Zähl Pixel
Tourismuszahlen

GZ Plus IconVolle Hotels, zufriedene Gastronomen: Goslar glänzt in den Ferien

Bei gutem Wetter ist die Stadt sehr belebt.

Bei gutem Wetter ist die Stadt sehr belebt. Foto: Sowa

Wechselhaftes Sommerwetter, frühe Ferien und statistische Effekte prägten die Goslarer Besucherzahlen im Sommer. Während die Kernstadt leicht rückläufige Ergebnisse zeigt, überrascht Hahnenklee mit Zuwächsen und neuen Gästestrukturen.

author
Von Sebastian Sowa,
author
Von Hendrik Roß
Dienstag, 26.08.2025, 10:00 Uhr

Goslar. Die niedersächsischen Sommerferien haben die Gastgeberinnen und Gastgeber in Goslar und Hahnenklee vor wechselhafte Herausforderungen gestellt. Viel Regen, die Konkurrenz sonnigerer Ziele im Ausland und einige statistische Unschärfen prägten die vergangenen Wochen. Dennoch zeigt sich: Goslar bleibt gefragt – und Hahnenklee kann sogar ein erfreuliches Plus vermelden.

In der Kernstadt verzeichnet die Statistik für die niedersächsischen Sommerferien einen Rückgang von rund einem Prozent bei den Ankünften (30.040) und 5,6 Prozent bei den Übernachtungen (70.507) im Vergleich zum Vorjahr. Auf den ersten Blick wirkt dies wie ein Einbruch, doch tatsächlich liegt die Ursache nicht allein in der sinkenden Nachfrage. So haben mehrere Gastgeber, die im vergangenen Jahr noch ihre Zahlen gemeldet hatten, in diesem Sommer bislang keine Angaben gemacht. „Wir gehen daher nicht von einem tatsächlichen Rückgang in dieser Größenordnung aus, sondern von fehlenden Meldungen“, erklärt Marina Vetter, Geschäftsführerin der Goslar-Marketing-Gesellschaft (GMG).

Pflicht zur Meldung

Man informiere die Betriebe derzeit gezielt, um Missverständnisse auszuräumen, denn die Pflicht zur Meldung für den Gästebeitrag bestehe weiterhin unabhängig vom Wegfall der Bundesmeldepflicht.

Ein Blick auf die Herkunft der Gäste macht die Entwicklung anschaulich. Deutlich vorne liegen weiterhin die Dänen, auch wenn sie einen Rückgang von rund neun Prozent verzeichneten. Besonders stark zugelegt haben hingegen die Niederländer mit einem Plus von 34,8 Prozent. An dritter Stelle folgen die Schweden, die allerdings auch leicht rückläufig sind. Polen verzeichnen mit minus 75 Prozent einen deutlichen Rückgang, während Frankreich mit einem Zuwachs von 86,7 Prozent und Österreich mit plus 17,9 Prozent sehr positive Entwicklungen zeigen.

„Trotz der herausfordernden Wetterlage und einzelner Melde-Defizite in der Stadt können wir insgesamt wirklich zufrieden auf die Sommerferien blicken. Goslar bleibt ein attraktives Reiseziel, das sowohl bei nationalen als auch internationalen Gästen gefragt ist. Besonders erfreulich ist, dass unsere vielfältigen Angebote in Kombination mit dem historischen Charme und der kulturellen Vielfalt sowohl Stammgäste als auch neue Besucher anziehen. Das motiviert uns, auch künftig an der Vermarktung zu arbeiten und die touristischen Attraktionen Goslars noch stärker in den Fokus zu rücken“, so Vetter.

Zuwachs in Hahnenklee

Sehr erfreulich präsentiert sich das Bild in Hahnenklee. Dort stiegen die Ankünfte um 1,51 Prozent auf 18.384, die Übernachtungen sogar um 3,13 Prozent auf 77.746. Auch die Aufenthaltsdauer verlängerte sich leicht von 3,9 auf vier Tage. Besonders interessant ist dabei der Blick auf die Herkunft der Gäste: Große Zuwächse gab es aus Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz. Überraschend stark fiel auch der Anstieg aus Bayern aus, wo die Übernachtungen um fast 50 Prozent zulegten.

„Diesen Zuwachs werden wir mangels Ferienzeit in Bayern nochmal genauer erörtern“, sagt Isabel Junior von der Hahnenklee-Tourismus-Gesellschaft (HTG) augenzwinkernd. Rückgänge gab es hingegen aus Hamburg und Berlin, was sich jedoch durch die Verschiebungen anhand des späten Ferienbeginns ab dem 24. Juli erklärt. Da sich die niedersächsische Statistik nur auf die eigenen Ferienwochen bezieht, werden die Zahlen aus Hamburg und Berlin erst im September in vollem Umfang sichtbar.

