Im Landkreis Goslar bildet sich ein Ableger der Gruppe
Mittendrin bei der Anti-AfD-Demo im Januar vor dem Bündheimer Schloss: die Omas gegen Rechts im Harz aus Halberstadt. Foto: Neuendorf
CDU/CSU haben mit einer Anfrage im Bundestag zur politischen Neutralität staatlich geförderter Organisationen den Blick auch auf die Omas gegen Rechts gelenkt. Derzeit gründet sich im Landkreis Goslar ein Ableger der Initiative.
Goslar. Einen Bekanntheitsschub haben die Omas gegen Rechts durch eine „Kleine Anfrage“ der CDU/CSU im Bundestag erlangt. Die Schwesterparteien wollen von der Bundesregierung erfahren, ob sich das Engagement staatlich geförderter Organisationen wie das der Seniorinnen mit dem Gebot politischer Neutralität verträgt. Dass sich jetzt eine Oma-Gruppe im Landkreis Goslar bildet, hat aber nicht mit einem Protest gegen die Anfrage, sondern mit der AfD zu tun.
Die AfD-Stadtverbände Bad Harzburg und Wernigerode der Rechtsaußen-Partei hatten im Januar Martin Reichardt und Hans-Thomas Tillschneider, den Vorsitzenden und den Vizevorsitzenden des als rechtsextrem eingestuften AfD-Landesverbandes Sachsen-Anhalt sowie den umstrittenen AfD-Politiker Maximilian Krah ins Bündheimer Schloss eingeladen. Unter den mehr als 500 Menschen, die vor dem Schloss dagegen protestierten, war eine Omas-gegen-Rechts-Gruppe aus Halberstadt. Die Begegnung mit den Frauen gab schließlich den Anstoß dafür, einen Ableger der Initiative auch im Landkreis Goslar zu gründen. So erinnert sich Christine Weber aus Bad Harzburg, die vor dem Bündheimer Schloss mitdemonstrierte.
20 Frauen sind dabei
Die 67-jährige Weber gehört zu einer Gruppe von Frauen, die sich bereits zweimal im Café auf den Goslarschen Höfen in der Kreisstadt getroffen haben und bei den Omas engagieren wollen. „Beim ersten Treffen waren wir 10 Frauen, beim zweiten schon 20“, berichtet Christine Weber, die früher als Erzieherin gearbeitet hat. Auch ihr Mann Markus Weber, ein ehemaliger Lehrer, engagiert sich in Organisationen, etwa im Verein Spurensuche Harzregion und im Friedensnetzwerk Pax Christi.

Im Café in den Goslarschen Höfen treffen sich Frauen, die eine Gruppe Omas gegen Rechts bilden wollen. Foto: Privat
Initiatorin vom Omas gegen Rechts im Landkreis Goslar ist Christa Kurkofka, die 69-Jährige war Lehrerin für Politik und Englisch am Christian-von-Dohm-Gymnasium. Beim ersten Treffen hätten die Frauen überlegt, was sie den Rechten an Argumenten entgegensetzen können, berichtet sie. Nach der Bundestagswahl, bei der die AfD zweitstärkste Kraft wurde, hätten sie sich gefragt, „was wir überhaupt tun können“, berichtet Kurkofka weiter. Für sie sei klar, das fange ja jetzt erst alles an.
Mit AfD-Stimmen
Auslöser für die CDU-Anfrage im Bundestag zur politischen Neutralität zivilgesellschaftlicher Gruppen waren übrigens die Proteste, nachdem die Christdemokraten bei den Abstimmungen zur Begrenzung der Migration Ende Januar die Zustimmung der AfD in Kauf genommen hatte. In der Anfrage werden die „Omas gegen Rechts“, die sich 2017 gegründet haben, als „besonders umstrittenes Beispiel“ bezeichnet: Denn während der Verein betone, er finanziere sich lediglich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen, erhalte er staatliche Fördermittel und werde aus dem Programm „Demokratie leben“ unterstützt, heißt es in der Anfrage.
Die Halberstädter Omas gegen Rechts fanden im November vorigen Jahres kurzfristig zusammen. Als Reaktion auf die rechtsextreme Szene, die im Harzkreis auf mehreren Ebenen aktiv ist. Manche aus diesem rechten Netzwerk beteiligen sich beispielsweise an regelmäßigen Demonstrationen in Halberstadt. Als Beleg für den Rückhalt dieser Kreise in der Bevölkerung kann zudem das Bundestagswahlergebnis vom 23. Februar dienen: Die rechtsextreme AfD-Politikerin Dr. Christina Baum errang das Direktmandat im Harzkreis.
Etwas entgegensetzen
Christa Kurkofka sagt: „Wir fühlen uns den Halberstädtern zugehörig.“ Die Omas gegen Rechts im Landkreis Goslar wollen sich als Untergruppe der Frauen aus dem Nachbarlandkreis gründen, die nennen sich Omas gegen Rechts im Harz.
Christa Kurkofka und Christine Weber treffen sich mit ihren Mitstreiterinnen am Mittwoch, 12. März, zum dritten Treffen im Café auf den Goslarschen Höfen. Beginn ist um 16 Uhr. Gäste sind willkommen. Christina Weber sagt: „Viele Omas wollen den politischen Entwicklungen, die in eine immer rechtere Richtung gehen, etwas entgegensetzen.“