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Auf der Internationalen Kulturbörse

GZ Plus IconGoslars Kleinkunstverein kauft beim Branchentreff in Freiburg ein

Das Autin Dance Theater aus Birmingham faszinierte mit seiner überlebensgroßen Marionette.

Das Autin Dance Theater aus Birmingham faszinierte mit seiner überlebensgroßen Marionette. Foto: Kempfer

Im Gespräch bleiben, neue Formate aussuchen, neue Programme ansehen, Termine finden und verhandeln: Das ist der Besuch auf der Internationalen Kulturbörse in Freiburg.

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Von Sabine Kempfer
Freitag, 06.02.2026, 11:00 Uhr

Freiburg. Ein paar dicht gepackte Tage und manchmal auch eine emotionale Achterbahnfahrt erleben die Besucher der Internationalen Kulturbörse Freiburg (IKF) jedes Jahr im Januar. Unter dem Motto „Culture Connects People“ ging die Fachmesse, ein beliebter Branchentreff, Ende Januar auf dem Freiburger Messegelände über die Bühnen – 2.400 Besucherinnen und Besucher nahmen an der 37. Ausgabe der internationalen Fachmesse teil, darunter das Programmteam des Goslarer Kulturkraftwerks (Förderkreises Goslarer Kleinkunsttage), aber auch die Kleinkunstbühne Salzgitter und das Kulturteam der Stadt Salzgitter.

Auch das bietet die Börse: ein Wiedersehen mit Künstlern, die gefielen, hier Andreas Langsch, der als Bodo Wartke 2.0 gehandelt wird. Links: Martina Sigwarth, hinter Langsch: Brigitte Weirauch und Astrid Maleki.

Auch das bietet die Börse: ein Wiedersehen mit Künstlern, die gefielen, hier Andreas Langsch, der als Bodo Wartke 2.0 gehandelt wird. Links: Martina Sigwarth, hinter Langsch: Brigitte Weirauch und Astrid Maleki. Foto: Kempfer

„220 Ausstellende aus zehn Ländern präsentierten ein breites Spektrum an Dienstleistungen – von Ticketing und Bühnentechnik über Fachverbände und Medienexpertinnen

bis hin zu internationalen Künstleragenturen“, so das Fazit des Veranstalters. Herzstück der IKF ist das vielseitige Live-Programm. 120 Auftritte von mehr 230 Künstlerinnen und Künstlern aus zehn Ländern boten für 2026 einen kompakten Überblick über die Vielfalt aktueller Bühnenproduktionen im überwiegend deutschsprachigen Raum.

Martina Sigwarth vom Programmteam des Goslarer Kleinkunstvereins war nach zwei von drei Messetagen mit dem Ergebnis mehr als zufrieden: „Wir haben viel mehr Ideen als freie Termine“, sagte sie nach dem erfolgreichen „Einkaufsbummel“. Die Messe bietet die Gelegenheit, sich von morgens bis abends im 20-Minuten-Takt Ausschnitte aus den aktuellen Programmen der Kleinkünstler live anzusehen. Da es Programm an drei bis vier verschiedenen Orten zeitgleich gibt, hat jeder Besucher die Qual der Wahl.
Voller Einsatz von Sinje Schnittker, eine von drei Zucchini-Sistaz, die Anfang 2027 mit ihrem neuen Programm nach Goslar kommen.

Voller Einsatz von Sinje Schnittker, eine von drei Zucchini-Sistaz, die Anfang 2027 mit ihrem neuen Programm nach Goslar kommen. Foto: Kempfer

Da wäre zum Beispiel gleich zum Start am Morgen die Show der Zucchini Sistaz, die mit ihrem neuen Programm auch nach Goslar kommen werden, allerdings erst Anfang 2027. „Für 2026 haben wir das Haus voll“, erklärte Sigwarth; allenfalls ein paar kleine „Überraschungen“ konnte sie für das aktuelle Jahr noch organisieren. Das Jahresprogramm steht längst. Auf die Zucchini Sistaz darf sich das Publikum jedenfalls freuen: Allein die neue Nummer „Oma Marlene“ ist sehenswert und herzerwärmend; warum sollte eine 78-Jährige denn keinen Tango-Kurs buchen? Wunderbar gesungen und instrumental gespielt von den drei Frauen, die schon mehrfach das Kraftwerkspublikum im Handstreich eroberten – und für die im Kraftwerk schon Zucchini-Torte gebacken wurde.

