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Zurück aus der Sommerpause

GZ Plus IconSie sind die Helden des Reparaturcafés in Clausthal-Zellerfeld

Gemeinsam versuchen Torsten Schriefer, Dieter Möller und Rolf Risse das Problem zu finden, warum die Klappe des CD-Players nur stotternd öffnet. (v.l.)

Gemeinsam versuchen Torsten Schriefer, Dieter Möller und Rolf Risse das Problem zu finden, warum die Klappe des CD-Players nur stotternd öffnet. (v.l.) Foto: Büsching

Vom kaputten CD-Player bis zum alten Rasenmäher – die Helden des Reparaturcafés in Clausthal-Zellerfeld schrauben und tüfteln, was das Zeug hält. Jedes reparierte Gerät zaubert ein strahlendes Lächeln auf die Gesichter der wartenden Besucher.

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Von Moritz Büsching
Samstag, 16.08.2025, 18:00 Uhr

Clausthal-Zellerfeld. Die Sonne brennt durch die Fenster des Gemeindehauses der Schulstraße in Clausthal-Zellerfeld. Dort ist wieder Reparaturcafé. An einem Tisch sitzt Dieter Möller, gebeugt über einen geöffneten CD-Player, der die besten Jahre scheinbar bereits hinter sich hat. Ein kleiner Schraubendreher liegt in Möllers Hand, der Blick konzentriert auf das Elektrogerät. „Heute ist es bisher echt knifflig“, murmelt Rolf Risse wenige Meter daneben.

Einige Minuten später ruft Torsten Schriefer von der Seite: „Ich hab's!“ Ein winziges Zahnrad hat ein Zähnchen verloren – deshalb öffnet sich die Klappe nur stockend. Risse grinst, lehnt sich zurück und fragt scherzhaft: „Wer benutzt denn überhaupt heutzutage noch CDs?“

Ein paar Meter weiter sitzt Lothar Necas-Niessner, Hobby-Tüftler mit ruhiger Hand. Er beugt sich über sein Smartphone und sucht Ersatzteile für einen in die Jahre gekommenen Rasenmäher. Ein kleiner Junge hatte ihn mitgebracht – doch im Netz ist nichts zu finden. „Das gibt's eben auch“, sagt Necas-Niessner achselzuckend. „Manche Geräte kriegen wir einfach nicht mehr hin, weil uns entweder das Werkzeug fehlt oder es keine Ersatzteile gibt. Aber wir versuchen es immer.“

Zurück aus der Sommerpause

Das Reparaturcafé meldet sich zurück aus der Sommerpause und so auch die Männer, die jeden zweiten Donnerstag im Monat defekten Dingen eine zweite Chance geben. Ihr Antrieb: Freude am Tüfteln und das Strahlen der Menschen, wenn alles wieder funktioniert. „Viele ältere Leute sind so glücklich, wenn sie ihre kaputten Geräte repariert zurückbekommen“, erzählt Necas-Niessner. „Es macht heute noch genauso Spaß wie am Anfang.“
Dieser Rasenmäher hat seine besten Zeiten hinter sich. Da können auch die Männer vom Reparaturcafé nichts mehr machen.

Dieser Rasenmäher hat seine besten Zeiten hinter sich. Da können auch die Männer vom Reparaturcafé nichts mehr machen. Foto: Büsching

Was bei den Herren auf den Tischen landet, geht von A wie alter Rasenmäher bis Z wie zwanzig Jahre alter CD-Player. Dazu kommen Kaffeemaschinen, Nähmaschinen, Bügeleisen und alles, was der Haushalt sonst noch an Elektrogeräten zu bieten hat. Zur Weihnachtszeit bringen Besucher Schwibbögen, die plötzlich dunkel bleiben, oder Pyramiden, deren Flügel nicht mehr drehen. Manchmal wird es kurios – wie an dem Tag, als ein Party-Weinschrank oder sogar ein Kühlschrank durch die Tür geschoben wurde. „Es waren so unfassbar viele Geräte in den letzten Jahren“, sagt Risse. „Da kann man sich gar nicht auf das Spektakulärste festlegen.“

„Manche Leute wollen uns ausnutzen“

„Manche Leute wollen uns auch ausnutzen“, weil sie wissen, es würde im Elektromarkt deutlich teurer werden, sagt Necas-Niessner offen. „Aber das merken wir – und das ist auch die Ausnahme.“
Erst beim genaueren Hinschauen fällt den Reparateuren auf, dass ein Zähnchen eines Zahnrads abgebrochen ist.

Erst beim genaueren Hinschauen fällt den Reparateuren auf, dass ein Zähnchen eines Zahnrads abgebrochen ist. Foto: Büsching

Die Arbeit der Tüftler ist ehrenamtlich. Die Reparaturen sind kostenlos, nur Ersatzteile müssen bezahlt werden. Während die Männer schrauben, trinken die Besucher Kaffee oder Tee, essen Kuchen und spielen Gesellschaftsspiele, die auf einem Nebentisch bereitliegen. Normalerweise sind die Hobby-Tüftler zu sechst, doch zwei von ihnen konnten es diesmal nicht einrichten.
Kaffee, Kuchen und Gesellschaftsspiele verkürzen den Kunden die Wartezeit.

Kaffee, Kuchen und Gesellschaftsspiele verkürzen den Kunden die Wartezeit. Foto: Büsching

„Reparaturcafé heißt Probleme zu lösen“

Organisiert wird das Reparaturcafé von Benedicte Henzelmann im Auftrag der Kirchengemeinde von Clausthal-Zellerfeld. Die Idee hatte einst Kerstin Lüttgering, ehemaliges Mitglied des Kirchenvorstandes, die das Konzept in Göttingen gesehen hatte und davon begeistert war. „Reparaturcafé heißt, die Probleme gemeinsam zu lösen“, betont Rolf Risse. „Das ist heute genauso wichtig wie damals, als wir angefangen haben.“

Nächstes Café am 11. September

Diesmal sorgt die Sommerhitze dafür, dass schon etwas früher Schluss ist. Die Männer legen die Schraubenzieher beiseite und der Werkzeugkasten wird geschlossen. Es ist der Moment, an dem das Reparieren in geselliges Erzählen und eine wohlverdiente Tasse Kaffee übergeht. Geschichten werden ausgetauscht – Torsten Schriefer hat ein Fotobuch aus seinem Urlaub auf den Galapagosinseln mitgebracht und erzählt von seinen dortigen Erlebnissen. In einem Monat werden sie wieder im Gemeindehaus sitzen, wenn am 11. September das Reparaturcafé erneut seine Türen öffnet. Bereit für das nächste knifflige Problem und für den nächsten Menschen, der dankbar mit einem hoffentlich dann wieder funktionierendem Gerät nach Hause geht.

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