Zähl Pixel
Einzigartig in Deutschland

GZ Plus IconBunte Streifen auf der B4: Das hat es damit auf sich

Mitten auf der Fahrbahn der B4 im Harz finden sich seit Kurzem verschiedenfarbige Markierungsstreifen.

Mitten auf der Fahrbahn der B4 im Harz finden sich seit Kurzem verschiedenfarbige Markierungsstreifen. Foto: Exner

Sie sind grün, rot, gelb, schwarz und weiß – einige strukturiert, andere glatt. Seit Kurzem finden sich auf der Bundesstraße 4 im Harz zahlreiche verschiedene Markierungsstreifen. Was dahinter steckt und wieso das für eine Revolution sorgen könnte.

author
Von Christoph Exner
Mittwoch, 03.09.2025, 04:00 Uhr

Bad Harzburg/Torfhaus. Welch befreiende Vorstellung für Autofahrer: Straßen, die künftig nicht mehr extra abgesperrt werden müssen, wenn auf ihnen die Markierungen erneuert werden, weil die Farbe bereits in weniger als einer Sekunde trocken ist. Keine ewig lange dauernden Baustellen mehr, da Fahrbahnen auch dann farbig markiert werden können, wenn sie nass sind, und Witterungsverhältnisse entsprechend keine Rolle mehr spielen. Zukunftsmusik? Schon. Aber keineswegs Fiktion. Auf der Bundesstraße 4 zwischen Bad Harzburg und Torfhaus wird dieser Tage der Prototyp einer Maschine getestet, die laut ihrer Hersteller genau diese Möglichkeiten verspricht.

Im Einsatz ist dort die Firma MTS Bodenmarkierungen aus Ibbenbühren bei Osnabrück. Gemeinsam mit der Deutschen Studiengesellschaft für Straßenmarkierungen (DSGS) bringt sie zahlreiche verschiedenfarbige Streifen auf der Fahrbahn der Schnellstraße auf. Diese sind grün, rot, gelb, schwarz und weiß, in Zukunft folgen auch noch blaue – einige sind strukturiert, andere glatt, ihre Abstände zueinander sind unterschiedlich. Es handelt sich um ein Prüffeld, auf dem nicht nur neue Markierungsmethoden, sondern auch die Markierungen selbst getestet werden.

Einzigartige Bedingungen

So wie es im Harz zu finden ist, gibt es ein solches Prüffeld kein zweites Mal in Deutschland. Alle Markierungsarten, die es auf deutschen Straßen zu finden gibt, finden sich auch dort. Die Bedingungen zwischen Torfhaus und Braunlage sind laut DSGS sogar europaweit einzigartig: Nirgendwo sonst lassen sich die Einwirkungen von Wetter, Schneepflügen, Tausalz oder Sonneneinstrahlung besser testen, nirgendwo sonst ist das gewollte „Worst-Case-Szenario“ einer mechanischen Belastung besser darstellbar als auf der auf gut 600 Höhenmeter gelegenen Schnellstraße.

Die DSGS mit Sitz in Bad Sachsa ist der Fachverband der Fahrbahnmarkierungsindustrie und bietet Herstellern solcher Materialien durch das Prüffeld die Möglichkeit, ihre Produkte unter realen Bedingungen zu testen. Im Jahr 2006 war das Prüffeld erstmals angelegt worden, zunächst nur mit gelben und weißen Markierungen, wie man sie von Straßen und Baustellenumfahrungen kennt. Fünf Jahre später veröffentlichte die DSGS ihren ersten Prüfbericht und bezeichnete die darin gesammelten Erkenntnisse als „wegweisend“. 2022 kamen farbige Markierungen hinzu.

Überfahren erwünscht

Die roten kommen laut DSGS beispielsweise beim Bau von Radwegen zum Einsatz, die grünen etwa beim Anlegen von Mittelstreifen auf neu gebauten Landstraßen. Ihre Verwendung ist zwar nicht neu, was die Erforschung ihrer verkehrstechnischen Belastung angeht, gebe es laut DSGS aber noch keine umfassenden Erkenntnisse. Es gehe unter anderem um die Fragen: Verblassen die Farben unter anhaltender Sonneneinstrahlung? Wie steht es um die Griffigkeit? Und wie schnell nutzen sie sich ab?

2023 musste das Prüffeld eine Zeit lang weichen, weil die Fahrbahn der B4 im entsprechenden Abschnitt erneuert wurde. Nun ist es wieder hergerichtet worden. Das Überfahren der Markierungen ist übrigens ausdrücklich erwünscht und für das Fahrwerk ungefährlich, erklärt die DSGS. Für Spurwechsel oder Vollbremsungen gebe es keinen Grund. Nur Motorradfahrern wird wegen einer möglicherweise unterschiedlichen Griffigkeit empfohlen, die linke Fahrspur zu nutzen.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Themen aus der Region