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„Wir sind am Leben“ feiert Premiere

GZ Plus IconPeter Plate: Der „verwöhnte Goslarer“ und sein Berlin-Musical

Drei Personen sitzen auf einer Bühne, zwei halten Mikrofone, Publikum im Vordergrund unscharf

Was erwartet die Zuschauer beim Musical „Wir sind am Leben“? Hauptdarstellerin Steffi Irmen verrät den Medien bei einer Pressekonferenz gemeinsam mit den beiden Produzenten Ulf Leo Sommer und Peter Plate (v.l.) Details der Handlung. Foto: Britta Pedersen | picture alliance/dpa

Peter Plate und Ulf Leo Sommer erzählen mit „Wir sind am Leben“ aus ihrem Leben: Ihr Musical feiert am Samstag Premiere. Was Peter Plate während der Proben bewegt.

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Von Frank Heine
Mittwoch, 18.03.2026, 19:45 Uhr
Vorhang auf zu seinem bisher privatesten Musical: „Wir sind am Leben“ ist für Peter Plate eine Zeitreise zurück in seine Berliner Anfänge in den 1990er Jahren. Gemeinsam mit Ex-Mann Ulf Leo Sommer hat er ein Stück geschrieben, das die Menschen nicht nur musikalisch berühren soll und das am Samstag seine Uraufführung im Theater des Westens erlebt – mit einer großen Gala-Nacht, zu der keine Promis eingeladen sind, sondern die samt Aftershow-Party mit wahren Fans gefeiert werden soll.
Zwei Männer mit verschränkten Armen stehen nebeneinander vor einem Plakat mit teilweise sichtbarem Text und einem großen Gesicht in rotem Haar.

Peter Plate und Ulf Leo Sommer liefern die Geschichte fürs neue Musical „Wir sind am Leben“ im Berliner Theater des Westens. Foto: Britta Pedersen | picture alliance/dpa

Die Berliner (und nicht nur die) sind neugierig und freuen sich: Schon kurz nach Verkaufsstart Ende Mai 2025 war der Start ausverkauft. „Ich bin 1990 nach Berlin gezogen, als alle glaubten, jetzt wachsen Ost und West zusammen – jedenfalls haben wir uns das alle gewünscht“, erzählt Peter Plate dieser Tage am Telefon während einer kurzen Pause im Interview-Marathon. Derzeit häufen sich die Anfragen. Seit Anfang Februar laufen die Proben mit dem Ensemble. Unmittelbar vor der Premiere ist die Aufregung natürlich riesig – auch bei Profi-Produzenten wie Plate und Sommer, die das Geschäft seit Jahrzehnten aus dem Effeff kennen.

„Der verwöhnte Goslarer“ in Berlin

Aber jetzt ist es eben ihre eigene Geschichte, die sie als Intendanten auf die bezaubernde Bühne ihres Hauses bringen. Das Theater, seit 2011 unter Flagge der Hamburger Stage-Gruppe, wurde Ende des vorletzten Jahrhunderts mit einem Mix aus Renaissance-, Empire- und Jugendstil-Elementen in Charlottenburg in der Nachbarschaft zum Zoologischen Garten gebaut. Ziemlich genau 100 Jahre später „kommt der verwöhnte Goslarer nach Berlin und zieht in den Ostteil der Stadt“, erzählt Peter Plate. „Das war eine ganz andere Welt – es gab keine Heizung, kein Telefon, kein WC in der Wohnung, sondern nur auf dem Flur“, beschreibt er aufregende Zeiten. „Ich hatte zu der Zeit auch mein Comingout“, wird Plate ernster, „Aids war ein großes Thema, ganz viele Leute sind gestorben.“ Genau in dieser Zeit, genau in dieser Szene spielt jetzt „Wir sind am Leben“.