Wie in Goslars Kernstadt mit rund 9, sind auch in Hahnenklee die Übernachtungen der Dänen mit knapp 8 Prozent rückläufig. Dies lasse sich auf die Tendenz zurückführen, dass Dänen vermehrt zum Beispiel nach Schweden reisen, da Deutschland als Reiseland mittlerweile teurer als andere Länder geworden ist, erläutert Junior. Ansonsten verzeichne Hahnenklee einen Übernachtungszuwachs von 31,5 Prozent aus den Niederlanden, plus 60 Prozent aus Schweden und ganze 92 Prozent aus Belgien. „Vielleicht ist dieser Anstieg auf die Kooperation der Stabkirche als Ausbildungsstätte für Carillon zurückzuführen, die in Zusammenarbeit mit der königlichen Glockenspielschule in Belgien und der Deutschen Glockenspielvereinigung das Spiel auf dem Carillon fördert“, ergänzt Junior.

Beim Sommerfest sind zahlreiche Touristen in Hahnenklee.

Beim Sommerfest sind zahlreiche Touristen in Hahnenklee. Foto: Sowa

Wechselhaftes Sommergeschäft

Die Rückmeldungen aus der Goslarer Hotellerie spiegeln das insgesamt stabile, aber wetterbedingt wechselhafte Sommergeschäft wider. „Die Sommerferien sind gut gelaufen, wir haben in etwa das Vorjahresniveau erreicht“, berichtet Rosemarie Prien vom Hotel „Alte Münze“. Ihre Gäste, überwiegend Touristen, bleiben im Durchschnitt zwei bis drei Tage.

Bei Dominik Kerstin vom Hotel „Die Krone“ fiel die Bilanz etwas durchwachsener aus: „Es ist schlechter gelaufen als 2024, unsere Gäste buchen zunehmend kurzfristig, sodass wir Anfang der Woche oft nicht wissen, wie das Wochenende laufen wird. Viel hängt auch vom Wetter ab – und der Sommer war in diesem Jahr eher kühl und regnerisch.“

Eine ähnliche Einschätzung teilt Georgios Gaidatzis, Geschäftsführer des Restaurants „Schwarzes Schaf“ und des Hotels „Liono“: „Es lief nicht überragend, aber unter dem Strich in Ordnung.“

Gastronom Alexander Scharf, der in Goslar unter anderem das Hotel „Schiefer“ und mehrere Appartements betreibt, ist mit der Resonanz in seinen Übernachtungsbetrieben zufrieden. In seinen Restaurants „Schiefer“ und „Wildfang“ sei das Geschäft jedoch schwächer gelaufen, während das „Tims“ das Vorjahresniveau halten konnte.

Willi Robben vom Hotel „Die Tanne“ zieht eine gemischte Bilanz: „Ein bisschen schlechter als 2024. Weniger Geschäftsreisende, dafür ist die Zahl touristischer Gäste weitgehend konstant geblieben. Ich vermute, viele fahren inzwischen lieber ins Ausland, zudem sitzt der Geldbeutel bei einigen nicht mehr so locker.“

August und September laufen besser

Auch in Hahnenklee gibt es oft zufriedene, aber keine überschwänglichen Bilanzen. „Die niedersächsischen Sommerferien waren durchwachsen. Deutlich besser läuft es jetzt im August und auch im September“, berichtet Ilka Fleischmann vom Hotel Njord. Zu ihr kommen zwar weiterhin viele dänische Gäste, doch der ganz große Boom sei vorbei. Stattdessen verzeichnet das Haus verstärkt Buchungen von Niederländern und deutschen Gästen.

Wetterabhängig ist auch das Besucheraufkommen am Erlebnisbocksberg. „Wenn die Sonne scheint, können wir uns vor Gästen kaum retten, bei Regen und Schmuddelwetter kommen leider weniger Besucher – und genau das war in diesem Jahr öfter der Fall“, so Betriebsleiter Uwe Hartwich.

Zufrieden zeigt sich auch Denise Filice, Direktorin des Walpurgishofs. Sie beobachtet einen klaren Trend zu kurzfristigen Buchungen: „Zu Beginn der Sommerferien hatten wir für Juli und August eine Auslastung von rund 40 Prozent. Ende August liegen wir für beide Monate bei etwa 80 Prozent, viele kamen halt spontan zu uns.“

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Themen aus der Region