Rübenkampagne in Schladen endet: Das drückt die Stimmung
Übers Förderband fahren die letzten Rüben in die Zuckerfabrik: Schladens Werkleiter Ulrich Overwin blickt auf eine stabile Verarbeitung während der Kampagne zurück. Foto: Gereke
Die Rübenkampagne in Schladen ist zu Ende: Anbauer und Verarbeiter blicken in ihrer Bilanz auf überdurchschnittliche Erträge – und trotzdem trübt eine Sache die Stimmung.
Schladen. Die Kampagne 2025 in Schladen ist Geschichte. Am Freitag rollte der letzte Rübenlaster ins Werk, am Wochenende stand das Schneiden der letzten Feldfrucht für die Verarbeitung an – dieser Moment markiert traditionell das Ende der Kampagne. Ein hoher Zuckergehalt in den Rüben brachte einen guten Ertrag, aber eine schwierige Marktlage trübt die Stimmung.
Insgesamt profitierten Landwirte und Zuckerfabriken von überwiegend günstigen Wetterbedingungen während Ernte, Verladung und Transport. Zum Abschluss wurde es jedoch noch einmal herausfordernd: „Am zweiten Januarwochenende mit Schneefall, Wintersturm und verwehten Feldwegen haben alle Beteiligten in der Lieferkette eng zusammengearbeitet, um die Versorgung der Zuckerfabriken sicherzustellen“, berichtet Dr. Clemens Becker, Geschäftsführer des Zuckerrübenanbauerverbandes Niedersachsen-Mitte.
Auf den letzten Metern bot die Rübenkampagne eine besondere Herauforderung: Trotz Wintereinbruch galt es, ausreichend Rüben ins Werk zu transportieren. Foto: Gereke
Zu Beginn der Kampagne Anfang September deutete zunächst vieles auf einen durchschnittlichen Ertrag hin. Doch im Verlauf der Kampagne habe sich gezeigt: Der Zuckergehalt der Rüben lag deutlich über dem Durchschnitt. „Mit mehr als 15 Tonnen Zucker pro Hektar haben wir ein Niveau erreicht, das wir seit vielen Jahren nicht mehr gesehen haben“, so Becker. Davon profitiere auch die Verarbeitung, denn ein höherer Zuckergehalt senke den Energiebedarf in den Fabriken, so der Rübenanbauerverband.
Von 55 bis 100 Tonnen pro Hektar
Überdurchschnittliche Rübenerträge, allerdings variieren die Erträge auf den Schlägen deutlich, wie Dr. Christoph Wedde, Vorstandsmitglied beim Rübenanbauerverband, berichtet. „Im Durchschnitt für Schladen bei 83,1 Tonnen pro Hektar. Allerdings schwankte der Ertrag im nördlichen Harzvorland je nach Bodengüte zwischen 55 Tonnen und 100 Tonnen pro Hektar und damit von sehr enttäuschend bis extrem gut“, so der Ostharinger. Spitzenwerte seien trotz niedriger Niederschlagsmengen vor allem auf tiefgründigen Schlägen seien rund um Liebenburg/Klein Mahner oder auch im Raum Lutter möglich gewesen. Der Zuckergehalt erreichte wiederum einen Wert von fast 19 Prozent, so Wedde. Sein Fazit: „Wir kamen durch die Kampagne geschmeidig hindurch.“
Störung in der Verarbeitung
Kurz nach dem Kampagnestart: Schladener Zuckerfabrik steht still
In der Tat: Vor einem Jahr strapazierte der wochenlange Ausfall der Schladener Zuckerfabrik nach einer Havarie die Nerven der Beteiligten in ganz anderem Maß. Auch Schladens Werkleiter Ulrich Overwin freut sich über eine stabile Verarbeitung in der Schladener Zuckerfabrik ohne große Störungen. Seit September waren es in der Regel mehr als 10.000 Tonnen Rüben täglich, die verarbeitet worden waren. 135 Tage dauerte die Kampagne, aus mehr als 1,3 Millionen Tonnen Rüben gewannen die Schladener den Zucker. Die Qualität der zu verarbeitenden Rüben sei sehr gut gewesen – bis hin zur letzten.

Schladens Wahrzeichen im Herbst verschwindet – die Dampfsäule aus dem Schornstein der Zuckerfabrik wird erst wieder ab September zu sehen sein. Foto: Gereke
Unterdessen laufen die Vorarbeiten für die Montage des neuen Extraktionsturms in Schladen an. „Die Baustelle wächst Tag für Tag“, erklärt der Schladener Werkleiter. Die Fundamentarbeiten konnten mit Beginn der Kampagne wie geplant abgeschlossen werden. In der vergangenen Woche begann die Leiferung der ersten Elemente. Teilschalen werden auf dem Rübenhof zu Ringen zusammengebaut, die dann aufeinandergesetzt werden. Im Sommer soll der neue Extraktionsturm fertig und betriebsbereit sein. Er wird neben dem alten Turm stehen, der aber nicht mehr als Reserve wird dienen können. „Der ist dann komplett von der Infrastruktur abgekoppelt“, erklärt Overwin. Was mit dem alten Extraktionsturm geschehen wird, ist noch nicht ganz klar. Overwin: „Fakt ist nur, dass er nicht innerhalb von Nordzucker irgendwo anders hingesetzt wird“. Nordzucker investiert alleine mit dem neuen Extraktionsturm in den Standort Schladen rund 20 Millionen Euro.
