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Brandschutzexperte expandiert

GZ Plus IconStöbich kauft in Goslar das Nachbargrundstück von Holz-Heinemann

Schneebedeckte Gewerbegebäude mit mehreren runden Firmenschildern an den Fassaden und bewölktem Himmel im Hintergrund.

Derzeit eine weiße Winterlandschaft: Brandschutz-Experte Stöbich kauft das Nachbargrundstück an der Dörntener Straße, auf dem zuletzt die Firma Holz-Heinemann beheimatet war. Foto: Epping

Der Deal ist perfekt: Brandschutzexperte Stöbich ist seit Jahreswechsel offiziell Eigentümer des früheren Firmengeländes von Holz-Heinemann. Was das für Stöbich bedeutet.

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Von Frank Heine
Dienstag, 13.01.2026, 04:00 Uhr

Goslar. Jetzt ist es amtlich: Das Goslarer Familienunternehmen Stöbich hat seine im Herbst 2025 avisierten Expansionspläne konkretisiert und zum Jahreswechsel das ehemalige Areal von Holz-Heinemann übernommen. Das Grundstück befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Firmenzentrale des Brandschutzexperten, die am Pracherstieg im Gewerbegebiet Baßgeige angesiedelt ist. Über diese Entwicklung hatte die GZ zuerst im September des Vorjahrs berichtet. Über den Kaufpreis herrscht nach wie vor Stillschweigen.

Seit dem 1. Januar ist Stöbich nach Angaben von Olaf Grunenberg-Thiele aus der Unternehmenskommunikation somit offizieller Eigentümer des Nachbargrundstücks in der Dörntener Straße mit den Nummern 10 bis 12, auf dem Holz-Heinemann bis 2024 seinen Firmensitz hatte. Mit den neu gewonnenen Räumlichkeiten könne die Stöbich-Unternehmensgruppe ihren Wachstumskurs weiterhalten wie geplant, heißt es dort.

Brandschutz in all seinen Erscheinungsformen

„Brandschutz muss sich weiterentwickeln, um den sich wandelnden Marktanforderungen erfolgreich zu begegnen. Deshalb arbeiten wir kontinuierlich an ganzheitlichen Brandschutzlösungen, die vom baulichen bis zum technischen Brandschutz und der Batteriesicherheit sämtliche Sparten abdecken“, betont Alexander Dolipski, Sprecher der Stöbich-Geschäftsführung. Für diese Innovationskraft benötige man mehr Raum, den Stöbich nun geschaffen habe.
Mann mit kurzem Haar trägt weißen Hemdkragen und schwarzen Anzug vor grauem Hintergrund mit blauem und orangefarbenem Logo.

Alexander Dolipski ist Sprecher der Stöbich-Geschäftsführung. Foto: Heine (Archiv)

Die Gruppe besteht deutschlandweit sowie international aus Unternehmen, deren Kompetenz im vorbeugenden Brandschutz und dem dazugehörigen Service liegt sowie in vor- und nachgelagerten Bereichen dieser Wertschöpfung. Zu den Stärken im Firmenverbund zählen demnach unter anderem Blech- und Textilverarbeitung, Service und Wartung, Steuerungselektronik sowie optische Messtechnik. Die Unternehmensgruppe hat ihren Hauptsitz in Goslar und beschäftigt weltweit mehr als 800 Mitarbeiter. Der weltweite Vertrieb erfolgt durch eigene Standorte in Deutschland sowie neun Auslandsniederlassungen. Stöbich exportiert und montiert weltweit in mehr als 90 Ländern.

Start in der Garage am Siechenhof

Gegründet hatte die Firma der geniale Tüftler und Brandschutz-Pionier Dr. Jochen Stöbich, der einst 1980 in einer Garage am Siechenhof 1a startete und mit seinen Patent-Lösungen bis zum Weltmarktführer aufstieg.

Stöbich war in Goslar geboren und in Salzburg aufgewachsen. Er wohnte in Wolfshagen, führte seine Firma in der Goslarer Baßgeige und hatte einen österreichischen Pass. Er starb im Februar 2021 im Alter von 77 Jahren nach schwerer Krankheit. Neben der Sparte der Feuerschutzabschlüsse für bahngebundene Förderanlagen, mit der das Unternehmen vor gut viereinhalb Jahrzehnten begonnen hat, ist Stöbich nach eigenen Angaben ebenfalls Spezialist und Marktführer im textilen Brandschutz. Am niedersächsischen Produktionsstandort werden zahlreiche Brandschutzlösungen für den Bereich Intralogistik sowie nahezu unsichtbare Feuer- und Rauchschutzlösungen textiler Bauart für architektonisch anspruchsvolle und offene Raumkonzepte entwickelt und produziert. Montage, Service und Wartung vervollständigen das ganzheitliche Brandschutzportfolio aus einer Hand. Kunden sind Bauherren zahlreicher Industriebranchen und des öffentlichen Sektors. Im Bereich des technischen Brandschutzes entwickelt Stöbich unter anderem zukunftsweisende Lösungen zur Brandfrüherkennung (Detektion per Kamera) sowie zur Lagerungs- und Transportsicherheit (Schränke und Boxen) von Lithium-Ionen-Batterien.

Heinemann-Aus nach 75 Jahren

Die Möglichkeit der Erweiterung hatte sich durch das Aus für einen anderen Familienbetrieb ergeben. Ausgerechnet im 75. Jahr des Bestehens hatte die Firma Holz Heinemann nebenan auf dem Grundstück an der Dörntener Straße Ende August 2024 Insolvenz angemeldet, ihre rund 40 Mitarbeiter nach Hause geschickt und den Betrieb de facto eingestellt. Ende Oktober wurde es zur bitteren Gewissheit: Es gab keine Zukunft mehr. Insolvenzverwalter Henning Jung sprach allen noch rund 30 Mitarbeitern während einer Betriebsversammlung die Kündigung aus. „Bei der Suche nach einem neuen Gesellschafter waren wir weniger erfolgreich als anfangs erhofft“, erklärte der Rechtsanwalt aus einem Büro in Salzgitter-Lebenstedt damals.

Ein Hindernis bei der Suche: Das Firmengelände an der Dörntener Straße in der Baßgeige befand sich nicht im Eigentum der Holz-Heinemann GmbH & Co. KG, deren Interessen Jung als Insolvenzverwalter vertrat. Weil das Areal als Sicherheit gefehlt habe, habe letztlich auch niemand damit geliebäugelt, den Betrieb zu übernehmen.

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