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Meilensteine für die TU Clausthal

GZ Plus IconDer Recycling-Papst nimmt Abschied

Das Bild zeigt links Sylvia Schattauer, Präsidentin der TU Clausthal, mit einem Blumenstrauß und rechts Professor Daniel Goldmann mit seiner Abschiedsurkunde.

18 Jahre Recycling-Spezialist in Clausthal: TU-Präsidentin Sylvia Schattauer überreicht Professor Daniel Goldmann (68) die Abschiedsurkunde. Foto: Jörg Kleine

An der TU Clausthal gibt es für den auch international renommierten Professor Daniel Goldmann großen Applaus. Als Recycling-Experte hat er Meilensteine gesetzt.

Von Von Jörg Kleine Freitag, 27.03.2026, 19:00 Uhr

Clausthal-Zellerfeld. Er ist der „Recycling-Papst“ der Region und hat internationales Renommee – Daniel Goldmann (68). Gestern nahm der Professor an der TU Clausthal formal seinen Abschied – eingebettet in die Feier einer besonderen Epoche: 100 Jahre Erz-Aufbereitung als wissenschaftliche Disziplin in Clausthal.

Kräftigen Applaus gab es für Daniel Goldmann am Freitag in der Aula Academica. Kollegen, Vertreter der Technischen Universitäten in Aachen, Braunschweig, Freiberg und dem österreichischen Leoben, Studierende, Freunde, Bekannte und Industriepartner würdigten die Leistungen des Wissenschaftlers, der 18 Jahre lang an der TU das Institut für Aufbereitung, Recycling und Kreislaufwirtschaft geprägt hat.

Ein Berliner Junge, der leidenschaftlich Steine sammelt

Eingebettet war die Abschiedsfeier in gleich zwei Jubiläen: 1926 begann mit der Berufung von Alfred Grumbrecht als Professor für Bergbaukunde und Aufbereitungskunde eine neue Ära. Und vor 50 Jahren begann an der TU die Pionierarbeit für modernes Recycling, die bis heute besondere Wirkung zeigt: Die TU Clausthal ist eine wissenschaftliche Speerspitze für „Circular Economy“, also Kreislaufwirtschaft.

So umfassend dachte Daniel Goldmann als kleiner Junge in Berlin sicher nicht. Eher vielleicht an eine alte Volksweise, die auch Studenten gerne sangen: „Gold und Silber lieb’ ich sehr“, schöne Steine noch viel mehr. Wer könnte besser ein Liedchen davon singen als Goldmann. Mit fünf Jahren fing er an, Steine zu sammeln. Und diese Faszination für Mineralogie und Geologie ließ ihn fortan nicht mehr los.

Für Goldmann war es somit keine Frage, wohin es ihn nach dem Abitur ziehen würde: „Clausthal war damals der Nabel der Welt“, was Geologie und Mineralogie anbelangt, erzählt er. So tauschte er die Berliner Luft mit frischem Wind auf Harzer Höhen. Auslandsluft schnupperte er Anfang der 1980er-Jahre als Stipendiat am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge und an der Harvard-Universität in Boston. Sein weiteres Studium in Clausthal schloss er als Diplom-Geologe und Diplom-Mineraloge ab.

Beruflich war die Suche nach Rohstoffen (Exploration) sein ersehnter Wunsch, doch der scheiterte am „Zinnkartell“, schildert Goldmann im Rückblick. Die Rohstoffmärkte bröckelten, also besann sich Goldmann Ende der 1980er-Jahre quasi auf das Gegenteil: Recycling von Rohstoffen. Unter der Ägide seines Doktorvaters Professor Albert Bahr promovierte Goldmann 1992 zum Ingenieur für Aufbereitungstechnik.

Clausthal, Preussag, VW und wieder zurück in den Harz

Zwölf Jahre arbeitete er zunächst für die Preussag – mit Schwerpunkt auf Automobil-Recycling. Da war der Weg gedanklich nicht weit zu VW, wo er 1999 als Manager für Fahrzeug-Recycling anheuerte. Und genau in dieser Funktion führte ihn sein Weg wieder zurück an die TU Clausthal, um ein VW-Projekt zu begleiten.

