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Nachhaltigkeit

GZ Plus IconDesigner-Liegen aus Windradflügeln: Start-Up aus Dörnten

v.l. Tim Fricke und Kevin Faeseler geben dem ausgemusterten Hightech-Werkstoff ein zweites Leben.

v.l. Tim Fricke und Kevin Faeseler geben dem ausgemusterten Hightech-Werkstoff ein zweites Leben. Foto: Leifeld

Was wird aus den Flügeln rückgebauter Windkraftanlagen? Drei Jungunternehmer geben dem ausgemusterten Hightech-Werkstoff mit robusten Desigernmöbeln ein zweites Leben.

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Von Andrea Leifeld
Montag, 30.03.2026, 10:00 Uhr

Dörnten/Hohenhameln. Windräder schießen nicht erst seit der Energiewende wie Pilze aus dem Boden und verspargeln mit ihren dürren Masten und langen Flügeln die Landschaft. Über Gefahren, Nutzen und Unsinn beim Betrieb solcher Anlagen streiten sich seit Jahren Betreiber und Bürger. Doch mit dem Start-up Unternehmen Blattwerk (www.blattwerkdesign.com) ist der gebürtige Dörntener Kevin Faeseler bereits einen Gedankenschritt weiter.

Der 34-jährige CAD-Designer gründete im vergangenen Jahr mit seinen Freunden Tim Fricke (31, Geschäftsführer eines Windparks) und Constantin Berhorst-Mund (27, Konstrukteur) ein Start-Up, das sich der Frage nach einer sinnvollen Weiterverwendung alter Windradflügel annimmt. „Abgeschriebene Anlagen werden derzeit abgebaut und durch größere und effizientere Windräder ersetzt. Nahezu alles von einer solchen Anlage kann man recyceln, aber noch nicht die Flügel“, erinnert er an die Ausgangsidee der drei Jungunternehmer, die mehr zufällige Begegnungen zusammenführte. „Wir kombinieren sozusagen die Kreislaufwirtschaft mit einem anspruchsvollen Produktdesign und geben einem ausgemusterten Hightech-Werkstoff ein zweites Leben“, beschreibt er.

Mehrere Windräder im Sonnenuntergang

Was wird aus Windrädern, wenn sie ausgedient haben? Foto: Leifeld ( Archiv)

Kevin Faeseler selbst wuchs im nördlichen Harzvorland in Dörnten auf, baute sein Abitur am Christian von Dohm - Gymnasium in Goslar, machte eine Ausbildung in Wolfsburg und studierte später Industrie-Design in Hannover. „Eigentlich entwickele und entwerfe ich Formen für Autos“, erklärt er am Samstag in einer Garage als kleine Werkstatt, in der Gemeinde Hohenhameln bei Peine.

Doch der spannende Gedanke, aus den weißen Ungetümen etwas Sinnvolles zu schaffen, reizte ihn. Die drei Männer wurden zu gleichberechtigten Geschäftsführern und gründeten neben ihren Hauptberufen die Blattwerk UG als zweites Standbein. Sie knüpften Kontakte und bauten sich binnen kurzer Zeit ein beachtliches Netzwerk auf. „Ein Windradflügel, wie wir sie derzeit verwenden, ist 30 Meter lang. Wir sehen sie uns an, was daraus entstehen kann.“ Ihr Fokus liegt auf langlebigen, funktionalen Möbeln für Menschen, die Umweltbewusstsein mit Stil verbinden wollen. Mit ihren Ideen wird eine Flügelspitze zur Boulderwand und Mittelstücke zu Designer-Tischen.

Die sehr bequemen Liegen können mit verschiedenen Stofffarben ausgestattet werden.

Die sehr bequemen Liegen können mit verschiedenen Stofffarben ausgestattet werden. Foto: Leifeld

Auch Überdachungen für Fahrradständer und stylische Blumenkästen sind im modernen Design möglich und nicht zuletzt sehr bequeme Liegestühle, die mit Auflagen in verschiedenen Farben erhältlich sind. Es ist eine Nachhaltigkeit, die sichtbar ist, denn der Charme des Windradflügels lässt sich bei allen Designerstücken erkennen und mit ihm durchflutet das gute Gefühl, einem Werkstoff eine Zukunft gegeben zu haben, der sonst möglicherweise achtlos verbrannt worden wäre.

Ihre Idee, Möbel mit Geschichte und Charakter zu schaffen, erregte bereits große Aufmerksamkeit. Blattwerk wurde mit dem 25.000 Euro schweren Start-up Förderpreis der Stadt Hannover ausgezeichnet. Ein Ansporn der für sie zugleich eine gewichtige Aufgabe ist. „Die Firma, von der wir die Windflügel beziehen, schneidet sie uns auf fünf Meter Länge. Dann wiegt ein Stück nur noch zwischen 600 und 800 Kilogramm“, erklärt Tim Fricke und lacht. In der Werkstatt in Hohenhameln herrscht dieser Tage spürbar unternehmerische Aufbruchstimmung – auch vor dem Hintergrund, dass bereits in anderen kleinen Garagen große Unternehmen ihre Anfänge nahmen…

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