Goslars scharfer Protest gegen Aufrüstung und Angstmache
Gang durch die Innenstadt: In der Spitze reihen sich rund 120 Teilnehmer in den Goslarer Ostermarsch ein. Foto: Epping
Rund 120 Menschen haben in der Goslarer Innenstadt mit einem Ostermarsch am Samstag zwei Stunden lang gegen Krieg und Aufrüstung protestiert. Das Friedensbündnis übte als Veranstalter harsche Kritik an realen Plänen und verbalem Gehabe der Politik.
Goslar. Mit einem Ostermarsch hat am Samstag das Friedensbündnis Goslar unter dem Motto „Voller Einsatz für den Frieden“ gegen Krieg, Aufrüstung und unkontrollierbare Gewaltspiralen überall auf der Welt protestiert. An der rund zweistündigen Veranstaltung nahmen in der Spitze rund 200 Menschen teil, die nicht nur aus Goslar selbst kamen, sondern auch aus dem Seesener, Hildesheimer und Halberstädter Raum angereist waren.
Mit Mikro: Veranstaltungsleiter Gerhard Stein begrüßt die Teilnehmer auf dem Jakobikirchhof. Foto: Epping
Die Sprache „wahrhaftig halten“
Aber was tun, um mehr Menschen wachzurütteln? Stein nahm Anleihen bei Albrecht Müller, einst Wahlkampfmanager von Willy Brandt in den 1970ern: „Glaube wenig, hinterfrage alles, denke selbst!“ Es gehe auch darum, Sprache wahrhaftig zu halten und Erzählungen auf ihren Realitätsgehalt zu prüfen. Etwa das „schreckliche Wort von der Kriegstüchtigkeit“: Von Stein befragte künstliche Intelligenz verortet es in alten preußischen Militärschriften, aber auch in einem Leitartikel von NSDAP-Propagandaminister Joseph Goebbels aus dem Juli 1944. Heute sei der Begriff veraltet und werde kaum noch genutzt. „Tja, liebe KI, bei der letzten Einschätzung liegst du aber leider gründlich daneben“, sagte Stein. Er unterstelle hier keine Absicht, „mit Nazi-Sprech zu mobilisieren“, aber er kritisiere doch „mangelnde Achtsamkeit.“

Pause am Schuhhof: Einlagen mit Wort- und Musikbeiträgen unterbrechen den Marsch an mehreren Stellen. Foto: Epping

Bernd Krage-Sieber und Erika Hauff-Cramer führen ein Kabarett-Interview. Foto: Epping
Straßen und Brücken für die Truppen?
Auf dem Marsch durchs Zentrum gab es Pausen mit Programm. Vor dem Pressehaus führte Reporterin Erika Hauff-Cramer ein Kabarett-Interview mit dem Politiker „Dr. Pistazius“ alias Bernd Krage-Sieber. So viele Millionen und Milliarden Euro auf einmal auch für vernünftige Straßen und Brücken – um Truppen gen Osten bringen zu können? Und Russland den „Eisenfuß zeigen“? Ein aserbaidschanisches Friedenslied schloss den Stopp. Mit der Goslarer Marktkirche im Rücken positionierten sich die Kirchenvertreter Michael Pfau aus Kaierde bei Alfeld und Melanie Klawitter aus Gittelde.
Michael Pfau Foto: Epping
„Kein Krieg kann etwas taugen“
Klawitter sprach ihr persönliches Glaubensbekenntnis, pries die Friedenstauglichkeit, „weil kein Krieg etwas taugen kann“. Der könne stets nur ein Irrweg sein. „Wo bleibt der Aufschrei der Kirche?“, fragte sie.
Melanie Klawitter Foto: Epping
Ostermarsch in Goslar
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