Wie organisiert sich eine Kirchengemeinde, wenn Personal fehlt?
Wie werden in der Zukunft in der Lutherkirche Gottesdienste gefeiert? Foto: Schlegel
Wenn Jens Höfel Doppel-Propst in Harzburg und Goslar wird, ist in der Luthergemeinde seine Pfarrstelle unbesetzt. Wer macht dann Gottesdienste, Trauerfeiern und Taufen?
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Übrig bleibt Pfarrerin Petra Rau. Die Stelle soll wieder ausgeschrieben werden, die Frage ist, wann und wie sie besetzt wird. Und das wirft bei vielen Gemeindemitgliedern ganz praktische Fragen auf: Wer ist künftig ansprechbar? Was passiert mit Gottesdiensten, Kasualien und Gruppenangeboten? Und wie organisiert sich Gemeindeleben, wenn Personal fehlt? Die GZ erklärt, wie die Gemeinde damit umgeht und was sich für die Menschen vor Ort tatsächlich ändert.
Die nackten Fakten
Als Petra Rau vor 17 Jahren als Pfarrerin in die Luthergemeinde kam, gab es dort noch drei besetzte Pfarrstellen für damals knapp 6000 Gemeindemitglieder. Heute hat die Gemeinde noch rund 3200 Schäfchen und anderthalb reguläre Pfarrstellen. Eine halbe davon hatte Jens Höfel, er war zur Hälfte Propst, zur Hälfte Gemeindepfarrer. Nun übernimmt er zum 1. Februar die (ebenfalls halbe) Propststelle in Goslar. Übrigens aus eigenem Entschluss.
Was bleibt
Was heißt das nun konkret für das Gemeindeleben? Pfarrerin Petra Rau und Manuela Funhoff, Vorsitzende des Kirchenvorstands, können beruhigen: Die sonntäglichen Gottesdienste wird es auch weiterhin geben, genau wie die sogenannten Kasualien, also Taufen, Trauungen und Beerdigungen. Für Petra Rau, die auch geschäftsführende Pfarrerin war (und nun, wo sie allein ist, auch bleibt), bedeutet das natürlich mehr Arbeit. Aber sie bekommt Unterstützung.
Kirchenvorstandsvorsitzende Manuela Funhoff (l.) und Pfarrerin Petra Rau planen die kommenden Monate unter dem Aspekt, dass die Luthergemeinde nun eine halbe Pfarrstelle fehlt. Foto: Schlegel
Was ändert sich
Trotzdem wird die neue Personalsituation nicht folgenlos für Gemeinde und Gemeindemitglieder bleiben. Das eine oder andere wird wegfallen, sagt Manuela Funhoff und nennt den Tag des offenen Denkmals als Beispiel. Auch den Neujahrsempfang für die Ehrenamtlichen im Haus der Kirche hat die Gemeinde nicht mehr im Programm. Für Taufen werden feste Termine vorgegeben und können nicht mehr individuell abgesprochen werden. Die Gemeindemitglieder müssen sich mehr als bisher daran gewöhnen, dass auch einmal eine andere Pfarrperson sich ihrer annimmt, wenngleich Petra Rau und ihr Team natürlich erste Ansprechpartner sind.
Neue Organisationsstruktur
Und wer macht jetzt was? Petra Rau ist und bleibt die Pfarrerin der Gemeinde und kümmert sich um genau diese seelsorgerischen Aufgaben. Darüber hinaus wird verstärkt mit den Nachbargemeinden im Pfarrverband zusammengearbeitet, wenngleich es da auch nicht unbedingt rosig aussieht.Empfang im Haus der Kirche
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Wie sieht die Zukunft aus?
Über kurz oder lang wird bei „Kirchens“ sowieso alles neu gemischt. Für 2030 steht eine Strukturreform ins Haus, die Landeskirche wird dann größere Einheiten schaffen, sowohl bei den Propsteien als auch bei den Gemeinden. Die Zahl der Gemeindemitglieder wird ebenfalls nicht explodieren. Ein Beispiel: Die Luthergemeinde hat aktuell 3200 Mitglieder, als Petra Rau dort vor 17 Jahren anfing, waren es doppelt so viele. Insgesamt sind aktuell im Pfarrverband Bad Harzburg rund 7000 Christinnen und Christen. Tendenz abnehmend.
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AUF EINEN BLICK
So organisiert sich die Luthergemeinde neu:
Pfarrstellen: Statt bisher anderthalb Pfarrstellen ist ab 1. Februar nur noch eine Pfarrstelle besetzt. Die halbe Stelle von Propst Jens Höfel ist vakant und soll neu ausgeschrieben werden.
Ansprechpartner: Zentrale Ansprechpartnerin bleibt Pfarrerin Petra Rau. Unterstützt wird sie durch den Kirchenvorstand, Ehrenamtliche sowie Pfarrpersonen aus dem Pfarrverband.
Gottesdienste: Die sonntäglichen 10-Uhr-Gottesdienste finden weiterhin regelmäßig statt. Ein Gottesdienst pro Monat wird von Jens Höfel übernommen. Zusätzlich wirken Lektoren und Lektorinnen und andere Geistliche mit.
Kasualien: Taufen, Trauungen und Beerdigungen bleiben gesichert. Für Taufen gelten künftig feste Termine.
Beerdigungen: Beerdigungen aus dem bisherigen Zuständigkeitsbereich von Jens Höfel übernimmt Pfarrer Dirk Westphal aus Bündheim.
Gemeindeleben: Viele Angebote laufen weiter, getragen vor allem durch die Diakonie und das Mehrgenerationenhaus im Haus der Kirche. Das Gemeindeleben ist nicht ausschließlich pfarrerzentriert.
Einschnitte: Einzelne Veranstaltungen entfallen, darunter der Tag des offenen Denkmals und der Neujahrsempfang für Ehrenamtliche.
Zukunft: Die Luthergemeinde will die halbe Pfarrstelle erhalten, rechnet aber nicht mit einer schnellen Nachbesetzung. Diskutiert wird auch, ob künftig andere Profile als eine klassische Pfarrstelle sinnvoll sein könnten – mit Blick auf die Strukturreform der Landeskirche ab 2030.
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