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Abschied vom Harzer Welterbe

GZ Plus IconDer Oberharzer Ulrich Reiff verliert mehr als einen Arbeitsplatz

Zwei Männer stehen nebeneinander, einer hält eine Tasse in der Hand.

Eine Tasse mit Vergangenheit: Ende 2024 erhält Museumsleiter Ulrich Reiff (l.), der für den Anlass einen Bergkittel trägt, von Peter Fickler eine Tasse aus dem Nachlass seines Ur-Ur-Ur-Großvaters. Aus der Tasse soll Oberbergrat Wilhelm-Julius Albert, der Erfinder des Drahtseils, getrunken haben. Foto: GZ-Archiv

Viele Jahre hat der Oberharzer Ulrich Reiff für das Harzer Welterbe gearbeitet. Jetzt hat er seinen Arbeitsplatz verloren – ein bitterer Schlag für ihn.

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Von Oliver Stade
Donnerstag, 29.01.2026, 16:00 Uhr

Goslar/Clausthal. Viele Jahre war Ulrich Reiff (57) eines der bekanntesten Gesichter des Oberharzer Bergwerksmuseums in Zellerfeld. Zunächst arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter, zunehmend aber als Leiter des Hauses, über das oft gesagt wird, es sei das älteste Technikmuseum Deutschlands.

Mit dem Betreiberwechsel, zuständig ist seit dem neuen Jahr nicht mehr die Harzer Welterbestiftung, sondern eine gemeinnützige GmbH hinter der der Oberharzer Geschichts- und Museumsverein steht, hat Reiff seinen Arbeitsplatz verloren. Der neue Betreiber und Pächter der städtischen Einrichtung kann sich einen Leiter nicht mehr leisten.

Auf einen Vergleich geeinigt

Reiff klagte zwar gegen seine Kündigung, die er von der Welterbe-Stiftung im Sommer mit Wirkung zum Jahresende 2025 erhalten hatte. Aber in der Verhandlung vor dem Arbeitsgericht Braunschweig am Mittwoch dieser Woche zeigte sich, dass der Vorsitzende Richter der Meinung zuneigt, durch den Betreiberwechsel sei Reiffs Arbeitsplatz weggefallen.

Ulrich Reiff hatte indes gemeint, er bleibe weiterhin, wie seit 2013, Angestellter der Harzer Welterbestiftung. Ohnehin habe die Leitung des Museums nur einen Teil seiner Arbeit beansprucht, vor allem habe er jede Menge weiterer Arbeiten im Sinne des Welterbes erledigt. Eigentlich sei er mehr für das Gebiet des Oberharzer Wasserregals zuständig gewesen, insofern existiere sein Arbeitsfeld weiterhin.

Mit dieser Sicht konnte Reiff den Arbeitsrichter aber nicht überzeugen. Die Gegenseite, vertreten durch die kommissarische Stiftungsdoppelspitze aus Morea Deden und Lea Dirks, ehemalige Welterbe-Kolleginnen von Reiff, hatte über ihre Anwältin schon früh signalisiert, dass „Vergleichsbereitschaft“ vorhanden ist. Angeboten wurden drei Monatsgehälter. Reiff war damit nicht zufrieden, beriet sich mit seinem Anwalt und erhielt schließlich vier Monatsgehälter als Entschädigung für den Verlust seines Arbeitsplatzes.

Ein Sanierungsfall

Für Reiff ist der Verlust seiner Arbeit ein herber Schlag, am Welterbe und am Bergbau hängt sein Herz. Er gehört zu einer Gruppe von Oberharzern, die die historischen Bergbauanlagen seit vielen Jahren mit großer Leidenschaft betreuen und für ihren Erhalt gekämpft haben, auch ehrenamtlich. Dass ausgerechnet er nun nicht mehr dabei ist, wirkt geradezu symbolisch für die aktuellen Veränderungen und Verwerfungen im Kosmos des Harzer Welterbes, in dem die Stiftung als Sanierungsfall gilt im vorigen die im vorigen Jahr einer Insolvenz entging.

Sichtbares Zeichen für diese unsichere Phase sind die personellen Übergangslösungen nach dem plötzlichen Abgang von Dr. Johannes Großewinkelmann zum Jahresende, der sich als Stiftungs-Direktor und Rammelsberg-Geschäftsführer zurückzog. Oliver Kasties, Geschäftsbereichsleiter bei der Stadt Goslar, hat kommissarisch die Leitung am Rammelsberg übernommen. Lea Dirks, zuvor wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung, und Morea Deden, vorher für Marketing und Kommunikation bei der Stiftung zuständig, leiten jetzt kommissarisch die Stiftung. Derweil läuft die Personalsuche weiter, vor allem für einen Geschäftsführer am Rammelsberg.

Daneben zeigt eine weitere Personalie, dass es nicht rund läuft, möglicherweise gibt es sogar einen weiteren Arbeitsrechtsstreit. Wie berichtet, wurde dem Betriebsratsvorsitzenden am Rammelsberg fristlos gekündigt, die Gründe sind nicht bekannt.

Offen ist nicht nur, wie es personell mit der unter Spardruck stehenden Welterbe-Stiftung weitergeht, ob nämlich ein künftiger Rammelsberg-Geschäftsführer wie Großewinkelmann in Personalunion auch für die Stiftung zuständig ist. Denn sie hat als Betreiberin mit dem Oberharzer Bergwerksmuseum eine Aufgabe verloren. Der Aufgabenzuschnitt könnte noch überschaubarer werden. Denn wie es heißt, soll perspektivisch auch die Zuständigkeit für das zum Verbund gehörende Kloster Walkenried im Landkreis Göttingen abgegeben werden.

Ulrich Reiff, der gerade seinen Arbeitsplatz in Zellerfeld verloren hat, der ihm so sehr am Herzen lag, will sich nun am Rammelsberg in Goslar bewerben. Das kündigte er am Ende des Arbeitsgerichtsverfahrens am Mittwoch an. Durch den Wechsel von Lea Dirks und Morea Deden gebe es jetzt Aufgaben, für die Personalbedarf entstanden sei. Er könne sich gut vorstellen, die Sammlung am Rammelsberg zu betreuen und eine neue Dauerausstellung zu konzipieren.

2005 freie Mitarbeit am Rammelsberg

Für Reiff würde sich ein Kreis schließen. Er hatte 2010 als freier Mitarbeiter mit einem Werkvertrag bei der Harzer Welterbestiftung angefangen, damals beim Konstrukteur des Welterbes, dem Denkmalpfleger und Konservator Reinhard Roseneck. Es war das Jahr, in dem das Unesco-Welterbekomitee entschieden hat, das seit 1992 bestehende Welterbe „Erzbergwerk Rammelsberg und Altstadt Goslar“ um das System der Oberharzer Wasserwirtschaft zu erweitern. Bereits 2005 hatte der Oberharzer als freier Mitarbeiter die jährliche Sonderausstellung am Rammelsberg vorbereitet. Reiff sagt: „Zwei Jahrzehnte Welterbe-Arbeit, und jetzt dieses Ende, das ist schon bitter.“

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