Verdacht auf einen Wolf: Neun Schafe bei Suderode gerissen
Bisher ist es nur ein Verdacht, dass es Wölfe waren, die in der Nähe von Suderode im Harzkreis neun Schafe gerissen haben. Eine DNA-Untersuchung soll Klarheit bringen. Foto: picture alliance/dpa
In Suderode im Harzkreis wurden neun Schafe gerissen. Möglicherweise haben Wölfe die Tiere attackiert. Eine DNA-Untersuchung soll Klarheit bringen.
Suderode. Gut möglich, dass es Wölfe waren, die zwischen Bühne und Suderode mehrere Schafe gerissen haben. Ein Spaziergänger fand die toten Tiere am Sonntag und meldete den Fund den Behörden. Das Landesamt für Umweltschutz in Sachsen-Anhalt hat derweil Spuren an den Kadavern in ein Labor geschickt, um per DNA-Analyse herauszufinden, ob die Schafe, bei den meisten handelte es sich im Lämmer, tatsächlich von Wölfen gerissen wurden.
„Das war ein richtiges Gemetzel“. sagt Biobauer Ferdinand von Erffa aus Bühne, auf dessen Grundstück die Tiere des Schafhalters Thomas Apel (64) aus Gielde standen. Zwei der Tiere aus der Herde von 29 Schafen und 21 Lämmern waren so stark verletzt, dass sie getötet werden mussten, berichtet Apel. Aufgrund der Kehlbisse und der Fressspuren geht er von Wölfen aus. Auch ein Jäger, der benachrichtigt wurde, habe diesen Verdacht geäußert.
Ergebnis in drei Wochen
Das Landesamt für Umweltschutz und die Landkreisverwaltung in Halberstadt bestätigen den Vorfall. Das Landesamt verweist indes auf den ausstehenden Laborbefund. Die Behörde rechnet in drei Wochen mit einem Ergebnis.
Eine Sprecherin des Landesamtes teilt außerdem mit, die Schafe seien bei dem Angriff der Raubtiere aus der Koppel ausgebrochen, alle getöteten Schafe hätten sich außerhalb der Koppel befunden.
Thomas Apel berichtet, die zwei erwachsenen Tiere seien in den Bach Stimmecke getrieben worden. Die Tiere wurden offenbar über das Gelände gejagt. Die Kadaver lagen 100 bis 200 Meter voneinander entfernt, erklärt Thomas Apel. Zwei der Tiere seien so gut wie aufgefressen worden. Acht weitere von den lebenden Lämmern seien verletzt. Die Tiere, die ansonsten herumlaufen und toben würden, stünden nur auf der Stelle. Sie hätten offenbar Schmerzen.
Apel besitzt seit vielen Jahren Schafe, sie halten das Gras kurz, damit die Landschaft nicht verbuscht. In der Nähe von Bühne und im Fallstein halten sich die Tiere meist auf. Es sind die ersten Risse für ihn. „Bis jetzt war noch nichts passiert“, sagt Apel.
Mehrere Rudel
Im Harzkreis gibt es Hinweise auf mehrere Wölfe. Ein Rudel hält sich im Höhenzug des Huy auf. Zwei weitere befinden sich im Landkreis Goslar, sie streifen allerdings zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt umher. Raoul Reding, Wolfsbeauftragter der Jägerschaft in Niedersachsen, erklärt, bestätigt seien ein Rudel im Eckertal und eines in Braunlage. Im Eckertal würden sich aktuell „mindestens“ drei erwachsene Tiere aufhalten. „In Braunlage wissen wir nicht, wie viele Tiere es sind.“ Dazu seien Untersuchungen geplant.
DNA-Untersuchung folgt
Verdacht auf einen Wolf: Neun Schafe bei Suderode gerissen
Immer wieder tauchen im Fallstein und im Gebiet um Osterwieck Wölfe auf. Das Landesamt für Umweltschutz in Sachsen-Anhalt spricht von einem „Suchraum“: Es ist unklar, ob dort ein Einzeltier, ein Paar oder sogar ein Rudel umherstreift. Für Sachsen-Anhalt ist außerdem ein Rudel interessant, das sich in der Nähe von Ilfeld bei Nordhausen in Thüringen aufhält. Wölfe haben große Streifgebiete, sie legen weite Entfernungen zurück. Auf der Seite „Wolfsmonitoring“ der Landesjägerschaft heißt es, das Territorium eines Wolfsrudels in Deutschland ist durchschnittlich 200 bis 350 Quadratkilometer groß.
Kritik an Entschädigungszahlungen
Die „Volksstimme“ berichtet, im Herbst 2024 habe ein Halberstädter Tierhalter vier Schafe durch Risse verloren. Bei Rissen erhalten die Tierhalter in der Regel eine Entschädigung. Das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten Anhalt berichtet, durchschnittlich würden pro Schaf 134 Euro bezahlt, für ein gerissenes Kalb 757 Euro. Im Internet findet sich eine Liste, dass in Sachsen-Anhalt nach vorläufigen Zahlen im vergangenen Jahr nach vorläufigen Zahlen 121 Schafe von Wölfen oder vermutlich von Wölfen getötet wurden, im Jahr zuvor waren es 111 und 2023 den Angaben zufolge 184 Schafe.
Nicht alle Tierhalter, die Risse melden, beantragen eine Entschädigung. Es gibt immer wieder Kritik an den langwierigen Verfahren und an der geringen Höhe der Zahlungen. Manche Antragsteller erhalten zudem kein Geld, weil kein Mindestschutz für die Tiere vorhanden ist, berichtet eine Sprecherin des Amtes für Landwirtschaft.
Schafhalter Thomas Apel aus Gielde sagt, seine neun Tiere seien 15.000 Euro wert, er rechne aber nur „mit einem kleinen Teil“ als Entschädigung.

Einige der Tiere, die zwischen den Osterwiecker Ortsteilen Suderode und Bühne im Harzkreis in der Nacht zum Sonntag möglicherweise von Wölfen angegriffen wurden. Foto: Von Erffa

Ist es eine Wolfsspur? Um zu veranschaulichen, wie groß der Abdruck des Tieres ist, legt der Fotograf seine Hand daneben. Foto: Von Erffa
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