Hartmann

Die Kinder servieren leckeres Eis.

Die Kinder servieren leckeres Eis. Foto: Hartmann

Schülerin Theresa und die angehende Heilerziehungspflegerin Broniar Nalunga servieren das Eis am Tisch von Claudia Hagedorn (links) und Christa Wolf.

Schülerin Theresa und die angehende Heilerziehungspflegerin Broniar Nalunga servieren das Eis am Tisch von Claudia Hagedorn (links) und Christa Wolf. Foto: Hartmann

Eismann Johannes bei der Arbeit.

Eismann Johannes bei der Arbeit. Foto: Hartmann

Ein volles Tablett und ein freundliches Lächeln: Helena hat viel Spaß an ihrer Arbeit.

Ein volles Tablett und ein freundliches Lächeln: Helena hat viel Spaß an ihrer Arbeit. Foto: Hartmann

Emily sammelt die Spenden ein.

Emily sammelt die Spenden ein. Foto: Hartmann

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Themen aus der Region