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Rehwild im Winter

GZ Plus IconTrotz Schnee und Eiseskälte muss nicht zugefüttert werden

Rehe auf einem Feld.

Die gemeinsame Futtersuche führt Rehwild auf ein Feld. Foto: Anke Nimser

Es ist Winter. Der Spaziergang im Feld ist knacke-kalt. So empfindet es der Mensch. Aber wie geht es dem Rehwild in Wald und Flur? Welche Pflichten haben Revierpächter?

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Von Andrea Leifeld
Dienstag, 03.02.2026, 19:45 Uhr

Nordharz. Wo die Temperaturen bereits seit Wochen im frostigen Minusbereich erstarren und der Wind selbst unerschrockenen Spaziergängern in der Feldmark knacke-kalt um die Ohren weht, zeigt sich Hans Hesse als Pächter des Heißumer Jagdrevieres unbeeindruckt. „Wir haben jetzt Winter. Das ist für unser heimisches Wild ganz normal“, betont der 59-jährige Heißumer, der auch das Amt des Bezirksvorsitzenden der Jägerschaft Braunschweig innehat, für sich und weitere Revier- und Jagdpächter.

Ein Rudel Rehe auf einem Feld bei Hornburg.

Rehwild auf einem Feld bei Hornburg. Foto: Anke Nimser

Bereits mehrfach wurde seine Zunft von besorgten Tierfreunden angesprochen, ob die Rehe im Wald bei „solchen Winterverhältnissen“ – mit Schulausfall, Glatteis und zugewehten Straßen – nicht „gefüttert“ werden müssen. „Das ist nicht erforderlich“, so Hesse. „Wir haben keine hohe Schneelage und der Schnee ist auch nicht verharscht“, erklärt er:

„Wenn ich heute aufs Thermometer schaue, haben wir keine fünf Grad Minus.“ Für Wildtiere, die ganz Jahr draußen leben und zudem ein dichtes Winterfell haben, sei das nicht bedrohlich. Der Boden sei kaum gefroren. Gräser und Grün auf den Feldern seien verfügbar.

Jagdpächter ansprechen

Die von Jägern als Schwarzwild bezeichneten Wildschweine hätten ohnehin kein Problem. Sie können den Boden problemlos aufbrechen und nach Würmern, Wurzeln und Fressbarem suchen. Auf gar keinen Fall, mahnt Hans Hesse, sollten selbsterklärte Tierfreunde losziehen um das Wild selber füttern. Da kamen schon Leute auf die Idee und brachten Eimerweise Kastanien in den Wald, weil sie es gut meinen. „Aber heimisches Rehwild frisst keine Kastanien. Die wären was fürs Rot- oder Damwild, aber die kommen hier im nördlichen Harzvorland gar nicht vor.

Rehbock im Schnee.

Ein Rehbock im Schnee. Foto: Anke Nimser

Wer glaubt, eine (Futter-)Not bei den Tieren zu erkennen, sollte unbedingt mit dem zuständigen Jagdpächter oder Förster sprechen und das Handeln dann ihm überlassen. Tatsächlich hatte es vor Jahrzehnten mal einen Winter gegeben, in dem eine Notzeit für Wildtiere ausgerufen wurde. Dazu wäre nicht nur eine langanhaltende, heftige Frostzeit erforderlich, sondern auch eben jene verharschte Schneedecke und eine besondere Schneehöhe. „Die Notzeit würde dann in unserem Fall der Goslarer Kreisjägermeister ausrufen – und alle Pächter wären laut Jagdgesetz verpflichtet, beispielsweise Futterrüben und Heu zufüttern.“ Auch sämtliche Jagdausübung würde in solch einer ausgerufenen Notzeit ruhen.

Hesse erklärt einfach: Im Winter befindet sich das Rehwild im Ruhestand, schränkt seinen Bewegungsradius ein und senkt den Stoffwechsel, alles, um Energie zu sparen. Aber bei Gefahr kann es sofort aufspringen – quasi von Null auf Hundert binnen kurzer Zeit.

„Diese spontane Flucht fordert aber viel Energie. In Zeiten knapper Nahrung in einem wirklich strengen und besonders schneereichen Winter würden die aufgescheuchten Rehe aus der Not heraus beginnen, junge Bäume zu verbeißen – und bei älteren Bäumen die Rinde zu schälen. Beides würde große Schäden in der Forstwirtschaft verursachen.

Störungen vermeiden

Für solche Störungen kann aber auch der unbedarfte Winterwanderer im Wald verantwortlich sein, umso mehr, wenn der Naturfreund die Wege verlässt und quer durch den schneereichen Winterwald wandert. Aber auch Hunde, die ohne Leine durch den Wald und in der Feldmark stöbern, stören die wichtige Winterruhe der Wildtiere ganz erheblich.

„Hunde sollten in Feld und Wald immer nur an einer kurzen Leine geführt werden“, bittet Hans Hesse eindringlich um ganzjährige Rücksichtnahme auf alle Wildtiere.

Zwei Rehe im Schnee.

Zwei Rehe im Schneegestöber. Foto: Anke Nimser

Eigentlich müsste dieses Appell längst überflüssig sein, aber er zeigt sich unermüdlich. Dass er immer wieder auf die Leinenpflicht hinweisen muss, überrascht Hesse, denn der gesamte „Salzgitter Höhenzug“, so heißt das Hügelland im nördlichen Harzvorland, grob gelegen zwischen Salzgitter-Lichtenberg und Liebenburg, ist ein Landschaftsschutzgebiet, in dem ganzjährige Leinenpflicht für Hunde besteht.

Ein Rudel Rehe im Schnee.

Ein Rudel Rehe im Schnee. Foto: Anke Nimser

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