Goslars Kleinkunstverein kauft beim Branchentreff in Freiburg ein
Das Autin Dance Theater aus Birmingham faszinierte mit seiner überlebensgroßen Marionette. Foto: Kempfer
Im Gespräch bleiben, neue Formate aussuchen, neue Programme ansehen, Termine finden und verhandeln: Das ist der Besuch auf der Internationalen Kulturbörse in Freiburg.
Freiburg. Ein paar dicht gepackte Tage und manchmal auch eine emotionale Achterbahnfahrt erleben die Besucher der Internationalen Kulturbörse Freiburg (IKF) jedes Jahr im Januar. Unter dem Motto „Culture Connects People“ ging die Fachmesse, ein beliebter Branchentreff, Ende Januar auf dem Freiburger Messegelände über die Bühnen – 2.400 Besucherinnen und Besucher nahmen an der 37. Ausgabe der internationalen Fachmesse teil, darunter das Programmteam des Goslarer Kulturkraftwerks (Förderkreises Goslarer Kleinkunsttage), aber auch die Kleinkunstbühne Salzgitter und das Kulturteam der Stadt Salzgitter.
Auch das bietet die Börse: ein Wiedersehen mit Künstlern, die gefielen, hier Andreas Langsch, der als Bodo Wartke 2.0 gehandelt wird. Links: Martina Sigwarth, hinter Langsch: Brigitte Weirauch und Astrid Maleki. Foto: Kempfer
bis hin zu internationalen Künstleragenturen“, so das Fazit des Veranstalters. Herzstück der IKF ist das vielseitige Live-Programm. 120 Auftritte von mehr 230 Künstlerinnen und Künstlern aus zehn Ländern boten für 2026 einen kompakten Überblick über die Vielfalt aktueller Bühnenproduktionen im überwiegend deutschsprachigen Raum.
Martina Sigwarth vom Programmteam des Goslarer Kleinkunstvereins war nach zwei von drei Messetagen mit dem Ergebnis mehr als zufrieden: „Wir haben viel mehr Ideen als freie Termine“, sagte sie nach dem erfolgreichen „Einkaufsbummel“. Die Messe bietet die Gelegenheit, sich von morgens bis abends im 20-Minuten-Takt Ausschnitte aus den aktuellen Programmen der Kleinkünstler live anzusehen. Da es Programm an drei bis vier verschiedenen Orten zeitgleich gibt, hat jeder Besucher die Qual der Wahl.
Voller Einsatz von Sinje Schnittker, eine von drei Zucchini-Sistaz, die Anfang 2027 mit ihrem neuen Programm nach Goslar kommen. Foto: Kempfer
Für 2027 fielen noch andere Namen: Die erfahrene Kabarettistin Anka Zink kommt zum Frauentag, „Acoustic Instinct“ zur Langen Nacht, „Luksan Wunder“ ins Festival, und, und, und. Das Aramelo-Duo begeisterte mit Trampolin, poetischen Bildern und Akrobatik – bereitet dem Verein allerdings ob der Bühnenanforderungen Kopfzerbrechen – es bleibt spannend.

Der Blickfänger in der Ausstellerhalle blieb drei Tage lang eisern stehen. Foto: Kempfer
Allen Unkenrufen zum Trotz – die Zahl der vertretenen Agenturen selbst war von 400 vor Corona auf jetzt 180 deutlich geschrumpft – wird bereits für die 38. IKF im nächsten Jahr geworben; sie soll vom 25. bis 27. Januar in Freiburg über die Bühne gehen. Die Badische Zeitung stellte fest, dass die IKF in den vergangenen Jahren zwar sukzessive an Größe eingebüßt habe; doch „durch ihre Verbindung von Showcases, in denen die Künstler ihr aktuelles Programm präsentieren, und der anschließenden Möglichkeit zum Austausch an den Messeständen ist die IKF nach wie vor eine der zentralen Vernetzungsplattformen der Bühnenkunst – und eine Quelle für Impulse“, schreibt Aaarne Partanen.
Neben den grellen Farben, blinkenden Lichtern und fliegenden Jojos sei auf der IKF auch Platz für große Gefühle. Wie wahr, insbesondere, wenn es einen im Beiprogramm zur Börse in den Vortrag von Samuel Koch verschlug. Der Schauspieler ist seit seinem Wetteinsatz bei „Wetten, dass?“ am 4. Dezember 2010 in Düsseldorf querschnittsgelähmt und kam mit dem Rollstuhl in die Freiburger Messehalle. In der beliebten Fernsehsendung stürzte er damals schwer bei dem Versuch, mit Sprungstiefeln über ein auf ihn zufahrendes Auto zu springen. Koch hat einen Weg gefunden, mit seinem Schicksal umzugehen – und damit sogar anderen zu helfen. Im Dezember wurde der 38-Jährige das erste Mal Vater. Sein Vortrag „Anders stark – wie wir von Vielfalt profitieren“ ging unter die Haut. Sein Credo: Der Wert eines Menschen hänge nicht von seiner Nützlichkeit und seinen Errungenschaften ab. Schließlich heiße es „Human being“ und nicht „Human doing“.

Auch am Glitzer-Roboter führt auf der Halle kein Weg vorbei. Foto: Kempfer
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