Professor Eberhard Gock, der damals an der TU das Institut für Aufbereitung und Recycling leitete, animierte ihn, sich doch als Nachfolger für den Lehrstuhl zu bewerben. Daniel Goldmann ließ sich überzeugen – und übernahm Anfang 2008 als Professor die Regie im Institut.

Besonnen, ruhig, teamorientiert, offen, so beschrieb TU-Präsidentin Sylvia Schattauer den Recycling-Experten, als sie ihm die „Entlassungsurkunde“ als Professor überreichte. Auch bei Goldmanns wissenschaftlichen Kollegen aus Aachen, Braunschweig, Freiberg und Leoben war Herzenswärme spürbar. Doch der Berliner Junge, der ehedem so leidenschaftlich Steine sammelte, ist ein herausragender Netzwerker zwischen Wissenschaft, Industrie und Politik. Dabei kann er mit seinen Projekten geradezu gewaltige Bewegungen auslösen.

So manchem Beobachter ist noch bestens in Erinnerung, als Goldmann 2015 die Pläne für die Wiedergewinnung von Metallen am Bollrich in Goslar präsentierte. Im Schlamm der Erzverarbeitung vom Goslarer Rammelsberg – „der Mutter aller Bergwerke“, wie Goldmann gerne betont – schlummern tonnenweise wertvolle Metalle – ob Kobalt, Indium, Kupfer, Pyrit, Silber oder Gold. Ein Reporter einer Nachrichtenagentur muss da allerdings etwas missverstanden haben – und für kurze Zeit sahen Börsianer den Goldpreis ins Bodenlose fallen.

Bollrich, Rewimet, Doktoranden: Goldmann bleibt aktiv

Des Rätsels Lösung: Der Reporter hatte von 1,5 Millionen Tonnen Gold in den Absitzbecken am Bollrich geschrieben. Tatsächlich aber war nur von 1,5 Tonnen Gold die Rede. Also konnten sich die aufgeschreckten Börsianer wieder beruhigt hinlegen. Die Forschungsprojekte zur Aufbereitung von Rohstoffen aus dem Schlamm des Rammelsberges werden Goldmann indes über seine Pensionierung hinaus noch begleiten. „Retail“ heißt das vom Bundesforschungsministerium unterstützte Projekt, das noch 2026 starten soll (wir berichteten). Auch im Vorstand von Rewimet, dem Recycling-Cluster wirtschaftsstrategischer Metalle in der Region, will Goldmann aktiv bleiben. Zudem betreut er noch einige Doktoranden an der TU Clausthal und wird auch im kommenden Semester noch Vorlesungen halten.

Offen bleibt, wer Goldmanns Nachfolge am Lehrstuhl der TU übernimmt. Eine erste Ausschreibung verlief hoffnungsvoll, aber dann im Sande. Eine zweite Ausschreibung soll folgen. Es kann aber noch zwei, drei Jahre dauern, bis der Lehrstuhl wieder besetzt wird.

Wie wichtig diese praxisorientierte Forschungsarbeit ist, das machte Professor Helmut Antrekowitsch von der Montan-Universität Leoben am Freitag in plastischen Worten deutlich: Ohne Recycling von Metallen droht für viele Länder künftig eher ein Rückfall in die Steinzeit. Das Wissen darum ist seit Jahrzehnten an Instituten wie in Clausthal vorhanden, wird immer weiter verbessert. Da stellt sich nicht nur für Antrekowitsch die Frage: „Haben gewisse Personen die letzten 30 Jahre geschlafen?“ Gemeint ist wohl die Politik.

Das Bild zeigt links Professor Daniel Goldmann, rechts Elisabeth Clausen und Bernd Friedrich, die ein Buch in der Hand halten, um es Goldmann als Geschenk zu überreichen.

Elisabeth Clausen und Bernd Friedrich, beide Professoren an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen, schenken Daniel Goldmann (l.) zum Abschied Schokoladenprinten und ein besonderes Buch: eine historische Ausgabe der „Metallica“ von Georg Agricola (1494 bis 1555). Er gilt als Begründer der Montan- und Geowissenschaften. Foto: Jörg Kleine

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