Vom Postmann zum Sammelkartenhändler
Die Karte „Gren Maju Da Eiza“ hinter Verkäufer Emanuele Biele ist einer der Preise, die Teilnehmer der Turniere gewinnen können. Foto: Raksch
Emanuele Biel hat seine Postfiliale in der Herzog-Wilhelm-Passage geschlossen, um „Yu-Gi-Oh!“- „One Piece“-,„Digimon“- und weitere Karten zu verkaufen. Jedes Wochenende veranstaltet er Turniere für Spielkartenfreunde.
Bad Harzburg. Jedes Wochenende wird die Herzog-Wilhelm-Passage seit kurzem zum Treff für Sammelkartenfreunde. 40 bis 50 Leute aus ganz Deutschland kommen samstags und sonntags mit Spielmatten und Kartendecks in das Geschäft Y-magic und treten in „Yu-Gi-Oh!“- „One Piece“- und „Digimon“-Turnieren gegeneinander an, so der Organisator Emanuele Biel. Noch bis Anfang des Jahres hatte der dunkelhaarige 44-Jährige eine Postfiliale betrieben. Jetzt besitzt er das Sammelkartengeschäft Y-magic und veranstaltet regelmäßig gut besuchte Turniere.
Wie kam es? Schon 2017 hatte er nebenher begonnen, sein Hobby – das Sammeln und Spielen mit „Yu-Gi-Oh!“-Karten – zum Beruf zu machen. „Yu-Gi-Oh!“ ist ein Kartenspiel mit Monstern, Fallen und Zaubersprüchen. Jeder beginnt das Spiel mit 8000 Lebenspunkten und einem Kartendeck, das er zuvor zusammengestellt hat. Ziel ist es, die Lebenspunkte des Gegners auf null zu bringen.
Kartenturniere zu Beginn in der Postfiliale
Zunächst habe Biel Turniere in seiner Postfiliale veranstaltet, erst mit sechs Leuten, mit der Zeit seien es mehr geworden, berichtet er. „Ich habe die Postfiliale vor jedem Turnier umgebaut, um etwa 20 Leute unterkriegen zu können“, sagt er lachend. Sehr bald habe er mit dem Handeln von Karten begonnen, und weitere Spiele kamen zu seinem Repertoire hinzu.
„Gegen Ende der Coronazeit kam der Umzug ins Erdgeschoss der Herzog-Wilhelm-Passage“, erklärt Biel. „Ich wollte mehr Tische für Turniere und eine größere Fläche für Produkte bieten.“ Seine Bekanntheit und die Verkaufszahlen seien stark gestiegen, die Postfiliale hingegen zum Minusgeschäft geworden.
Neuanfang
Am 31. März dieses Jahres dann der Cut – Biel machte sein Geschäft dicht: „Ich konnte die Post nur so lange betreiben, weil das Spielkartengeschäft so gut lief“, sagt er.
Vor einigen Wochen erfüllte er sich seinen Traum und eröffnete über seiner ehemaligen Filiale den Sammelkartenshop Y-magic. Bei seinem Kundenstamm kam das offenbar gut an: 64 Leute besuchten sein Turnier zur Feier der Geschäftseröffnung.

"One Piece"-Turniere finden bei Y-magic jeden Sonntag statt. Foto: Privat
Seitdem veranstaltet er jeden Samstag um 13 und 17 Uhr „Yu-Gi-Oh!“-Turniere, wenn er nicht gerade – wie in den kommenden Wochen – Urlaub mit seiner Frau und seinem fast vierjährigen Sohn macht. Sonntags finden um 12.30 Uhr ein „One-Piece“-Turnier und um 13.30 Uhr ein „Digimon“-Turnier statt. Wenn es besonders gut laufe, verzeichne er bis zu 70 Gäste. Freitags gibt es ab 14.30 Uhr eine Tauschbörse zum Handeln, Quatschen und Üben. Ab September sollen auch Turniere zum Kartenspiel „Pokémon“ stattfinden.
Preise bis zu 500 Euro

In seinem Geschäft verkauft Biel Sammelkarten verschiedenster Spiele, unter anderem zur Anime- und Videospielserie "Pokèmon". Foto: Raksch
Seine eigenen Veranstaltungen würden in der Gegend durch einen besonders großen Preispool herausstechen. Stets gebe es Produktpreise wie Einzelkarten, Kartenpakete, Zubehör oder Decks zu gewinnen. Die können auch mal einen Wert von 500 Euro erreichen, so Biel. Mittlerweile kämen an den Wochenenden Stammgäste aus Hamburg, Berlin und Dresden an seine Spieltische, umgeben von riesigen Karten ikonischer Monster an den Wänden.
Profit bringe das Veranstalten von Turnieren kaum. Der Eintrittspreis wandere zu großen Teilen in den Pott für Gewinne. Die Events seien jedoch gute Werbung für das unter der Woche geöffnete Kartengeschäft. Unzählige Ordner mit Einzelkarten hat Biel in seinen Regalen stehen, es gibt Kartenpäckchen, fertige Decks und Zubehör. Den meisten Gewinn mache er mit seinen Onlineshops: Auf Plattformen wie Ebay, Amazon oder der Kartenbörse Cardmarket bietet er 100.000 Einzelkarten an.
Große Pläne
Und damit nicht genug: Für die Zukunft hat er weitere Pläne. „Ich möchte unter der Woche Veranstaltungen anbieten“, er überlege unter anderem, Kindern den Umgang mit Pokèmon-Karten beizubringen. Auch wolle er in der Herzog-Wilhelm-Passage einen Spielbereich mit Konsolen wie Playstation und Supernintendo schaffen – einen Anlaufpunkt für die Jugend. „Ich hoffe ja, dass die Stadt oder der Jugendtreff auf mich aufmerksam werden. Gern würde ich mit ihnen zusammenarbeiten.“ Ein Ort sei bereits in Aussicht: Der Raum neben seinem Kartengeschäft könnte schon bald zum festen Bestandteil des Ladens werden.