Seniorenheim-Mitarbeiterin war selber ein „beschenktes Kind“
Magdalena Lanko und Karin Kolan packen im Abendfrieden gemeinsam einen Schuhkarton für ein Mädchen zwischen 10 und 14 Jahren. Foto: Kempfer
Den besten Beweis, dass die Päckchen ankommen, hat der Abendfrieden im Haus: Hier arbeitet Jana Magyar, die im Alter von acht Jahren in der Ukraine beschenkt wurde.
Goslar. „Nach unten kommt der Brief“, sagt Teresa Hellmann im Goslarer Abendfrieden noch schnell, bevor die ersten Kartons für Kinder in Osteuropa fertig gepackt sind: Es ist wieder „Weihnachten-im-Schuhkarton“-Zeit. Seit 20 Jahren beteiligt sich das Altenheim mit den Häusern Tabor und Agnes mit seinen Bewohnern daran, anfangs noch in Kooperation mit der Goetheschule. Ein Ereignis, das gewürdigt und gefeiert wird. 20 Jahre Beteiligung, das bedeutet: 20 Jahre Geld sammeln, Sachen einkaufen und Päckchen packen.
Im Abendfrieden macht der Soziale Dienst ein Event daraus: An die 20 Bewohnerinnen und Bewohnern sitzen an Tischen und packen mit, binden Schleifen, zählen am Ende die Kartons und stoßen mit einem manchmal sprudelnden Getränk aufs Ergebnis an.„Rollende Boutique“ im Seniorenheim
Drei Frauen und 278 Jahre auf dem Laufsteg im Abendfrieden Goslar

Es werden immer mehr Päckchen: Binnen einer Stunde sind 38 Schuhkartons für Kinder verpackt. Die Weihnachtsgeschenke gehen auf die Reise nach Osteuropa. Foto: Kempfer
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Das beschenkte Kind
Dass sie das tun, und dass sie auch tatsächlich ankommen, dafür hat der Abendfrieden einen „lebenden Beweis“. Er heißt „Jana“, ist eine Sie, 35 Jahre alt und arbeitet vor Ort als Küchenhilfe.
Sie ist das „beschenkte Kind“: Jana Magyar hat im Alter von acht Jahren selbst einen Schuhkarton bekommen. Damals lebte sie in der Ukraine, heute arbeitet sie im Abendfrieden. Foto: Kempfer
Das ist lange her, aber Jana Magyar erinnert sich noch gut daran. Sie war acht Jahre alt und lebte in der Westukraine, als sie zu Weihnachten so einen weihnachtlichen Schuhkarton bekam. Radiergummis in Tierform seien darin gewesen, erzählt sie, ein Schal oder eine Mütze, so genau weiß sie das nicht mehr. Vor allem aber bunte Stifte, ein Malheft, verspielte Kugelschreiber in anderen Farben – Dinge, die sie in der Ukraine nicht kannte. Die Freude darüber war groß: „Ich habe das nie vergessen“, sagt die Familienmutter, die mit ihrer Familie seit 12 Jahren in Goslar lebt. Die Kinder sind so gut wie erwachsen.
Als sie einmal im Abendfrieden beim großen Verpacken mit dem Finger das Band festhalten sollte („Hellmann: Es sind immer zu wenig Finger zum Halten“), fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Sie erkannte die Art der Päckchen, auf einmal war ihr klar, dass sie als Kind genau so eines erhalten hatte. „Ich habe fast geweint“, sagt sie, ein wenig von der Rührung von damals ist heute noch zu spüren – ein besonderer Moment im Leben, in dem sich ein Kreis schloss.
Gemeinsam für andere aktiv sein
Auch die Bewohner, die heute bei der Aktion mitmachen, haben eine gute Zeit, freuen sich, anderen eine Freude machen zu können. Magdalena Lanko ist dabei; ihre Arme könne sie gar nicht mehr so hoch heben, sagt sie, aber es gibt Helfer. Schon presst ein fremder Finger das Häkelband auf ihrem Päckchen runter, dann kommt ein Knoten rein, eine „entzückende Schleife“ raus, wie jemand urteilt. Mit am Tisch: Karin Kolan vom „Elternhaus“ in Göttingen, sie steuert einiges für die Päckchen bei. Gegenüber am Tisch packt die ehmalige Lehrerin Gertrud Billing mit, sie lebt im Haus Tabor und hat 16 Paar Strümpfe gestrickt. Der Stapel der fertigen Päckchen wird immer größer.
1186 Päckchen in 20 Jahren
Bilanz: In 20 Jahren sind laut Hellmann 12.180 Euro gesammelt und 1148 Päckchen gepackt worden – zusammen mit den 38, die es dieses Mal sein werden, sind es sogar 1186. Auch am Tag nach dem Packen ging die Aktion weiter – mit einem Film von der Verteilung im vergangenen Jahr.Abendfrieden und Grotjahn-Stiftung
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