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Rheinmetall investiert im Harz

GZ Plus IconRüstungskonzern baut Werk in Silberhütte für 40 Millionen Euro aus

Vier Männer bei einer Werksbesichtigung.

Rheinmetall-Vorstandsvorsitzender Armin Papperger (2.v.l.) besichtigt mit Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze (2.v.r.) und Werksleiter Peter Beil das Rheinmetall-Werk Silberhütte bei Harzgerode. Foto: Stade

Der Rüstungskonzern Rheinmetall will sein Pyrotechnik-Werk Silberhütte für bis zu 40 Millionen Euro ausbauen. Die Arbeiten sollen in den kommenden zwei Monaten beginnen.

Von Oliver Stade Freitag, 23.01.2026, 18:00 Uhr

Harzgerode. Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze (CDU), der kommende Woche im Magdeburger Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt werden soll, um mit dem Amtsbonus gestärkt in den wichtigen Landtagswahlkampf ziehen zu können, freut sich über gute Nachrichten. Der Rüstungskonzern Rheinmetall will seinen traditionsreichen Pyrotechnik-Standort Silberhütte in Harzgerode ausbauen.

Das börsennotierte Düsseldorfer Unternehmen, ein wichtiger Handelspartner der Bundeswehr, will dafür 30 bis 40 Millionen Euro investieren. Die Mitarbeiterzahl in Silberhütte soll von rund 300 auf 400 oder sogar auf 450 erhöht werden. Die Ausbauarbeiten sollen in den kommenden zwei Monaten beginnen.

Weitere Werke geplant

Das kündigte Rheinmetall-Vorstandschef Armin Pappberger am Freitag bei einem Unternehmensbesuch von Schulze und einem anschließenden Pressetermin an. Begleitet wurde Schulze dabei von Landrat Thomas Balcerowski und Harzgerodes Bürgermeister Marcus Weise. Der 62 Jahre alte Pappberger, der seit 1990 bei Rheinmetall arbeitet und seit 2013 Vorstandschef ist, berichtete außerdem, dass der Konzern drei oder sogar vier größere Werke in Deutschland bauen wolle. In den vergangenen vier Jahren habe das Unternehmen bereits zehn Milliarden Euro investiert.

Rheinmetall produziert in Silberhütte keine scharfe Munition, hergestellt werden vor allem Nebelhandgranaten, Mithras-Signal- und Leuchtraketen sowie Irritationsmunition und Treibladungsanzünder für Panzermunition. Das Unternehmen wird stark gesichert. Pappberger berichtete von Spionageangriffen, die es immer wieder gebe, und von Drohnen, die über das Werk fliegen würden.

Zu den bedeutendsten aktuellen Aufträgen gehört nach Unternehmensangaben ein Großauftrag für die Bundeswehr. Er umfasst 950.000 Nebelhandgranaten und hat ein Volumen von 64 Millionen Euro mit Option, den Umfang auf 1,5 Millionen Stück und einen Wert von 100 Millionen aufzustocken. Das britische Verteidigungsministerium hat zudem einen Rahmenvertrag mit Rheinmetall geschlossen, er sieht vor, dass für 46 Millionen Euro in Silberhütte Mithras-Leucht- und Signalraketen produziert werden.

Silberhütte ist der größte pyrotechnische Standort von Rheinmetall. Das Werk gehört außerdem zu den ältesten Produktionsstätten des Konzerns, der in Sachsen-Anhalt drei Unternehmen betreibt. Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1790. Seinerzeit entstand eine Pulvermühle, die für Harzer Bergwerke Schwarzpulver lieferte. 103 Jahre später begann in Silberhütte die Kunstfeuerwerksproduktion. Nach weiteren 103 Jahren begann das Werk damit, Zündvorrichtungen für Airbags herzustellen. Seit 2004 gehört das Unternehmen zur Rheinmetall Waffe Munition GmbH.

Produktion verdreifachen

Ob es für den aktuell geplanten Ausbau in Silberhütte Fördergeld gibt, ist nicht bekannt. Wirtschaftsminister Schulze sagte, darüber sei nicht gesprochen worden. Pappberger berichtete, er habe am Freitag die Zusage vom Land Sachsen-Anhalt bekommen, weitere Grundstücke erwerben zu können.

Pappberger sprach davon, „die Pyrotechnik zu ergänzen“. Um welche Produkte es dabei geht, erklärte er nicht. Der Konzernchef berichtete, dass „Produktportfolio“ solle erweitert werden, außerdem solle mehr produziert werden. Die Kapazitäten im Werk Silberhütte sollen „mindestens verdoppelt, wenn nicht sogar verdreifacht“ werden. Dies sei auch deswegen erforderlich, weil der Bedarf der Bundeswehr steige. In diesem Zusammenhang zitierte Pappberger Verteidigungsminister Boris Pistorius, der gesagt habe, „ihr müsst Gas geben“.

Schulze sprach von „sehr spannenden Produkten“ und würdigte den Standort, der wichtig für die Bundeswehr sei. Der Minister betonte zudem, der Landesregierung sei es wichtig, dass der Osten Deutschlands und Sachsen-Anhalt bei Investitionen berückrichtigt werden. Dies sagte er auch mit Blick auf das 500 Milliarden Euro schwere Infrastrukturprogramm des Bundes. Dafür müsse das Land Rahmenbedingungen schaffen. Schulze sprach von einem „guten Tag für Sachsen-Anhalt und nicht nur für den Harzkreis“.

Landrat Thomas Balcerowski würdigte die „klare Investitionsentscheidung“. Dies sei vor allem auch mit Blick auf die kriselnde Automobilzulieferindustrie wichtig. In Harzgerode befindet sich ein Werk des Zulieferers Bohei Trimet, das Unternehmen, das rund 580 Mitarbeiter beschäftigt, hatte im Sommer vorigen Jahres Insolvenz angemeldet.

Amtsübergabe in Sachsen-Anhalt

Ursprünglich hätte an dem vor rund zwei Monaten vereinbarten Termin am Freitag in Silberhütte auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) dabei sein sollen. Seine Teilnahme wurde vorige Woche abgesagt. Der 71-jährige Haseloff regiert Sachsen-Anhalt seit 15 Jahren. Am Dienstag plant er seinen Rücktritt, damit der aus Quedlinburg stammende Sven Schulze (46), der an der TU Clausthal studiert hat, einen Tag später im Landtag zu seinem Nachfolger gewählt werden kann. Schulze soll als Regierungschef in den Wahlkampf für die Landtagswahl am 6. September ziehen können. Derzeit führt die AfD die Umfragen deutlich an.

Blick auf ein Betriebsgelände.

Blick auf das Werksgelände des Rheinmetall-Standort in Silberhütte. Foto: dpa

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