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Thema beim Neujahrsempfang

GZ Plus IconHeftige Kritik: „Oberharz soll nicht nur auf den Tourismus setzen“

Das Foto zeigt einen vollen Saal und applaudierende Menschen.

Die knapp 100 Besucherinnen und Besucher des Neujahrsempfangs in St. Andreasberg applaudieren Ortsvorsteher Karl-Heinz Plosteiner. Foto: Eggers

Ortsvorsteher Karl-Heinz Plosteiner kritisiert beim Neujahrsempfang in St. Andreasberg Stadt, Kreis und Land. Er empfiehlt zudem, nicht nur auf den Tourismus zu setzen.

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Von Michael Eggers
Montag, 12.01.2026, 06:00 Uhr

St. Andreasberg. Mit Kritik hat Ortsvorsteher Karl-Heinz Plosteiner am Samstagabend beim Neujahrsempfang der Bergstadt St. Andreasberg nicht gespart. Vor allem Stadt, Kreis und Land bekamen einiges zu hören. Plosteiner berichtete vor knapp 100 Besucherinnen und Besuchern aber auch von geplanten Investitionen in der seit Jahren leer stehenden Rehberg-Klinik und dem ehemaligen Internationalen Haus Sonnenberg.

Aber auch die Stadt müsse in St. Andreasberg investieren, meinte dr Ortsvorsteher bei dem Empfang, bei dem die Brauchtumsgruppe des Barkamtes Annerschbarrich für die musikalische Unterhaltung sorgte. Während in Hohegeiß für „mehrere Millionen“ Euro ein Freibad gebaut werde, Braunlage ein Eisstadion, ein Hallenbad oder eine Kletterhalle habe, werde die Multifunktionshalle in der Bergstadt nicht umgesetzt, obwohl die Konzepte der Verwaltung vorliegen, erklärte der Vertreter der Bergstadt.

Innenstadt wieder beleben

Insgesamt seien 2025 knapp 1,5 Millionen Euro aus dem städtischen Haushalt investiert worden („das ist im Grunde erbärmlich wenig“) und dieses Jahr seien 6,3 Millionen Euro geplant. Da sei aber auch beispielsweise die Sanierung des Kurhauses dabei, die in mehreren Abschnitten über mehrere Jahre vorgenommen werden soll.

Das Foto zeigt Ortsvorsteher Karl-Heinz Plosteiner am Rednerpult.

Ortsvorsteher Karl-Heinz Plosteiner verordnet St. Andreasberg beim Neujahrsempfang mehr Selbstbewusstsein gegenüber Braunlage. Foto: Eggers

Karl-Heinz Plosteiner kritisierte zudem, dass es im vergangenen Jahr nicht gelungen sei, die Innenstadt St. Andreasbergs wieder zu beleben. Die Dr.-Willi-Bergmann-Straße befinde sich in einem „erbärmlichen Zustand“. „Hier sollte dringend mal mit dem Land verhandelt werden, ob für diese Straße nicht ein Sanierungsplan erreicht werden kann“, sagte er.

Kritik übte der Ortsvorsteher auch an der Wirego, der Wirtschaftsregion Goslar. Diese habe im vergangenen Jahr wenig erreicht, um die Leerstände in St. Andreasberg zu beseitigen und Investoren anzusprechen. „Hier hilft nur die Aussage, Hans muss mit Hans sprechen und nicht Hänschen mit Hans“, betonte er. Es müsse in diesem Jahr gelingen, ein anderes Klientel von Investoren anzusprechen.

Damit das gelingt, müsse aber auch der Landkreis Goslar mitspielen. „Manche Ämter des Landkreises stellen sich aber wenn es um Entwicklungen in St. Andreasberg geht, als Entwicklungsverhinderungsbehörde dar“, sagte Plosteiner, und weiter: „Das muss geändert werden.“ Er fordere einen Bürokratieabbau.

Nicht nur auf den Tourismus setzen

Der Ortsvorsteher, der auch stellvertretender Bürgermeister der Stadt Braunlage und Vorsitzender des CDU-Stadtverbands ist, übte auch Kritik an der aktuellen Entwicklung in der Schule, an den hohen Planungskosten, an der geplanten Dachmarke, an den zurückgehenden Einwohnerzahlen und berichtete, dass die Übernachtungszahlen in St. Andreasberg leicht zurückgehen, weil das Internationale Haus Sonnenberg und das Berghotel geschlossen worden seien. In diesem Zusammenhang forderte er, nicht nur auf den Tourismus zu setzen, sondern auch zu versuchen, mittelständische Industrie und Handwerksunternehmen anzusiedeln.

Die Brauchtumsgruppe des Barkamtes Annerschbarrich sorgt beim Neujahrsempfang für die musikalische Unterhaltung.

Die Brauchtumsgruppe des Barkamtes Annerschbarrich sorgt beim Neujahrsempfang für die musikalische Unterhaltung. Foto: Eggers

Karl-Heinz Plosteiner nutzte den Neujahrsempfang aber nicht nur für Kritik, er sagte auch danke und führte die Erfolge auf. So habe es 2025 insgesamt 181 Aktivitäten in St. Andreasberg im Veranstaltungskalender gegeben, darunter auch die Traditionsfeste Winterfest, Wiesenblütenhoffest, Walpurgis und Stadtfest. Er freute sich unter anderem, dass es wieder eine Silvesterparty gegeben habe, dass der Bauhof, dem er demnächst ein Frühstück spendieren wolle, so gut Schnee räumt, dass Armin Asselmeyer das alte Feuerwehrgerätehaus so schön umgebaut hat und dass der Zusammenhalt der St. Andreasberger Bürger so gut sei. Weiter stellte er auch das Erfolgsmodell Grube Samson heraus, in die ja Millionen investiert werden sollen.

Bürgermeister Wolfgang Langer wies Teile der Kritik Plosteiners zurück. Immerhin plane die Stadt ja viele und unterschiedliche Investitionen in St. Andreasberg. Ferner kündigte er an, er könne sich vorstellen, dass St. Andreasberg ins Städtebauförderungsprogramm kommt. Er habe bereits Gespräche mit der DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft diesbezüglich geführt.

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