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Baustelle bis Ende des Jahres

GZ Plus IconSchmiedestraße für Fußgänger gesperrt: Was sagen die Anlieger?

Statt eines Gehsteigs hat der Kirchenladen nun einen großen Berg Kies vor der Tür. Marianne Schirrmeister und Helga Eberts vom Trägerverein müssen nun Möglichkeiten finden, damit zu leben.

Statt eines Gehsteigs hat der Kirchenladen nun einen großen Berg Kies vor der Tür. Marianne Schirrmeister und Helga Eberts vom Trägerverein müssen nun Möglichkeiten finden, damit zu leben. Foto: Schlegel

Seit gut einer Woche ist die Schmiedestraße auch für Fußgänger voll gesperrt, sie wird ausgebaut und dafür wurden auch die Gehsteige weggerissen. Wie gehen die Gewerbetreibenden in der Straße mit diesem Zustand um?

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Von Holger Schlegel
Freitag, 25.10.2024, 08:00 Uhr

Bad Harzburg. Seit dem Wochenende ist die Schmiedestraße eine komplette Baustelle, auch die Gehwege sind im Rahmen der kompletten Erneuerung weggerissen. Das soll bis Ende des Jahres so bleiben. Theoretisch ist die Straße bis zum Ende der Arbeiten auch für Fußgänger gesperrt, praktisch jedoch können sie noch durch. Mühsam zwar, aber es geht halbwegs. Doch was sagen die Anlieger der Straße? Geschäftsleute? Wochenmarkthändler? Hausbesitzer? Die Begeisterung hält sich erwartungsgemäß in Grenzen, allerdings ist die Stimmung nicht nur schlecht.

Die Gehsteige sind auf der kompletten Länge weggerissen. Die Bauarbeiten sollen (mindestens) bis Ende des Jahres dauern.

Die Gehsteige sind auf der kompletten Länge weggerissen. Die Bauarbeiten sollen (mindestens) bis Ende des Jahres dauern. Foto: Schlegel

Am Donnerstag war Wochenmarkt, der erste ohne Schmiedestraßen-Gehsteige. Bei den Händlern ist die Stimmung endgültig am Boden. Schon die bisherige Baustelle hätte die Umsätze gedrückt. Jetzt, ohne Gehsteige, sei es noch schlimmer, sagen Frank Biedehorn, der einen Obst- und Gemüsestand betreibt und sein Kollege, „Blumen“-Rudi Hoffmeister. Wohlgemerkt: Die beiden beschweren sich nicht über die Stadt, die betreue die Marktbeschicker in einem Umfang, den man anderswo vergebens suche.

Rudi Hoffmeister (l.) und Frank Biedehorn können nur noch mühsam lächeln. Ihre Wochenmarktstände werden wegen der Baustelle nicht mehr von Kundschaft überrannt.

Rudi Hoffmeister (l.) und Frank Biedehorn können nur noch mühsam lächeln. Ihre Wochenmarktstände werden wegen der Baustelle nicht mehr von Kundschaft überrannt. Foto: Schlegel

Am Donnerstagmorgen beispielsweise seien gleich zwei Kehrmaschinen über den Marktplatz gebürstet, um ihn laubfrei zu machen. Doch was nützt ein sauberer Platz, wenn die Kunden nicht kommen. Denn der Markt lebe auch von vielen älteren Stammgästen, die aber doch eher zu Fuß unterwegs sind.

Bestes Marktwetter, aber kaum Marktkunden: Im unteren Badepark war am Donnerstag nicht viel los.

Bestes Marktwetter, aber kaum Marktkunden: Im unteren Badepark war am Donnerstag nicht viel los. Foto: Schlegel

Am Donnerstag beispielsweise schien die Sonne, es war recht warm. Richtig gutes Marktwetter, wie Biedehorn aus vielen Jahren Erfahrung weiß. Und dann ist in der kommenden Woche auch noch Feiertag, also kein Markt. Normalerweise hätte der Badepark knackevoll sein müssen, weil sich die Menschen eindecken. War er aber nicht.

Biergarten-Betreiber Slawomir Niemczyk sagt, er habe 70 Prozent Umsatzeinbußen durch die Baustelle.

Biergarten-Betreiber Slawomir Niemczyk sagt, er habe 70 Prozent Umsatzeinbußen durch die Baustelle. Foto: Schlegel

Gleich nebenan betreibt Slawomir Niemczyk den Biergarten, der von der Schmiedestraße aus nur wenige Meter entfernt liegt. Sein unerschütterlicher Humor lässt ihn noch hin und wieder Witze reißen. Aber er habe Umsatzeinbußen von 70 Prozent. Da ist ihm das Lachen langsam auch vergangen. Seit April, als die Baustelle startete, habe er jeden Tag geöffnet und kämpfe um Gäste. Doch nun auch noch ohne Gehsteige – langsam aber sicher werde es für ihn haarig.

Badepark ist zu erreichen

Dabei ist der Badepark noch halbwegs gut zu erreichen, nämlich fußläufig über die Rudolf-Huch-Straße oder auch per Pkw über den Parkplatz an der Herzog-Julius-Straße. Der ist zwar aus der Schmiedestraße auch nicht mehr zu erreichen, wohl aber aus der Julius-Straße. Nur wüssten das mitunter noch nicht einmal Bad Harzburger.

