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Geschichten vom Campingplatz

GZ Plus IconWas der Papst bei Rock am Beckenrand in Wolfshagen macht

Das morgendliche Bier-Yoga ist ein fester Bestandteil bei Rock am Beckenrand.

Das morgendliche Bier-Yoga ist ein fester Bestandteil bei Rock am Beckenrand. Foto: Schlimme

Bier-Yoga, Trinkspiele oder Aqua-Fitness: Bei Rock am Beckenrand ist auch abseits der Bühnen einiges los. Die GZ hat ihre Zelte auf dem Campingplatz aufgeschlagen und berichtet von dem dreitägigen Festival in Wolfshagen.

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Von Hanna Schlimme
Sonntag, 31.08.2025, 16:00 Uhr

Wolfshagen. Kleine und große Zelte stehen auf der Wiese, unterschiedliche Lieder dröhnen aus allen Himmelsrichtungen, der Geruch von Bratwurst liegt in der Luft, das Zischen von Getränkedosen ist zu hören und auf einem kleinen Hügel ragt eine große schwarze Ente empor und überwacht das Spektakel.

Das Festival-Maskottchen Helga wacht über den Campingplatz.

Das Festival-Maskottchen Helga wacht über den Campingplatz. Foto: Schlimme

Das Festival Rock am Beckenrand lockt jedes Jahr tausende Besucher in das idyllische Wolfshagen und verwandelt das Freibad für drei Tage in ein Konzertgelände. Ein zweiter wichtiger Schauplatz neben dem Freibad ist der Campingplatz am Bauernholzbach, rund 15 Gehminuten vom Wölfibad entfernt. Und auch abseits vom musikalischen Rahmenprogramm hat das Festival einiges zu bieten. Die GZ hat ihre Zelte auf dem Campinggelände aufgeschlagen und die verschiedenen Aktivitäten besucht.

Nach der Anreise am Donnerstag geht für viele der erste Weg in den Rewe-Festivalmarkt. Einige sind ohne Essen und Trinken angereist, andere haben vielleicht nur die Dose Ravioli vergessen. Und dann gibt es noch Festival-Gäste aus Fehmarn, die gleich sechs Pakete Müsli kaufen, weil es im Festivalmarkt einen Euro günstiger sei als bei ihnen auf der Insel.

Eine Predigt vom Bier-Papst

Nach den ersten Konzerten zum warm werden und der ersten Runde Beer-Pong, Rage-Cage oder Flunkyball beginnt der Freitag auf dem Campingplatz mit einer gemeinsamen Runde Bier-Yoga. Sina Opitz ist Yogalehrerin und Physiotherapeutin und ist bereits zum vierten Mal bei Rock am Beckenrand dabei. „Wir machen ganz normale Yogaübungen und integrieren das Bier trinken, das ist festivaltauglicher und die Teilnehmer haben eine geringere Hemmschwelle“, erklärt die gebürtige Langelsheimerin, die für das Festival immer gerne in ihre Heimat zurückkehrt.

Beim Bier-Yoga wird das Biertrinken in normale Yoga-Übungen integriert.

Beim Bier-Yoga wird das Biertrinken in normale Yoga-Übungen integriert. Foto: Schlimme

Auch das Festival-Maskottchen Helga – die bereits erwähnte schwarze Ente – ist beim Bier-Yoga dabei. Rund 30 Teilnehmer sammeln sich, mit Handtüchern und Bier bewaffnet am Treffpunkt. Gegen den leichten Regen beginnt die Session mit einem gemeinsamen Sonnengruß – und danach ein wohl verdienter Belohnungsschluck.

Die "Kleine Eckkneipe" ist ein beliebter Treffpunkt auf dem Campingplatz.

Die "Kleine Eckkneipe" ist ein beliebter Treffpunkt auf dem Campingplatz. Foto: Schlimme

Ein beliebter Treffpunkt auf dem Campingplatz ist die „Kleine Eckkneipe“, aufgebaut unter einem Baum gegenüber des Rewe-Marktes gibt es hier Bier, Sekt und andere
Auffällige Kostüme: Der Papst bringt den Campinggästen das Bier-Evangelium näher.

