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Harzburger Verein steht in der Kritik

GZ Plus IconStress im Tierheim: Ge­feu­er­te Belegschaft und ein toter Welpe

Ein Gebäude ist in Schnee gühllt. Die Außenansicht des Tierheim Eckertal.

Im Tierheim Eckertal gibt es derzeit ein Donnerwetter nach dem Rausschmiss der ganzen Belegschaft und dem Tod eines Welpen. Auf diesem Bild wurde es aber nur symbolisch mit künstlicher Intelligenz eingefügt. Foto: Schlegel

Haben Streit und Stress im Tierheim einen Hundewelpen das Leben gekostet? Und was hat die Personalpolitik des Tierschutzvereins damit zu tun? Die GZ hat nachgefragt.

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Von Holger Schlegel
Mittwoch, 07.01.2026, 04:00 Uhr

Bad Harzburg. Im Tierheim Eckertal, das vom Tierschutzverein Bad Harzburg, Oberharz und Umgebung betrieben wird, gibt es Zoff. Fünf der sechs hauptamtlichen Kräfte haben zu Weihnachten wegen eines, laut Vorstand, massiven Vertrauensproblems ihre Kündigung bekommen, die sechste eine Abmahnung. Resultat in den Augen der Kritiker: Zu Silvester wurden die Tiere angeblich nicht adäquat betreut. Auch ein Hundewelpe ist gestorben.

Polizei und Veterinäramt sind involviert. Der Vorstand des Tierschutzvereins steht massiv in der Kritik, wehrt sich aber vehement gegen die Vorwürfe. Die Affäre kocht in erster Linie in den sozialen Netzwerken hoch. Was ist da los? Die GZ hat versucht, der Sache auf den Grund zu gehen.

Kündigung zu Weihnachten

Die gekündigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möchten sich öffentlich nicht zu der Sache äußern. Sie haben die Langelsheimer Tierfreundin Maren Reese, die nicht Mitglied im Verein ist, zu ihrem Sprachrohr erkoren. Und Reese hat in den vergangenen Tagen schon ordentlich Wind gemacht. Der GZ gegenüber berichtet sie, dass der Belegschaft des Tierheimes teilweise an Heiligabend, spätestens aber an den Weihnachtsfeiertagen die Kündigungen in die Briefkästen geworfen worden waren, einmal blieb es bei einer Abmahnung. Viele von ihnen hatten sich im Vorfeld krankgemeldet.

Maren Reese hält sich in der Beurteilung der Kündigungen zurück, sie prangert in erster Linie die Konsequenzen an, die dieses Vorgehen zuungunsten der Tiere gehabt habe. Denn ein Tierheim müsse zwingend von Menschen mit entsprechender Sachkunde betreut werden. Ehrenamtliche seien gut und wichtig. Sie könnten jedoch nur unterstützen und niemals alleinverantwortlich arbeiten.

Aber speziell in der Silvesternacht wären die Tiere nur von Ehrenamtlichen betreut worden. Das sei nicht nur rechtlich, sondern auch fachlich ein Unding. Sechs Ehrenamtliche seien in der Silvesternacht im Tierheim gewesen sein. Wobei drei noch die Zeit gehabt hätten, mitten im wildesten Geböller vor der Tür des Gebäudes ein Video aufzunehmen, mit dem sie allen „Freunden der Fellnasen“ zeigen wollten, wie gut sie sich um die Tiere kümmern würden. Um die Tiere hätte man sich aber zu diesem Zeitpunkt drinnen kümmern müssen, das Video sei völlig daneben gewesen, so Reese. Auch die Reaktionen auf das Filmchen im Netz sind eindeutig. Manch einer kündigte sogar empört den Austritt aus dem Verein an.

Veterinäramt eingeschaltet

Die Vorwürfe gehen noch weiter: Ein Welpe ist tot, bei der Geburt gestorben. Weil sich niemand um die trächtige Hündin gekümmert hat? Maren Reese hält sich mit Mutmaßungen zurück, aber sie unterstellt eine gewisse Unkenntnis seitens der ehrenamtlichen Betreuer.