Für 2027 fielen noch andere Namen: Die erfahrene Kabarettistin Anka Zink kommt zum Frauentag, „Acoustic Instinct“ zur Langen Nacht, „Luksan Wunder“ ins Festival, und, und, und. Das Aramelo-Duo begeisterte mit Trampolin, poetischen Bildern und Akrobatik – bereitet dem Verein allerdings ob der Bühnenanforderungen Kopfzerbrechen – es bleibt spannend.

Der Blickfänger in der Ausstellerhalle blieb drei Tage lang eisern stehen.

Der Blickfänger in der Ausstellerhalle blieb drei Tage lang eisern stehen. Foto: Kempfer

Die Agenturen, die gekommen waren, passten dieses Mal alle in eine Halle, waren nach Einschätzung von Martina Sigwarth mit der Kulturbörse 2026 aber sehr zufrieden. Die Programmchefin führte viele Gespräche und hielt den Ruf der Goslarer in Freiburg hoch, wonach die Kleinkünstler der Kaiserstadt die einzigen sind, die nicht (nur) Kugelschreiber für mitreisende Schreiber und geistreiche Getränke auf der Messe schnorren, sondern selber Geschenke in Form von Nussecken, Wölti-Varianten und Kaiserringtalern mitbringen. Man kennt sich lange, man schätzt sich, die Gespräche sind herzlich. Für den Social-Media-Kanal entstehen kurze Videos mit Künstlerstatements. Da schwärmt unter anderem Leonie Houber von „Gude Leude“ für Laura Braun (in Goslar am 7. März) und „The Magic Man“ Willi Auerbach verrät, was die Goslarer am 25. April bei seiner Show im Kraftwerk erwartet.

Allen Unkenrufen zum Trotz – die Zahl der vertretenen Agenturen selbst war von 400 vor Corona auf jetzt 180 deutlich geschrumpft – wird bereits für die 38. IKF im nächsten Jahr geworben; sie soll vom 25. bis 27. Januar in Freiburg über die Bühne gehen. Die Badische Zeitung stellte fest, dass die IKF in den vergangenen Jahren zwar sukzessive an Größe eingebüßt habe; doch „durch ihre Verbindung von Showcases, in denen die Künstler ihr aktuelles Programm präsentieren, und der anschließenden Möglichkeit zum Austausch an den Messeständen ist die IKF nach wie vor eine der zentralen Vernetzungsplattformen der Bühnenkunst – und eine Quelle für Impulse“, schreibt Aaarne Partanen.

Neben den grellen Farben, blinkenden Lichtern und fliegenden Jojos sei auf der IKF auch Platz für große Gefühle. Wie wahr, insbesondere, wenn es einen im Beiprogramm zur Börse in den Vortrag von Samuel Koch verschlug. Der Schauspieler ist seit seinem Wetteinsatz bei „Wetten, dass?“ am 4. Dezember 2010 in Düsseldorf querschnittsgelähmt und kam mit dem Rollstuhl in die Freiburger Messehalle. In der beliebten Fernsehsendung stürzte er damals schwer bei dem Versuch, mit Sprungstiefeln über ein auf ihn zufahrendes Auto zu springen. Koch hat einen Weg gefunden, mit seinem Schicksal umzugehen – und damit sogar anderen zu helfen. Im Dezember wurde der 38-Jährige das erste Mal Vater. Sein Vortrag „Anders stark – wie wir von Vielfalt profitieren“ ging unter die Haut. Sein Credo: Der Wert eines Menschen hänge nicht von seiner Nützlichkeit und seinen Errungenschaften ab. Schließlich heiße es „Human being“ und nicht „Human doing“.

Auch am Glitzer-Roboter führt auf der Halle kein Weg vorbei.

Auch am Glitzer-Roboter führt auf der Halle kein Weg vorbei. Foto: Kempfer

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