Auffällige Kostüme: Der Papst bringt den Campinggästen das Bier-Evangelium näher. Foto: Schlimme

Spaßgetränke. Sogar der Papst war am Freitagvormittag hier und hat sich ein kühles Bier gegönnt. Schrille und ausgefallene Kostüme gehören auf dem Campingplatz ebenso dazu wie das Zelt oder der Campingstuhl. Aufblasbare Enten, singende Haie, Plüsch-Einteiler, Bademäntel oder eben ein predigender Bier-Papst, auch bekannt als Alex aus Hannover. Und um das Kostüm perfekt zu machen, hat er eine selbstverfasste Bierbel, die auch sein Bier-Evangelium enthält, dabei. „Ich bin sehr christlich unterwegs und möchte meinen Mitmenschen das Bier näher bringen“, erzählt er. Ein geplanter Bier-Gottesdienst am Samstagmorgen musste wohl um einige Zeit nach hinten verschoben werden, weil der zuständige Papst noch nicht in der entsprechenden Verfassung war.
Bunte und ausgefallene Kostüme gehören auf dem Campingplatz dazu.

Bunte und ausgefallene Kostüme gehören auf dem Campingplatz dazu. Foto: Schlimme

Selbstgemachter Schnaps

Während mit dem Bier-Yoga entspannt der Tag begrüßt werden kann, steht im Freibad schon die erste Action auf dem Programm. Beim Aqua-Fitness sind die Teilnehmer im Wasser und machen die Bewegungen der Entertainerinnen auf der Poolbühne nach. Es wird nach rechts und links gehüpft, im Kreis oder auf der Stelle gelaufen. Genau wie beim Bier-Yoga sind auch hier die Beteiligung und die Begeisterung groß.

Spaß und Action beim Aqua-Fitness vor der Poolbühne.

Spaß und Action beim Aqua-Fitness vor der Poolbühne. Foto: Schlimme

Und nach einer halben Stunde Wasser-Action wartet schließlich auch die aufblasbare Rutsche vom Fünf-Meter-Turm als Belohnung.

Nach der Aqua-Fitness geht es mit Schwung auf die Rutsche vom Fünf-Meter-Turm.

Nach der Aqua-Fitness geht es mit Schwung auf die Rutsche vom Fünf-Meter-Turm. Foto: Schlimme

Vielen wird wohl auch der Weg von der Straße zum Campingplatz in Erinnerung bleiben. Nicht nur das hier alle Utensilien mit Einkaufswägen, Bollerwagen oder auf dem Rücken auf die Wiese geschleppt werden mussten. Am Freitagnachmittag standen plötzlich fünf grausige Hexen am Wegesrand und warteten mit Schnaps und Schmalzbroten. Hierbei handelte es sich nicht um kreative Kostüme von Besuchern – auch wenn dies nicht verwunderlich gewesen wäre – sondern um die Wolfshäger Hexenbrut, „Wir sind schon das dritte Jahr in Folge dabei, wir wollen, dass auch in Laufrichtung noch etwas passiert“, erzählt Oberhexe Antje. Dafür haben die Hexen selbstgemachte Schnäpse mit Zutaten aus den Wolfshäger Wäldern im Gepäck.

Auf dem Weg zum Campingplatz warten schaurige Schnäpse der Wolfshäger Hexenbrut.

Auf dem Weg zum Campingplatz warten schaurige Schnäpse der Wolfshäger Hexenbrut. Foto: Schlimme

Gegen Abend verlagert sich der Mittelpunkt immer mehr auf das Festivalgelände. Es wird geplantscht, gesungen und ausgelassen gefeiert. Und vielleicht ohne es zu wissen sorgt die Band Team Scheiße, mit ihrem Song „Kaffee die Tage“, für eine neue Campingplatzhymne. Den ganzen Samstag lang wird der Refrain: „Lass ma’ Kaffee die Tage“ auf dem Campingplatz gespielt, gesungen oder gemeinsam gegrölt.

Doch mit der letzten Band, die am Freitag gegen 24 Uhr das letzte Lied verklingen lässt, ist die Party noch lange nicht vorbei. Auf dem Campingplatz ist noch bis tief in die Nacht Musik aus einigen Zelten zu hören. Und am Samstagmorgen gegen acht erwacht der Campingplatz bereits wieder zum Leben. Für viele geht der erste Weg direkt in die Haifisch-Bar, die die Camper direkt auf dem Platz mit frischem Kaffee, Brötchen und anderen Snacks versorgt.

