„Entscheidend, vernichtend, gnadenlos“
US-Kriegssminister Pete Hegseth spricht in Mar-a-Lago in Palm Beach zum Iran-Krieg. Foto: Alex Brandon/AP/dpa
US-Kriegsminister Hegseth wählt beim Iran-Krieg so martialische Worte wie nie aus Washington. Dabei setzen die USA ihre Verteidigungsbereitschaft aufs Spiel.
Der Krieg dauert vier Wochen, ließ US-Präsident Donald Trump wissen, als die USA und Israel das Bombardement auf den Iran voriges Wochenende eröffneten. Doch wer mag solchen Prognosen allen Ernstes noch Glauben schenken? Vor wenig mehr als einem Jahr behauptete der Mann auf dem Weg ins Weiße Haus, er könne den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine in nur einem Tag beenden.
Die Lehren aus Afghanistan, Irak und Syrien
Aber nicht nur Prognosen des wirren US-Präsidenten, sondern weltweit in den vergangenen Jahrzehnten erwiesen sich samt und sonders als Makulatur oder Schönfärberei, wenn es um Kriege ging. Nach zwei bis drei Tagen sei der russische Staatskommandeur Wladimir Putin in Kiew einmarschiert, hieß es. Inzwischen dauert der Krieg schon mehr als vier Jahre. Gott sei Dank, möchte man hier anfügen, dass die Ukraine derart wehrhaft ist.Aber auch der Blick nach Afghanistan, in den Irak oder nach Syrien zeigt, dass die Prognosen und Erwartungen eines kurzen Krieges sich alsbald im Wolkenkuckucksheim auflösten. Und genauso wird es im Krieg mit dem Iran kommen, der militärisch im Übrigen ein völlig anderes Kaliber ist als Afghanistan oder der Irak – wenn die Redewendung an dieser Stelle erlaubt sein mag.
Was ist überhaupt das Ziel des Iran-Krieges?
Und was ist überhaupt das Ziel dieses Krieges? Den Bau iranischer Atombomben zu verhindern? Das brutale und korrupte Mullah-Regime zu beseitigen, das für weltweite islamistische Terroranschläge verantwortlich ist? Eine mordende Regierung hinwegzufegen, die seit Jahrzehnten das eigene Volk unterdrückt? Dem Iran demokratische Strukturen zu geben für eine bessere Welt?Folgen des Iran-Kriegs
Sprit immer teurer - Preisbremse überwiegend abgelehnt
Klar ist: Völkerrecht, Menschenrechte, Demokratie und Freiheit sind für den selbsternannten Friedensnobelpreisverdiener Trump und den israelischen Staatschef Benjamin Netanjahu nur Floskeln, wenn es um den ureigenen Machterhalt geht: Wenn Krieg herrscht, rücken innenpolitische Konflikte in den Hintergrund.
US-Regierung so martialisch wie nie
Dabei ist die regierungsamtliche Wortwahl in den USA inzwischen so martialisch, wie es aus Washington noch nie zu vernehmen war. „Sie sind erledigt. Und sie wissen es, oder zumindest werden sie es bald wissen“, verkündete US-Kriegsminister Pete Hegseth: „Amerika gewinnt entscheidend, vernichtend und gnadenlos.“
Vernichtend? Gnadenlos? Mit solchen Begriffen stellen sich die USA auf eine Stufe mit einem Terrorregime. Die Gefahr ist zudem groß, dass Hegseth den Mund zu voll genommen hat. Schon heißt es, die USA könnten die Angriffsschläge länger als vier, fünf Wochen führen. Auch Bodentruppen im Iran seien möglich, und offenbar hat Washington bereits den Schulterschluss mit Kurden-Milizen an der Grenze zum Iran gesucht. Womöglich in deren Hoffnung auf ein selbstbestimmtes Kurdistan.Die Lage im Überblick
Iran weitet Angriffsziele aus - Nato alarmiert
Trump setzt die eigene Verteidigungsbereitschaft aufs Spiel
Die Pläne im Weißen Haus sind vermutlich andere: Erst ein kurzer Schlag gegen Venezuela, um sich Ölreserven zu sichern. Nun der Krieg gegen den Iran. Beides schwächt das öldurstige China im globalen Wettbewerb und lässt Russland schwach aussehen. Dass die USA mit dem intensiven Bombardement auf den Iran die eigene Verteidigungsbereitschaft – und die der Nato – aufs Spiel setzt, geht in den gnadenlosen Erklärungen des US-Kriegsministers unter. Denn nach Analysen von Militärexperten verschießen die USA derzeit in Tagen mehr Marschflugkörper und Patriot-Raketen, als sie in Jahren produzieren können. Oder will Trump aus Angst vor den US-Zwischenwahlen alsbald auf Kriegswirtschaft umstellen?
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