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Aufruf zum Ostermarsch

GZ Plus IconGoslarer Friedensbündnis wünscht deutliches Signal für anderen Kurs

Silhouette einer Person mit Helm vor einem stark beschädigten, teilweise eingestürzten Gebäude

Gewalt hat (Gegen-)Gewalt zur Folge: Ein israelischer Soldat geht durch die Trümmer nach einem iranischen Raketenangriff. Foto: picture alliance/dpa

Ostermarsch an Karsamstag: Goslars Friedensbündnis wünscht sich „Mut zum Frieden“ – und einen anderen Kurs mit mehr Geld in Friedensfähigkeit statt Kriegstüchtigkeit.

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Von Frank Heine
Donnerstag, 26.03.2026, 10:00 Uhr
Das Motto lautet „Mut zum Frieden“. Und die Veranstalter wünschen sich ein deutliches Signal für einen anderen Kurs: Deutschland soll mehr Geld in seine Friedensfähigkeit durch Diplomatie als in eine sogenannte Kriegstüchtigkeit investieren. Unter diesen Vorzeichen ruft das Goslarer Friedensbündnis zur Teilnahme am Ostermarsch auf. Er startet am Karsamstag, 4. April, um 11 Uhr mit einer Kundgebung auf dem Jakobikirchhof. Nach einem Zug durch die Innenstadt endet er vor dem ehemaligen Standesamt auf der Rosentorstraße.

Gute Zukunft für die Kinder

Israelische und US-Bomben auf den Iran, von dort starten die Revolutionsgarden Vergeltungsschläge gegen die Angreifer und andere arabische Staaten, nicht zu vergessen der Ukraine-Krieg und das Geschehen im Nahen Osten im Gaza-Streifen und im Südlibanon – was ist los auf der Welt? Für das Friedensbündnis unterstreicht Mitinitiator Gerhard Stein noch einmal die aktuelle Bedeutung des Ostermarsches: „Die Friedenstaube steht aus allen Richtungen unter Beschuss. Deshalb ist es wichtig, am Karsamstag in großer Zahl auf die Straße zu gehen, um der Politik zu zeigen, dass wir mehr Diplomatie und nachhaltige Friedenslösungen brauchen, wenn unsere Kinder eine gute Zukunft haben sollen.“
Illustration einer Taube mit Verband um den Kopf und rotem Schal um den Hals, der den Schnabel knebelt

Mit KI generiert: Das Friedensbündnis ruft mit einer schwer ramponierten Friedenstaube zur Teilnahme am Ostermarsch auf. Foto: Friedensbündnis Goslar

Dr. Herle Tonon ist bei der Organisation „Internationale Ärzt*innen für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW)“ aktiv. Sie betont: „Nur auf friedlichem Weg bekommen wir die enormen Ressourcen frei, die wir dringend für Bildung, Gesundheit, Soziales, Umwelt- und Naturschutz benötigen.“ Ulrike Schmitz ergänzt für das Goslarer Bündnis: „Das Friedensgebot des Grundgesetzes sollte endlich glaubwürdig umgesetzt werden. Die friedliche Kooperation aller Staaten muss unser Ziel sein.“

Gewerkschafter und Abgeordneter

Porträt eines Mannes mit kurzem dunklem Haar und schwarzem T-Shirt vor hellem Hintergrund

Cem Ince. Foto: Marc Schumann

Hauptredner ist am Karsamstag Cem Ince aus Salzgitter. Er ist Gewerkschafter und für die Partei „Die Linke“ Mitglied im Bundestag. In der IG Metall setzt er sich laut Veranstalter für eine bessere Verankerung der Friedenspolitik ein und war Mitorganisator einer gewerkschaftlichen Friedenskonferenz im Juli des Vorjahres. Seine zentrale Botschaft lautet: „Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie sind keine echte Lösung, sondern gefährden Frieden, Sozialstaat und Klimaziele. Der Frieden für die Welt muss unser höchstes Gut sein.“ Die Wiedereinführung der Wehrpflicht ist Thema eines weiteren Beitrags. Bernd Krage-Sieber vom Friedensbündnis moderiert eine Aktion zu den EU-Personensanktionen unter anderem gegen den ehemaligen Schweizer Oberst und NATO- und UN-Mitarbeiter Jacques Baud. Pfarrer Michael Pfau aus Kaierde setzt zum Abschluss mit traditionellen Friedensliedern einen kulturellen Schwerpunkt.

Überparteiliche Veranstaltung

Für den Ablauf wichtig: Das Friedensbündnis sieht sich als überparteilicher Veranstalter und setzt deshalb darauf, keine Nationalflaggen oder Parteifahnen mitzuführen. Fahnen, Banner und Schilder zum Thema des Ostermarsches sind in Vielfalt und Buntheit willkommen. Der Einsatz von Musikinstrumenten aller Art ist sogar erwünscht. Worum geht es dem Bündnis? Globale Spannungen verschärften sich immer mehr. Die Stärke des Völkerrechts sei zum Recht des Stärkeren verkommen. Die EU entwickele sich zunehmend zu einem militaristischen Projekt. Deutschland strebe die stärkste konventionelle Armee Europas an, sogar Forderungen nach eigenen Atomwaffen würden laut, erklären die Veranstalter. Dieser konfrontative Kurs erhöhe die Gefahr eines Krieges in Europa – mit verheerenden Folgen. Sozialabbau und Einschränkungen demokratischer Rechte, etwa der freien Rede, gingen mit dieser Politik einher.
Demonstrierende Menschen auf einer Fußgängerzone halten ein Banner mit der Aufschrift 'Goslar für den Frieden Die Waffen nieder' und einer Grafik von zwei ineinandergreifenden Gewehren

Selbsterklärend: So hat Goslar im Vorjahr für Frieden auf der Welt demonstriert. Foto: Epping (Archiv)

Die Wurzeln der Bewegung

Die Ursprünge der Ostermärsche liegen in den 1960er-Jahren. Damals schürten Kubakrise und Ost-West-Konflikt die Angst vor einem atomaren Weltkrieg und ließen die Ostermärsche zu einer Massenbewegung anwachsen. Sie erlebten ihren Höhepunkt Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre rund um den „Nato-Doppelbeschluss“ und einer immensen Aufrüstungsdynamik. Aktuell geht es dem Friedensbündnis um die Gefahren der Missachtung des Völkerrechts, um die Verhinderung der Stationierung neuartiger Mittelstreckenraketen und Marschflugkörper sowie um die Ablehnung einer umfassenden Militarisierung zulasten des Sozialstaats.

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