25 Meter schwimmen für ein neues Seepferdchen

Am Samstag steht dann ein weiterer ganz besonderer Programmpunkt auf dem Plan: Mit der Aktion „5000 Seepferdchen für Niedersachsen“ von Antenne Niedersachsen haben alle die Möglichkeit, ihr Seepferdchen aufzufrischen. Und der Andrang war riesig – eine halbe Stunde war eingeplant, am Ende läuft die Aktion über zwei Stunden.

Großer Andrang bei der Seepferdchen-Aktion am Samstagvormittag.

Großer Andrang bei der Seepferdchen-Aktion am Samstagvormittag. Foto: Schlimme

„Die Erwachsenen sehen das als Gaudi“, erklärt Florian Meyer vom DLRG schmunzelnd. „Für das bestandene Seepferdchen müssen die Teilnehmer die Baderegeln aufschreiben und anschließend 25 Meter schwimmen und am Ende tauchen und einen Ring aus dem Wasser holen“, erinnert Emma Bösemann vom DRLG. Sie betreut die Gruppen am Beckenrand und gibt den Startschuss für den Sprung ins kühle Nass. Am Ende erhalten die Teilnehmer eine Urkunde und ein besonderes Rock-am-Beckenrand-Seepferdchen, welches viele mit lautem Jubel entgegennehmen.

Jubel für das bestandene Seepferdchen.

Jubel für das bestandene Seepferdchen. Foto: Schlimme

So auch Holger aus dem Ammerland und Andre aus Oldenburg. Sie sind das erste Mal bei Rock am Beckenrand zu Gast und betonen vor allem die „super gute Organisation“ des gesamten Festivals. Und auch ihr Seepferdchen bestehen die beiden Festivalgäste mit Bravour. Auch Chris aus Hildesheim hat es geschafft: „Das schwarze Seepferdchen finde ich richtig klasse“. Danach belohnt er sich direkt mit einem kühlen Bier.

Quiz an der Wohnzimmerbühne

Auch am Samstagnachmittag locken die Bands zahlreiche Besucher ins Freibad. Trotzdem lohnt es sich auch abseits der Bühnen immer die Augen offenzuhalten. Zwischen den Essensständen versteckt sich ein kleiner Wohnwagen – die Wohnzimmerbühne. Plötzlich tauchen zwei Dragqueens an den Mikrofonen auf und sind auf der Suche nach zwei Freiwilligen aus dem Publikum für ein Quiz. „Wir sind Eva und Nina“, stellen sich die beiden vor.

Die Wohnzimmerbühne verwandelt sich kurzzeitig in eine Quizbühne.

Die Wohnzimmerbühne verwandelt sich kurzzeitig in eine Quizbühne. Foto: Schlimme

Auch die beiden Freiwilligen sind schnell gefunden – schließlich erwartet den Sieger ein Gutschein für ein Freibier. „Wer sang den Song Bohemian Rhapsody?“, oder „Wie viele Beine hat ein Hummer?“, gilt es zu beantworten. René und Christopher kämpfen sich durch die Fragen und erhalten am Ende beide einen Getränkegutschein.

Anschließend richtet sich die Aufmerksamkeit wieder auf die Bühnen. Seifenblasen, Wasserspritzer und Wasserbälle fliegen durch die Luft. Die Stimmung ist ausgelassen. Die Festivalbesucher genießen die letzten Bühnenauftritte, bevor am Sonntag um 12 Uhr die Wiese am Bauernholzbach wieder geräumt sein muss.

Pünktlich zum Abreisetag führt die Polizei Goslar Verkehrskontrollen durch. „Von 300 kontrollierten Fahrzeugen konnten wir neun Verstöße, die Hälfte davon unter Alkoholeinfluss und die andere unter dem Einfluss von THC, feststellen“, erklärt der zuständige Polizist Jonas Arkenstedt. Den Fahrern wurden Blutproben entnommen und die Weiterfahrt untersagt. Zehn Fahrer seien zudem knapp unter den zulässigen Werten gewesen, so Arkenstedt. Die Kontrollen sind friedlich verlaufen, sodass der Einsatz gegen 13.30 Uhr beendet werden konnte.

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