Nordzucker-Werk Schladen
Nach Havarie vor einem Jahr: Wie es in der Zuckerfabrik weitergeht
Die neue Anlage wird auf zwölf Meter im Durchmesser kommen, der alte Turm hat einen Durchmesser von neun Metern. Die Höhe wird bei beiden etwa 21 Meter betragen. Wegen des größeren Durchmessers wird der neue Turm eine höhere Tonnageleistung haben, er wird effizienter sein, erklärt Overwin. Dadurch wird nicht die Verarbeitungsleistung der Fabrik insgesamt steigen, aber „der Energieverbrauch pro erzeugter Menge sinkt“.
Üppige Zuckerernten überall
Aber: Trotz des guten Ergebnisses trüben die Marktaussichten die Stimmung. In ganz Europa fiel die Zuckerernte üppig aus, was aktuell zu stark sinkenden Zuckerpreisen führt, teilt der Rübenanbauerverband mit. Auch Nordzucker hat zuletzt auf deutlich rückläufige Preise hingewiesen. „Seit Mai 2025 sind die Weltmarktpreise für Zucker deutlich gefallen – auf den niedrigsten Stand seit 2021. Hohe Ernteerträge in Brasilien, Indien und der EU sowie Unsicherheiten aufgrund von Zöllen und Wechselkursschwankungen verstärken den Preisdruck im EU-Zuckermarkt. Darüber hinaus ist ein Konsumrückgang zu beobachten, der den Zucker-Absatz reduziert“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung des Konzerns zum Kampagneende.
Vor dem Hintergrund dieser Marktbedingungen rechnet Nordzucker im laufenden Geschäftsjahr mit einem operativen Verlust im hohen zweistelligen Millionenbereich und damit deutlich schlechteren Ergebnissen als erwartet. „Die extremen Marktdynamiken mit zwei überdurchschnittlichen Ernten in Europa in Folge belasten unser Geschäft erheblich“, wird Alexander Bott, Chief Financial Officer der Nordzucker AG, in der Mitteilung zitiert.

Die Kampagne 2025 in Schladen ist Geschichte: In den vergangenen Tagen schmolz der Rübenberg auf dem Hof der Zuckerfabrik wie der Schnee in der Sonne. Foto: Gereke
„Da sich der Rübenpreis auch am Zuckerpreis orientiert, wird sich diese Entwicklung auch für unsere Landwirte bemerkbar machen“, erklärt Becker. Die gute Ernte helfe jedoch, die Einbußen zumindest teilweise abzufedern. Der Verkauf von Zuckerrüben ist an Abnahmeverträge mit Nordzucker gebunden, deren Rahmenbedingungen die Zuckerrübenanbauerverbände gemäß EU-Vorgaben verhandeln. Nordzucker habe kürzlich angekündigt, dass für die kommenden Jahre Einschnitte bei den Rübenpreisen zu erwarten seien. Entsprechend laufen bereits Gespräche über den Anbauvertrag für das Jahr 2027. „Auch wenn das noch weit weg erscheint: Unsere Landwirte legen ihre Anbauplanung früh fest und brauchen Planungssicherheit“, betont Becker.
Eng miteinander verbunden
Rübenanbauer und Zuckerfabriken seien wirtschaftlich eng miteinander verbunden, denn die Zuckerfabrik braucht Rüben und die Landwirte sind auf die Fabrik angewiesen. „Wir sind trotz weiter steigender Produktionskosten auf den Feldern zu einjährigen Kompromissen bereit“, so Becker. Gleichzeitig sei klar: Sollten sich die Zuckerpreise wieder erholen und sich die Geschäftslage verbessern, müssten auch die Landwirte davon über deutliche Preisaufschläge profitieren. Hoffnung macht unter anderem die absehbare Reduzierung der Anbauflächen in Europa zur kommenden Aussaat im kommenden Frühjahr. Bereits zu dieser Kampagne sei die Anbaufläche im Einzugsgebiet der Schladener Zuckerfabrik um etwa zehn Prozent gesunken.
Unter neuer Leitung
Zuckerfabrik Schladen: Sie sind die Neuen im Werk an der Oker
Thema der Zukunft wird die Ausbreitung der Schilf-Glasflügelzikade sein, die zwei Krankheitserreger überträgt: SBR und Stolbur. Bei SBR handelt es sich um eine bakterielle Erkrankung, die das Syndrom der niedrigen Zuckergehalte auslöst. Vor allem für Anbauer ein Problem. Ein weiterer Erreger, das sogenannte Stolbur-Phytoplasma, schädigt Rüben ebenfalls und führt zu sogenannten Gummirüben – weiche Rüben, die schlecht zu ernten und zu verarbeiten sind. Die Zikade breitete sich bislang Richtung Norden entlang der Elbe in Sachsen-Anhalt aus. „Inzwischen ist sie im Einzugsgebiet des Schladener Werks angekommen – in etwa im Bereich östlich der A36“, so Olivia Peiß, Leiterin der Schladener Nordzucker-Agricenters. Aber: „Auswirkungen, die es haben kann, bekamen wir bislang nicht im Werk zu spüren.“
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