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GZ-Serie „Galopp-Legenden“: Teil 3

GZ Plus IconDieses Pony haben Generationen von Bad Harzburger Kindern geliebt

Das Fjord-Pony Holger erhält einen Gedenkstein im Schlosspark, obwohl er weder für Zucht- noch Sporterfolge bekannt ist.

Das Fjord-Pony Holger erhält einen Gedenkstein im Schlosspark, obwohl er weder für Zucht- noch Sporterfolge bekannt ist. Foto: Raksch

Granitsteine im Bündheimer Schlosspark erinnern an besondere Hengste des Gestüts. Teil 3 der GZ-Serie erzählt von einem lokalen Liebling und vom besten Galopper im Land.

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Von Robin Raksch
Dienstag, 03.02.2026, 04:00 Uhr

Bad Harzburg. Im Bündheimer Schlosspark erinnern zwölf Granitsteine mit eingravierten Namen an Hengste des Harzburger Gestüts, die Geschichte schrieben. Diese jüngst erneuerten Denkmäler nennt der Gestütsexperte Egon Knof den „Ring der Legenden“.

In Teil 2 der GZ-Serie „Galopp-Legenden“ sprach er über die Hengste Kisbér, Emilius und Gouverneur: Vertreter einer „goldenen Ära“ des Gestüts, die zu Beginn der 1920er mit dem Ruhestand von Wilhelm von Girsewald endete. Einige Granitsteine im Schlosspark stammen dennoch aus späteren Zeiten: Teil 3 widmet sich unter anderem einem Liebling vieler Generationen von Bündheimern und andererseits dem besten Galopp-Pferd, das Deutschland seinerzeit zu bieten hatte.

Die Rettung des Beschälers Blasius

Pressefotograf Herbert Ahrens zeigt Blasius 1950 in den Stallungen des Gestüts.

Pressefotograf Herbert Ahrens zeigt Blasius 1950 in den Stallungen des Gestüts. Foto: Ahrens-Archiv

Im September 1934 zog das Landgestüt Braunschweig im ehemaligen Vollblutgestüt in Bündheim ein. Landstallmeister Alfons Schulze-Dieckhoff baute schnell wieder einen Bestand von 14 Mutterstuten auf. Es begann eine neue Zeit der Vollblutzucht.

1940 bezog der Deckhengst Blasius als Nachfolger seines früh verstorbenen Vaters Aurelius die Beschälerbox des Gestüts. Auch Blasius ist ein Gedenkstein gewidmet. Er holte zwischen seinem zweiten und fünften Lebensjahr insgesamt sechs Siege, unter anderem in den beiden deutschen Galopp-Wettkämpfen „Union-Rennen“ und „Braunes Band“.

Doch durch den Zweiten Weltkrieg kam erneut das Gestüt und damit auch der Zuchterfolg von Blasius zum erliegen.

Zum Kriegsende ging zwar der gesamte Stutenbestand verloren, doch der damalige Gestütsmeister Heinrich Zechner schaffte es laut Knof, Blasius vor dem Zugriff der Besatzungsmächte zu retten. Nachdem zunächst die Amerikaner und schließlich die Engländer einmarschiert und wieder abgezogen waren, gab das Land Niedersachsen den Wiederaufbau des Gestüts in Auftrag. Und so stand Blasius auch in der Nachkriegszeit noch bis zu seinem Tod 1958 als Vollblutbeschäler im Gestüt.

Ein lokaler Liebling: Holger

Doch nicht jeder Hengst im Ring der Legenden schrieb Geschichte auf der Rennbahn. Das Fjord-Pony Holger tanzt unter all den Legenden des Gestüts besonders aus der Reihe: Er war weder bekannt für große Erfolge im Galopprennen, noch in der Zucht.

Der 1953 geborene Norweger war der Liebling vieler Generationen von Bündheimer Kindern. Denn jährlich am Martinstag führte Holger, geritten vom Gestütsmeister Gerhard Pannier als St. Martin, den Laternenumzug der St.-Andreas-Kirchengemeinde durch den Schlosspark an. Zudem fungierte er am Gestüt als sogenannter Probierhengst. Solche Tiere führt man hinter einer Barriere an eine Stute heran, um anhand ihrer Reaktion festzustellen, ob sie paarungsbereit ist.