Wie dem auch sei: Polizei und Veterinäramt wurden eingeschaltet. Wobei die Polizei, so erklärt Bad Harzburgs Revierleiter Martin Görlich, nach einem Gespräch mit dem Verein keinen Handlungsbedarf gesehen habe. Damit sei das Thema für die Ordnungshüter aktuell erledigt. Das Veterinäramt, so bestätigt Landkreis-Pressesprecher Maximilian Strache, habe am 2. Januar das Tierheim kontrolliert und festgestellt, dass eine adäquate Versorgung der Tiere zu diesem Zeitpunkt gewährleistet gewesen sei. „Die Räumlichkeiten machten einen sauberen und gepflegten Eindruck, der Zustand der Tiere gab keinen Anlass zu Beanstandungen.“ Sofortmaßnahmen, um eine artgerechte Haltung der im Tierheim Eckertal befindlichen Tiere sicherzustellen, seien derzeit nicht notwendig. Nach aktuellen Erkenntnissen sei auch noch immer zumindest eine sachkundige Person im Tierheim Eckertal beschäftigt. Es liege jetzt in der Verantwortung des Tierschutzvereins, für genügend sachkundiges Personal zu sorgen und wieder in einen geordneten Regelbetrieb überzugehen. Das Veterinäramt richte deshalb ein besonderes Augenmerk auf das Tierheim Eckertal und werde, sofern notwendig, weitere Anordnungen treffen, um einen ordnungsgemäßen Zustand wiederherzustellen.

Vorstand: „Schmutzkampagne“

Aber, was sagt der Tierschutzverein zu der ganzen Misere? Die Vorsitzende Doreen Lüders sieht sich und ihre Vorstandskollegen Klaudia Klensmann und Michael Prinz sowie die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer einer üblen Schmutzkampagne ausgesetzt. Ja, die Kündigungen seien ausgesprochen worden. Dass dies ausgerechnet zu Weihnachten geschehen sei, wäre Zufall. Ohne auf die genauen Gründe einzugehen, spricht der Vorstand von einem massiven Vertrauensproblem, das zu der Maßnahme geführt habe. Unter anderem hätte sich das Team der Hauptamtlichen geschlossen krankgemeldet, und das an ein und demselben Tag.

Die Tiere im Stich gelassen?

Auch ohne die Hauptamtlichen sei der Betrieb des Tierheimes sichergestellt, auch wenn zunächst erst einmal vieles geregelt werden musste. Beispielsweise musste die Aufnahme von Pensionstieren abgesagt werden, was bei deren Besitzern nicht immer gut angekommen sei. Klaudia Klensmann bescheinigt den geschassten Hauptamtlichen eine gute Arbeit, allerdings hätten sie letzten Endes nicht dem Vorstand geschadet, sondern die Tiere im Stich gelassen.

Und ja, es habe einen toten Welpen gegeben, er sei am Morgen des zweiten Weihnachtsfeiertags neben seiner Mutter gefunden worden. Dass die Hündin trächtig gewesen sei, hätten die Ehrenamtlichen nicht gewusst, sagt Klaudia Klensmann, man habe es ihr auch nicht ansehen können. Sie sei sofort zum Tierarzt gebracht und untersucht worden, und anschließend gleich von einer Ehrenamtlichen rund um die Uhr betreut worden. Dort habe sie auch nahtlos ein neues Zuhause gefunden.

Das nächtliche Video

Aber was war jetzt in der Silvesternacht los? Da hätten sechs Ehrenamtliche nach einem Aufruf von Klaudia Klensmann die Tiere betreut. „Das sind mehr, als in früheren Jahren“, sagt Doreen Lüders. Das kurze Video, das vor der Tür aufgenommen wurde, sei im Nachhinein betrachtet wohl ungeschickt gewesen, niemand habe mit einem solchen Shitstorm in den sozialen Netzwerken gerechnet. Und es sollte auch kein Nachtreten gegenüber den entlassenen Mitarbeitern sein, so Klensmann. Sie habe einfach nur zeigen wollen, dass man für die Tiere da sei.

Neue hauptamtliche Kräfte

Und wie geht es jetzt im Tierheim weiter? Eine neue hauptamtliche Kraft sei bereits eingestellt, eine weitere ja noch da (Anm. d. Red.: Es handelt sich um die Mitarbeiterin, die nur abgemahnt wurde). Weitere Hauptamtliche werden demnächst eingestellt. Erschüttert, schockiert und erkennbar angefressen ist das Vorstandstrio indes über die Welle, die um die ganze Thematik gemacht werde. Letzten Endes seien dem Verein schon die wildesten Vorwürfe gemacht worden, da sich die Sache offenkundig mittlerweile regelrecht verselbstständigt habe, bis hin zu dem Gerücht, im Tierheim würden gleich mehrere tote Hunde liegen. Was nun definitiv nicht der Fall gewesen sei.

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