Überall Ölspuren in Bad Harzburg: Was steckt wirklich dahinter?
Auf diesem Archivbild aus dem Jahr 2024 beseitigt die Feuerwehr eine Ölspur im Bereich Fritz-König-Straße. Foto: Schlegel
Öl- und Kraftstoffspuren häufen sich derzeit im Stadtgebiet. Woran das liegt, wer sie beseitigt, wer zahlt und was Autofahrer womöglich selbst verhindern könnten.
Bad Harzburg. Gefühlt rückt die Feuerwehr aktuell täglich aus, um irgendwo im Stadtgebiet eine Öl- oder Kraftstoffspur zu beseitigen. In der Realität sind es weniger, aber „es war lange nicht so massiv, wie aktuell“, sagt Stadtbrandmeister Marcus Saß. Seit Weihnachten waren es sieben (siehe „Hintergrund“) größere Einsätze, dazu kommt noch ein halbes Dutzend Ölspuren, die direkt vom Bauhof beseitigt wurden. Wie kommt es zu einer solchen Häufung? Können Autofahrer daran etwas ändern? Die GZ hat nachgefragt.
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Zunächst einmal zum Thema Begrifflichkeit: „Ölspur“ ist gewissermaßen der Sammelbegriff für jedweden Betriebsstoff, der aus einem Fahrzeug auf eine Fahrbahn gelangen kann. Das kann natürlich Öl sein, aber auch Kraftstoff oder Hydraulikflüssigkeit. Sie alle erkennt man an einem regenbogenfarbenen Film auf der Fahrbahn. Der ist aus vielerlei Gründen gefährlich: Bei Nässe machen sie die Fahrbahn rutschig, das ist insbesondere in Kurven gefährlich. Auch dürfen diese Stoffe nicht in die Kanalisation oder gar in einen Bach gelangen.
Das spezielle Bundemittel
Die Feuerwehr und auch der Bauhof streuen derartige Spuren dann mit einem speziellen, pulverartigen Bindemittel (Ekoperl bei feuchter, Terraperl bei trockener Fahrbahn) ab, massieren es mit Besen ein und anschließend kommt die Kehrmaschine und nimmt es auf. Auch ist klar geregelt, wer, wann ausrückt: Während der Arbeitszeit innerorts nur der Bauhof. Ist indes Gefahr in Verzug, weil Öl in ein Gewässer oder einen Kanal fließen kann, kommt die Feuerwehr dazu. Die ist auch gefragt, wenn die Ölspur sehr lang ist.

Die Bündheimer Feuerwehr (hier ein Archivbild aus dem Jahr 2022) ist auf die Beseitigung von Ölspuren spezialisiert und hat auch die entsprechenden Fahrzeuge. Foto: Schlegel
Soviel zur Beseitigung der Verunreinigungen. Aber warum nun diese Häufung? Laut Marcus Saß gibt es (nicht nur in Bad Harzburg) viele Gründe. Zum einen ist natürlich eine solche Ölspur bei nasser Fahrbahn viel schneller sichtbar, der Regenbogenfilm schimmert intensiv. Dann seien jetzt, bei Tauwetter, zuvor ausgetretene Flüssigkeiten aus dem Schnee gelöst worden und auf die Fahrbahn gelangt.
Oft sind es Schneepflüge
Bei Schnee kann es darüber hinaus auch öfter passieren, dass sich Autofahrer bei ihren Fahrzeugen etwas auf- oder abreißen. Und last but not least waren in den vergangenen Tagen ein ums andere Mal Räumfahrzeuge Verursacher von Ölspuren, dann aber auch gleich richtig langen. Ein Schneepflug, egal aus welchem Stall der kommt, hat natürlich eine große Menge an Hydraulikflüssigkeiten an Bord, und beim Schneeräumen geht es durchaus mal ruppig zu.
Es gibt zwei Fördervereine
Auf welche Art können Bürger der Freiwilligen Feuerwehr helfen?
Wer zahlt den ganzen Spaß? Sofern er ermittelt werden kann, natürlich der Verursacher. Die Kosten werden laut Ordnungsamt nach Länge der Spur und dem Aufwand, sie zu beseitigen, berechnet. Zwei Beispiele aus dem Rathaus: 2021 gab es eine Ölspur von knapp 4,5 Kilometern im Bereich Göttingeröder Straße und der umliegenden Straßen, die Einsatzkosten lagen bei etwa 3800 Euro. Wohingegen eine Ölspur von 250 Metern im Bereich der Nordhäuser Straße, die 2024 zu beseitigen war, seitens der Stadt mit 510 Euro in Rechnung gestellt wurde. In der Regel zahlt das aber die Kfz-Haftpflichtversicherung des Verursachers.
Was können Autofahrer tun?
Und kann man vorbeugen, dass es gar nicht erst so weit kommt? Ein Anfang wäre ein betriebssicheres Fahrzeug. Und eigentlich sollte sich jeder Fahrzeugführer vor Antritt der Fahrt davon überzeugen, dass sein Auto in einem technisch guten Zustand ist und nicht schon ein Ölfleck unter dem Wagen zu finden ist. Hand aufs Herz: Wer macht das?
JÜNGSTE ÖLEINSÄTZE
Nicht alle Ölspuren der vergangenen Tage sind enthalten, da nicht über jeden Einsatz berichtet wird.
13. Januar – Harlingerode
Die Feuerwehr sichert in der Harlingeröder Landstraße mehrere Kanaleinläufe.
12. Januar – Bündheim, Schlewecke, Göttingerode, Harlingerode
Ein defekter Schneepflug verliert Betriebsstoffe. Die rund fünf Kilometer lange Spur wird von drei Ortsfeuerwehren innerhalb von dreieinhalb Stunden beseitigt.
10. Januar – Westeroder Straße
Die Ortsfeuerwehr Bündheim/Schlewecke wird zunächst zu einer etwa 40 Meter langen Ölspur alarmiert. Tatsächlich zieht sich die Verunreinigung über rund zweieinhalb Kilometer von der Bäckerstraße über Am Schlosspark bis zur Auffahrt der A369.
3. Januar – Am Rodenberg/Birkenweg
Die Ortsfeuerwehr Bündheim/Schlewecke wird innerhalb kurzer Zeit zu zwei Ölspuren alarmiert. In der Straße Am Rodenberg müssen rund 50 Meter abgestreut werden, kurz darauf folgt ein weiterer Einsatz im Birkenweg mit geringer Ausdehnung.
2. Januar – Silberbornstraße
Ein Schneeräumfahrzeug hinterlässt im Bereich Silberbornstraße, Grubenweg und Am Wildpark eine etwa 1000 Meter lange Ölspur.
26. Dezember – Reischauerstraße
Aus einem Auto tritt Öl aus, die Spur reicht bis in die Fritz-König-Straße. Die Feuerwehr streut die Betriebsstoffe ab und sichert die Einsatzstelle bis zum Abschleppen des Fahrzeugs.
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