Harzburger Fifa-Schiedsrichterin lüftet einige Fußballgeheimnisse
Im vollbesetzten Mehrgenerationenhaus spricht Dr. Riem Hussein (vorn) über das Leben als Fifa-Schiedsrichterin. Foto: Schlegel
Mehr als 20 Jahre stand Dr. Riem Hussein als Schiedsrichterin auf den Fußballplätzen der Welt. Im Mehrgenerationenhaus lüftete sie einige Geheimnisse.
Bad Harzburg. „Sind Sie die Schiedsrichterin?“ Das sei die Frage, die ihr in ihrem „richtigen“ Leben als Apothekerin wohl am häufigsten gestellt wird. Ja, Dr. Riem Hussein, die mit ihrer Familie in Bad Harzburg die Apotheke im Kurzentrum betreibt, ist „die Schiedsrichterin“. Noch. Denn in dieser Saison beendet sie ihre internationale Karriere. Von der erzählte sie zuvor noch einmal einer mächtig großen Besucherschar auf Einladung des Mehrgenerationenhauses.
Es sei eigentlich ihr erster Vortrag in Bad Harzburg, stellte Hussein fest. Und das Interesse war riesig. Der Saal im Haus der Kirche musste erst umgebaut werden, um allen Besuchern Platz zu bieten. Stühle wurden gerückt, Trennwände herausgeschoben. Und, wie Gastgeberin Kerstin Eilers-Kamarys erfreut feststellte, kamen mehr Männer als Frauen. Daran sei man im Mehrgenerationenhaus gar nicht gewohnt. Und wahrscheinlich waren auch Besucher dabei, die zuvor noch nie einen Fuß ins Mehrgenerationenhaus gesetzt hatten. Wie dem auch sei: Alle wollten erleben, wenn „die Schiedsrichterin spricht“.
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Mittendrin im Spiel
Plötzlich waren alle mitten im Spiel, erlebten Fußball aus einem völlig anderen Blickwinkel. Wie man da auf dem Platz jede Situation sofort erkennen und Entscheidungen treffen kann? Bei Handball oder Basketball könnte sie das auch nicht, sagte Hussein. Fußball sei etwas anderes. Nicht zuletzt, weil sie selbst jahrelang gespielt habe, bis hinauf in die Bundesliga.

20 Jahre lang steht Dr. Riem Hussein als Schiedsrichterin auf den Fußballplätzen dieser Welt. Nun beendet sie ihre Fifa-Karriere. Foto: picture alliance/dpa
Der Umgang mit Fehlern
Am Ende ist es aber immer der Schiedsrichter beziehungsweise in diesem Fall die Schiedsrichterin, die die Entscheidung trifft. Wie sie mit Fehlern umgeht? „Krasse Fehler tun mir sehr, sehr weh“, sagte sie. Wichtig sei aber, sich beim nächsten Treffen mit den Betroffenen zu entschuldigen. „Damit ist das dann für mich auch abgeschlossen.“ Viele Fehlentscheidungen dürfte sich Riem Hussein allerdings nicht erlaubt haben. Denn die Schiedsrichter werden nach jedem Spiel von offizieller Seite bewertet. Schlechte Noten wirken sich direkt darauf aus, bei welchen Spielen die Unparteiischen eingesetzt werden. Riem Hussein hat im Frauenfußball bereits Champions-League-Finale gepfiffen. So schlecht kann ihr Score also nicht sein.
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Und was kommt jetzt?
Nun neigt sich eine große Schiedsrichterinnenkarriere dem Ende entgegen. Im Sommer pfeift Riem Hussein ihr letztes Spiel auf Fifa-Ebene. Natürlich mache sie das auch traurig, sagte sie. Gleichzeitig dürfte ihr Leben aber auch entspannter werden. Die Schiedsrichterei mit dem Beruf zu vereinbaren, sei kompliziert. Umso wichtiger sei die Unterstützung ihrer Familie, mit der sie gemeinsam die Apotheke betreibt. Denn die Einsätze kommen kurzfristig, am Mittwoch etwa zwei für die Osterfeiertage. Und mit Mitte 40 habe man auch immer häufiger das Problem, dass irgendwo etwas wehtut. Bei neun bis zehn Kilometern, die sie pro Spiel läuft, kein Wunder.
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Was bleibt nach mehr als 20 Jahren? „Das Wichtigste im Leben ist, Entscheidungen zu treffen.“ Sie sei da schmerzbefreit: „Ich entscheide. Und wenn die Entscheidung falsch ist, dann ist das so. Auch wenn man sich ärgert.“
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