Vor dem Kirchenladen werden Fußmatten ausgelegt, damit nicht zu viel Dreck ins Geschäft getragen wird.

Vor dem Kirchenladen werden Fußmatten ausgelegt, damit nicht zu viel Dreck ins Geschäft getragen wird. Foto: Schlegel

Das jedenfalls ist die Erfahrung von Friedrich Ehrhardt aus der Luthergemeinde, der am Donnerstag gerade einen Tee im evangelischen Kirchenladen trank, als die GZ auf Recherchetour war. Der Kirchenladen ist besonders gekniffen, denn er liegt direkt an der Straße und es ist kein Gehsteig mehr vor der Tür. „Wir wischen jeden Tag nach Feierabend den Boden“, sagt Helga Ebert, Zweite Vorsitzende des Trägervereins. Sie und die Vorsitzende Marianne Schirrmeister haben schon überall Matten und andere Fußabtreten ausgelegt. Bislang, mit Gehsteig vor der Tür, sei das Kundenaufkommen noch erträglich gewesen, „wir haben viele treue Stammkunden“, sagen die beiden Damen. Nur sind diese treuen Stammkunden auch nicht immer mehr so richtig gut zu Fuß.

Zwar wird das „Begehen“ der Baustelle großzügig gehandhabt, doch nützt es auch nichts, wenn man auf Rollator oder Rollstuhl angewiesen ist. Auch das Beliefern ist schwierig, die Helferinnen lassen sich die Ware mitunter schon nach Hause liefern.

Zu spät informiert

Der Kirchenladen hat noch das Glück, dass das 25-köpfige Helferteam ehrenamtlich arbeitet, aber dennoch hat der Verein Ausgaben. Allein der Warenbestand stelle einen Wert dar. „Hätten wir früher gewusst, dass die Gehsteige auch noch weggerissen werden, hätten wir weniger eingekauft“, sagt Eberts. So aber hätte der Verein erst aus der GZ erfahren, dass die Straße zwei Tage später komplett dicht ist. Und das auch noch in den umsatzstärksten Monaten November und Dezember. Nun hoffen die Damen auf einige Basare, die anstehen. Die sollen die Bilanzen retten. Außerdem wird mithilfe des Hauseigentümers und der Nachbarschaft versucht, einen besseren Zugang über den Badepark zu schaffen. Danach werde man sich um das Beleuchtungsproblem kümmern. Denn jetzt, in der dunklen Jahreszeit, macht es die Finsternis auch nicht unbedingt leichter, durch die Baustelle zu stapfen. Der Kirchenladen wird deshalb bereits um 17 Uhr schließen.

Fußgänger können die Schmiedestraße noch benutzen, aber das ist eigentlich nicht Sinn der Sache und auch nicht unbedingt einfach.

Fußgänger können die Schmiedestraße noch benutzen, aber das ist eigentlich nicht Sinn der Sache und auch nicht unbedingt einfach. Foto: Schlegel

Und doch herrscht bei vielen der Befragten nicht ausschließlich Frust und Ärger vor. Die Familie Duckstein als Eigentümer des Gebäudes, in dem der Kirchenladen untergebracht ist, lässt über Marianne Schirrmeister ausrichten, dass es erfreulich sei, dass die Straße ausgebaut werden. Das sehen auch viele andere so, nach dem Motto „irgendwann muss es ja gemacht werden“. Auch die Kooperationsbereitschaft der Bauarbeiter vor Ort wird gelobt.

Beispielsweise von Beatrice Brandt vom Pflegedienst Medica, der in Schmiedestraße vis à vis des Kirchenladens ansässig ist. Dorthin kommen auch Patienten, regelmäßig auch ganze Gruppen, und die hätten schon Probleme, so Brandt. Aber die Baufirma helfe da sehr. Wenn es matschig sei, würden auch schon einmal Teppiche ausgelegt, außerdem wurden vor alle Geschäfte Brücken und Rampen gebaut.

Der Medica-Pflegedienst kann mit der Baustelle halbwegs gut leben und lobt die Kooperation mit den Arbeitern. So haben für jedes Haus Rampen und Brücken angelegt.

Der Medica-Pflegedienst kann mit der Baustelle halbwegs gut leben und lobt die Kooperation mit den Arbeitern. So haben für jedes Haus Rampen und Brücken angelegt. Foto: Schlegel

Das habe Medica bisher geholfen, dass keine Termine abgesagt werden mussten. „Wir sagen unsere Patienten um Vorfeld Bescheid und weisen Kunden auf die momentane Situation hin“, so Brandt. Zudem würden die Fahrer des Pflegedienstes die Patienten auch begleiten, immerhin könnten die Autos von oben in den unteren Badepark fahren, von dort ist es nicht mehr weit. Und im Gegensatz zum Kirchenladenteam hätte Medica auch kein Kommunikationsproblem feststellen können. Der Pflegedienst sei über die Bauarbeiten stets rechtzeitig informiert worden.

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