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Harzburger schmieden neue Pläne

GZ Plus IconWie organisiert sich eine Kirchengemeinde, wenn Personal fehlt?

Wie werden in der Zukunft in der Lutherkirche Gottesdienste gefeiert? 

Wie werden in der Zukunft in der Lutherkirche Gottesdienste gefeiert? Foto: Schlegel

Wenn Jens Höfel Doppel-Propst in Harzburg und Goslar wird, ist in der Luthergemeinde seine Pfarrstelle unbesetzt. Wer macht dann Gottesdienste, Trauerfeiern und Taufen?

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Von Holger Schlegel
Samstag, 24.01.2026, 12:00 Uhr
Weniger Pfarrerinnen und Pfarrer, mehr Aufgaben, größere Gemeinden: Das ist Alltag in der evangelischen Kirche mit spürbaren Folgen auch für die Gemeindemitglieder. Nun trifft es auch die Luthergemeinde, die größte Kirchengemeinde im Bad Harzburger Pfarrverband. Dadurch, dass Propst Jens Höfel nun auch Propst in Goslar wird, fällt seine halbe Pfarrstelle in der Luthergemeinde weg.

Übrig bleibt Pfarrerin Petra Rau. Die Stelle soll wieder ausgeschrieben werden, die Frage ist, wann und wie sie besetzt wird. Und das wirft bei vielen Gemeindemitgliedern ganz praktische Fragen auf: Wer ist künftig ansprechbar? Was passiert mit Gottesdiensten, Kasualien und Gruppenangeboten? Und wie organisiert sich Gemeindeleben, wenn Personal fehlt? Die GZ erklärt, wie die Gemeinde damit umgeht und was sich für die Menschen vor Ort tatsächlich ändert.

Die nackten Fakten

Als Petra Rau vor 17 Jahren als Pfarrerin in die Luthergemeinde kam, gab es dort noch drei besetzte Pfarrstellen für damals knapp 6000 Gemeindemitglieder. Heute hat die Gemeinde noch rund 3200 Schäfchen und anderthalb reguläre Pfarrstellen. Eine halbe davon hatte Jens Höfel, er war zur Hälfte Propst, zur Hälfte Gemeindepfarrer. Nun übernimmt er zum 1. Februar die (ebenfalls halbe) Propststelle in Goslar. Übrigens aus eigenem Entschluss.

Was bleibt

Was heißt das nun konkret für das Gemeindeleben? Pfarrerin Petra Rau und Manuela Funhoff, Vorsitzende des Kirchenvorstands, können beruhigen: Die sonntäglichen Gottesdienste wird es auch weiterhin geben, genau wie die sogenannten Kasualien, also Taufen, Trauungen und Beerdigungen. Für Petra Rau, die auch geschäftsführende Pfarrerin war (und nun, wo sie allein ist, auch bleibt), bedeutet das natürlich mehr Arbeit. Aber sie bekommt Unterstützung.
Kirchenvorstandsvorsitzende Manuela Funhoff (l.) und Pfarrerin Petra Rau planen die kommenden Monate unter dem Aspekt, dass die Luthergemeinde nun eine halbe Pfarrstelle fehlt. 

Kirchenvorstandsvorsitzende Manuela Funhoff (l.) und Pfarrerin Petra Rau planen die kommenden Monate unter dem Aspekt, dass die Luthergemeinde nun eine halbe Pfarrstelle fehlt. Foto: Schlegel

Einen Gottesdienst im Monat wird Jens Höfel übernehmen, darüber hinaus gibt es auch Lektoren und Lektorinnen sowie Pfarrpersonal, das keine Pfarrstelle innehat, aber Gottesdienste leiten kann. Die Beerdigungen aus dem Zuständigkeitsbereich von Jens Höfel übernimmt Bündheims Pfarrer Dirk Westphal. Jens Höfel wird darüber hinaus auch künftig das Konfirmandenferienseminar betreuen und im Vorstand der Stiftung Wichernhaus bleiben. Und das allgemeine Gemeindeleben wird weiterhin durch die vielfältigen Aktivitäten der Diakonie und deren Mehrgenerationenhaus gestaltet. Das und auch alle anderen Angebote im Haus der Kirche richten sich nicht nur an Gemeindemitglieder und werden sowohl von der Diakonie als auch von vielen Ehrenamtlichen getragen. „Das Gemeindeleben ist nicht pfarrerzentriert“, sagt Petra Rau.

Was ändert sich

Trotzdem wird die neue Personalsituation nicht folgenlos für Gemeinde und Gemeindemitglieder bleiben. Das eine oder andere wird wegfallen, sagt Manuela Funhoff und nennt den Tag des offenen Denkmals als Beispiel. Auch den Neujahrsempfang für die Ehrenamtlichen im Haus der Kirche hat die Gemeinde nicht mehr im Programm. Für Taufen werden feste Termine vorgegeben und können nicht mehr individuell abgesprochen werden. Die Gemeindemitglieder müssen sich mehr als bisher daran gewöhnen, dass auch einmal eine andere Pfarrperson sich ihrer annimmt, wenngleich Petra Rau und ihr Team natürlich erste Ansprechpartner sind.