Viele bekannte Akteure

Und wer spielt mit? Im Ensemble finden sich viele bekannte Gesichter. Hauptdarstellerin Steffi Irmen etwa spielte bereits die Hauptrolle in die „Die Amme“ und mimt jetzt Friseurin Rosi Fröhlich, die in Wittenberg in der damaligen DDR einen Salon betrieben hat. Seit der Wende sind aber eher die Friseure im Berliner Westen angesagt. Was tun? Rosi hat zwei Kinder: Celina de Santos ist Nina, Markus Spagl spielt den Mario. Die rebellische Tochter hat schon vor dem Mauerfall rübergemacht und ist im besetzten Altbau „Konsum Hoffnung“ gelandet. Ihr Bruder kommt später nach – auf der Suche nach sich selbst.

Neugierig geworden? „Jede Person im Stück gab es wirklich“, versichert Plate. Sein Musical läuft ab Samstag bis Ende Februar 2027. Tickets sind online erhältlich und kosten zwischen 53,99 Euro und 186,99 Euro. Nur noch bis Freitag, 20. März, läuft eine Rabattaktion mit 30 Prozent Nachlass.
Zwei Sänger und ein Gitarrist auf einer Bühne bei einem Live-Konzert

Pfalzwiese im Mai 2007: Peter Plate und Anna R. spielen als Rosenstolz ein Goslar-Konzert. Foto: Epping (Archiv)

Erstes Musical in der Goldenen Aue

Über Gäste aus Goslar freut sich Plate sicherlich besonders. Dort hat er seine Kindheit verbracht. Er kommt als Fünfjähriger in die Stadt, tritt mit sieben Jahren im Trachtenkostüm mit Akkordeon bei den Heimatsängern auf. Bis zur zehnten Klasse besucht Plate das CvD-Gymnasium und wechselt nach der Mittelstufe nach nebenan auf die Fachoberschule Sozialwesen der Berufsbildenden Schulen BBS Goslar/Baßgeige. Die Erinnerungen an seine Schulzeit bezeichnet er als ambivalent. Die ersten Jahre auf dem Gymnasium sind schwer. Als Kleinster und Jüngster wird er gehänselt, verprügelt und in die Mülltonne gesteckt. Er wiederholt freiwillig die achte Klasse. In der neunten Klasse findet er erstmals richtige Freunde. 1986 bringt er schon als BBS-Schüler, aber immer noch mit früherer CvD-Freundesschar das erste von ihm komponierte Musical „Justus“ auf die Bühne. Ort ist das Forum der alten Goldenen Aue, die seit dem Vorjahr abgerissen und Geschichte ist. Plate muss lange um Erlaubnis für die Verantwortung fürs Vorhaben ringen, weil Lehrkräfte nicht dabei sein sollen. Direktor Hansgeorg Engelke verleiht ihm letztlich Schlüsselgewalt.
Eine Frau berührt die Brust einer Bronzestatue eines Mannes, umgeben von mehreren Personen und einem Kameramann mit einer großen Kamera im Freien.

Als der Ring noch nach Paul Lincke hieß: Peter Plate erhält 2007 die Auszeichnung und ist heute Mitglied der Jury für den Goldenen Ton. Foto: Schenk (Archiv)

Erfolg mit Rosenstolz

Mit 19 Jahren zieht Plate nach Braunschweig, leistet Zivildienst und beginnt ein Studium der Sozialpädagogik, bricht ab und jobbt in einem Berliner Friseursalon, bevor er sich ganz der Musik widmet. 1991 tritt er mit der vor einem Jahr verstorbenen Anna R. als Duo Rosenstolz in einer Galerie das erste Mal auf – vor 30 Leuten, die Hälfte davon Freunde. 1992 erscheint das Debüt-Album „Soubrette werd‘ ich nie“. Es floppt. Aber die Fans werden mehr und mehr.

2007 erhält Peter Plate den Paul-Lincke-Ring, Rosenstolz spielt ein unvergessliches Konzert vor der Kaiserpfalz. Inzwischen ist Plate Mitglied der Jury in dem zum Goldenen Ton umbenannten Goslarer Musikpreis. Kommt er am 7. Mai nach Goslar, wenn Lea als nächste Preisträgerin ausgezeichnet wird? „Ich kann es wirklich nicht sagen“, denkt Plate direkt vor der Berliner Premiere nur von Tag zu Tag.

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