Neuekrug: Anwohner wenden sich mit ihren Sorgen ans Ministerium
Die Bushaltestellen „Neuekrug Bahnhof“ stehen an der B248. Foto: Gereke
Anwohner in Neuekrug warnen vor gefährlichen Situationen, besonders an den Bushaltestellen. Nun wenden sie sich mit ihren Sorgen direkt an das Verkehrsministerium.
Neuekrug. Die Diskussion um die Verkehrssicherheit auf der Bundesstraße 248 in Neuekrug reißt nicht ab. Bereits vor drei Jahren hatten Anwohner Alarm geschlagen, nun wenden sie sich erneut an Behörden – diesmal direkt an das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Bauen. Aus Sicht der Anwohner habe sich die Situation trotz verschiedener Maßnahmen nicht entscheidend verbessert.
Schon damals, nach mehr als einjähriger „Probephase“ mit neuer Beschilderung, hatten die Neuekruger ihre Sorgen deutlich formuliert. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit für Pkw war auf 70 km/h angehoben worden, gleichzeitig galt ein Überholverbot. Doch die Hoffnung auf mehr Sicherheit erfüllte sich aus Sicht der Anwohner nicht. „Die Angst um das Leben unserer Kinder und Senioren hat sich sogar noch gesteigert“, hieß es in einem Schreiben an den Landrat.Verkehrssicherheit im Harz
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Kritik der Anwohner
Die Kritik der Anwohner: Im Bereich des ehemaligen Bahnhofs würden wöchentlich Hunderte Verkehrsverstöße begangen – durch zu hohe Geschwindigkeiten oder unerlaubtes Überholen. Besonders gefährlich sei die Situation für Menschen, die die Straße überqueren müssen, etwa auf dem Weg zu den Bushaltestellen oder beim Abbiegen auf Grundstücke. „Jede Aktivität ist mit der Gefahr verbunden, dass durch ein unvorhersehbares Überholmanöver oder durch viel zu hohe Geschwindigkeiten ein tödlicher Unfall passiert“, so der Tenor.
Regelmäßig steht in Neuekrug der mobile Blitzer in der 70er-Zone. Foto: Gereke (Archiv)
Bereits damals forderten die Neuekruger unter anderem ein generelles Überholverbot in diesem Abschnitt, zusätzliche Verkehrszeichen sowie eine längere durchgezogene Mittellinie. Außerdem sprachen sie sich für einen stationären Blitzer aus. Der Einsatz des mobilen Blitzeranhängers sei zwar hilfreich, sorge aber nur solange für mehr Sicherheit, wie er tatsächlich vor Ort stehe.
Der Landkreis Goslar reagierte später zumindest teilweise auf die Kritik. Nach einem Brandanschlag war der Blitzeranhänger zwar längere Zeit außer Betrieb, nach der Reparatur wurde er aber wieder in Neuekrug eingesetzt. Die Ergebnisse bestätigten den Eindruck vieler Anwohner: Bei einer Kontrolle wurden in Fahrtrichtung Lutter 66 Geschwindigkeitsverstöße festgestellt, in Richtung Seesen sogar 255. Spitzenreiter war ein Pkw, der 47 km/h zu schnell unterwegs war. Die Reparatur der Anlage hatte den Landkreis rund 12.500 Euro gekostet.Jahreshauptversammlung
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Keine Unfallhäufung
Eine dauerhafte stationäre Messstelle sieht die Polizei kritisch. Voraussetzung dafür wäre eine sogenannte Unfallhäufungsstelle, eine solche liegt nach polizeilicher Einschätzung in Neuekrug derzeit nicht vor.
Doch mit der jüngsten Entwicklung rückt nun ein weiterer Punkt in den Fokus: die neu gestaltete Bushaltestelle „Neuekrug Bahnhof“. In einem aktuellen Schreiben an das Verkehrsministerium schildern Anwohner ihre Sorge über mögliche neue Gefahren. Demnach sei der neue gläserne Wetterschutzunterstand aufgrund von Bäumen, Hecken und Zäunen nur schlecht einsehbar. Ein Vorschlag der Anwohner, den Unterstand weiter vorne vor dem Grundstückszaun zu errichten, sei nicht berücksichtigt worden.

Nach Ansicht der Neuekruger liegt das neue Buswartehäuschen in Fahrtrichtung Seesen auch wieder zu versteckt. Foto: Gereke
Auch die Anordnung der Haltestellen sorgt für Kritik. Die beiden Bushaltepunkte liegen mehr als 100 Meter auseinander und nicht direkt gegenüber, wie es nach Ansicht der Anwohner sinnvoll gewesen wäre. Bei den nächsten beiden Haltestellen entlang der Strecke sei genau dieses Prinzip umgesetzt worden.
Besonders kritisch werde es, wenn Schulbusse halten. Nach Beobachtungen von Anwohnern werden Busse regelmäßig überholt – teilweise sogar bei Gegenverkehr. In einzelnen Fällen seien bereits gefährliche Situationen entstanden, etwa wenn Fahrzeuge ausweichen mussten oder beinahe auf einen haltenden Bus aufgefahren wären.Kommunalwahlen 2026
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Überholdruck verringern
Hinzu kommt, dass in diesem Bereich Tempo 70 erlaubt ist – obwohl sich dort die Bushaltestellen befinden. Genau diese Erhöhung der Geschwindigkeit hatte der Landkreis 2021 damit begründet, dass eine Bundesstraße auch den Zweck habe, den Verkehr möglichst flüssig laufen zu lassen. Eine angemessene Geschwindigkeit solle zudem den Überholdruck verringern.
Aus Sicht der Anwohner ist diese Rechnung bislang jedoch nicht aufgegangen. Sie hoffen nun auf eine Stellungnahme aus Hannover. Ein bereits im Oktober 2025 an das zuständige Referat gerichtetes Erinnerungsschreiben mit Fragen zur Bewertung der Geschwindigkeitsmessungen sei bislang unbeantwortet geblieben. Nun bitten sie das Ministerium um eine Rückmeldung bis Anfang April.
Für die Menschen in Neuekrug bleibt die Sorge bestehen, dass es ohne weitere Maßnahmen irgendwann zu einem schweren Unfall kommen könnte. Ihr Anliegen, so schreiben sie, sei es nicht, Verkehrsteilnehmer unnötig einzuschränken, sondern eine gefährliche Situation rechtzeitig zu entschärfen.
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