Gestütsleiter Gustav Klotz hielt das Fjord-Pony später für würdig genug, um auch ihm nach seinem Tod 1983 einen Stein im Schlosspark zu widmen.

Der beste im Land: Luciano

Wilhelm Uppenborn übernimmt 1962 die Leitung des Gestüts Harzburg und ist zudem von 1967 bis 1974 Präsident des Harzburger Rennvereins.

Wilhelm Uppenborn übernimmt 1962 die Leitung des Gestüts Harzburg und ist zudem von 1967 bis 1974 Präsident des Harzburger Rennvereins. Foto: Ahrens-Archiv

Besondere Begeisterung zeigt Knof indes in seinen Ausführungen zum Champion-Hengst Luciano, der nur ein einziges Mal gegen ein in Deutschland trainiertes Pferd verlor. Der Gestütsleiter Dr. Dr. Wilhelm Uppenborn brachte mit seinem Amtsantritt 1962 nach turbulenten Jahrzehnten frischen Wind und Aufschwung ins Gestüt: „Das beste Pferd ist für Harzburg gerade gut genug“, dieser Satz soll dort zur Zeit der Umstrukturierung gefallen sein. Und das Beste, das Deutschland seinerzeit zu bieten hatte, hieß Luciano. Ein dunkelbrauner Hengst mit legendärem Stammbaum.

Jahrzehntelang ziert Luciano das Logo des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen.

Jahrzehntelang ziert Luciano das Logo des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen. Foto: Privat

Aufgrund einer Verletzung begann seine Rennkarriere zwar erst mit drei Jahren. Doch mit der damals noch blutjungen englischen Jockey-Legende Lester Piggott gewann der Hengst schließlich 1967 deutlich überlegen das Deutsche Derby und wurde zum Liebling der Massen. 1967 und 1968 war er Galopper des Jahres. Jahrzehntelang zierte er danach sogar das offizielle Logo des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen. Doch aufgrund einer Vergiftung – vermutlich verschlepptes Rattengift – endete 1969 seine Karriere auf der Rennbahn.

Nach einem engen Bieter-Wettkampf brachte der Gestütsleiter Uppenborn Luciano schließlich für fast 1 Million D-Mark mit nach Bündheim. In der Zucht blieben seine Erfolge allerdings hinter denen im Galopprennen zurück. Vor allem mit seinen weiblichen Nachkommen nahm er aber dennoch großen Einfluss auf die deutsche Vollblutzucht. Tatsächlich war er laut Knof als Deckhengst dermaßen beliebt, dass der Harzburger Reiterverein eines Tages aus dem Gestüt ausziehen musste, weil mehr Platz für angereiste Stuten gebraucht wurde.

Unter anderem brachte er die Tochter Las Vegas hervor, Preis-der-Diana-Siegerin und Galopper des Jahres 1984. Seine Tochter Ordinale hingegen brachte später die beiden deutschen Derbysieger Orofino (1981) und Ordos (1983) hervor. Zudem war er Großvater des Hengstes Bündheimer, dem im Schlosspark zwar kein Gedenkstein gewidmet ist. Laut Knof hätte er allerdings durchaus einen verdient. Aber dazu mehr in einem späteren Teil der GZ-Serie.

1981 wurde Luciano letztlich eine Unart zum Verhängnis. Mehrfach trat er mit der Hinterhand gegen seine Boxenwand. Dabei zog er sich einen Trümmerbruch zu und musste eingeschläfert werden. Kein Wunder, dass ein Hengst mit dieser Vita ebenfalls einen Ehrenplatz im Schlosspark erhielt.
Das Fjord-Pony Holger erhält einen Gedenkstein im Schlosspark, obwohl er weder für Zucht- noch Sporterfolge bekannt ist.

Luciano kommt nach einer engen Bieterschlacht für 1 Million D-Mark nach Bündheim. Foto: Privat

Der nächste Teil der GZ-Serie widmet sich der jüngeren Geschichte des Vollblutgestüts und damit einigen der letzten Hengste, die in Bündheim zur Zucht eingesetzt wurden. Mit Adlerflug stand dort zum Ende ein Pferd, das Knof als den besten Deckhengst bezeichnet, der je am Bündheimer Schlosspark wirkte (Bericht folgt).

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