Neue Organisationsstruktur

Und wer macht jetzt was? Petra Rau ist und bleibt die Pfarrerin der Gemeinde und kümmert sich um genau diese seelsorgerischen Aufgaben. Darüber hinaus wird verstärkt mit den Nachbargemeinden im Pfarrverband zusammengearbeitet, wenngleich es da auch nicht unbedingt rosig aussieht. Die Pfarrstelle in Harlingerode ist seit langem unbesetzt, in Bündheim wird sich Pfarrer Dirk Westphal auch alsbald in den Ruhestand verabschieden. Irgendwann bleiben nur Petra Rau und Martin Fiedler übrig. Der Kirchenvorstand und die vielen übrigen Ehrenamtlichen werden sie unterstützen, aber in erster Linie auch die vielen anderen Aufgaben mehr als bisher übernehmen. Sei es durch Lektoren in den Gottesdiensten, sei es bei Festen oder Veranstaltungen. Auch da ist natürlich das Mehrgenerationenhaus eine feste Säule im Gemeindeleben. Der Kirchenvorstand hat bereits Zukunftspläne in einem ganztägigen Workshop erarbeitet.

Wie sieht die Zukunft aus?

Über kurz oder lang wird bei „Kirchens“ sowieso alles neu gemischt. Für 2030 steht eine Strukturreform ins Haus, die Landeskirche wird dann größere Einheiten schaffen, sowohl bei den Propsteien als auch bei den Gemeinden. Die Zahl der Gemeindemitglieder wird ebenfalls nicht explodieren. Ein Beispiel: Die Luthergemeinde hat aktuell 3200 Mitglieder, als Petra Rau dort vor 17 Jahren anfing, waren es doppelt so viele. Insgesamt sind aktuell im Pfarrverband Bad Harzburg rund 7000 Christinnen und Christen. Tendenz abnehmend.

Die Luthergemeinde will die halbe freie Stelle aber natürlich behalten. Allerdings macht man sich in der Lutherstraße keine Illusionen.Einen Pfarrer oder eine Pfarrerin wird man für die halbe Stelle schwerlich bekommen. Die Frage ist allerdings: Braucht es überhaupt einen Theologen oder eine Theologin? Wäre es vielleicht sinnvoller, jemanden zu finden, der andere wichtige Aufgaben in der Gemeinde übernimmt und damit die Pfarrerin unterstützt? Verwaltungstätigkeiten? Technische Fragen? Die Besetzung soll auch in Absprache mit dem übrigen Pfarrverband erfolgen, in erster Linie mit Blick auf das, was ab 2030 auf die Gemeinden zukommt.

AUF EINEN BLICK

So organisiert sich die Luthergemeinde neu:

Pfarrstellen: Statt bisher anderthalb Pfarrstellen ist ab 1. Februar nur noch eine Pfarrstelle besetzt. Die halbe Stelle von Propst Jens Höfel ist vakant und soll neu ausgeschrieben werden.

Ansprechpartner: Zentrale Ansprechpartnerin bleibt Pfarrerin Petra Rau. Unterstützt wird sie durch den Kirchenvorstand, Ehrenamtliche sowie Pfarrpersonen aus dem Pfarrverband.

Gottesdienste: Die sonntäglichen 10-Uhr-Gottesdienste finden weiterhin regelmäßig statt. Ein Gottesdienst pro Monat wird von Jens Höfel übernommen. Zusätzlich wirken Lektoren und Lektorinnen und andere Geistliche mit.

Kasualien: Taufen, Trauungen und Beerdigungen bleiben gesichert. Für Taufen gelten künftig feste Termine.

Beerdigungen: Beerdigungen aus dem bisherigen Zuständigkeitsbereich von Jens Höfel übernimmt Pfarrer Dirk Westphal aus Bündheim.

Gemeindeleben: Viele Angebote laufen weiter, getragen vor allem durch die Diakonie und das Mehrgenerationenhaus im Haus der Kirche. Das Gemeindeleben ist nicht ausschließlich pfarrerzentriert.

Einschnitte: Einzelne Veranstaltungen entfallen, darunter der Tag des offenen Denkmals und der Neujahrsempfang für Ehrenamtliche.

Zukunft: Die Luthergemeinde will die halbe Pfarrstelle erhalten, rechnet aber nicht mit einer schnellen Nachbesetzung. Diskutiert wird auch, ob künftig andere Profile als eine klassische Pfarrstelle sinnvoll sein könnten – mit Blick auf die Strukturreform der Landeskirche ab 2030.

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