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Mutmaßlicher Missbrauch im Harz

GZ Plus IconGoslarer Lehrerin und Ex-Bundestagsabgeordneter vor Gericht

Zwei Männer gehen in einen Saal.

Der Angeklagte Hartmut Ebbing (l.) und sein Anwalt Benedikt Mick kommen vor Verhandlungsbeginn in einen Gerichtssaal im Landgericht Braunschweig. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Ebbing und eine Lehrerin aus Goslar stehen wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs von Kindern vor Gericht. Foto: Michael Matthey/dpa

Eine Lehrerin aus Goslar und der Ex-Bundestagsabgeordnete Hartmut Ebbing müssen sich seit Dienstag wegen mutmaßlichen Kindesmissbrauchs vor dem Landgericht verantworten.

Von Corina Klengel Dienstag, 10.03.2026, 16:30 Uhr

Goslar/Braunschweig. Der kleine Zuschauerraum des Saales 25 im Landgericht Braunschweig platzte am Dienstag schier aus allen Nähten. Als der 69-jährige Hartmut Ebbing den Gerichtssaal betrat, richteten sich alle Kameras auf den ehemaligen Bundestagsabgeordneten, der aus Berlin angereist war. Mit ihm saß eine 52-jährige Grundschullehrerin aus Goslar auf der Anklagebank.

Die achtfache Mutter hatte sich eine schwarze Kapuze über den Kopf gezogen und verbarg ihr Gesicht hinter einer großen Sonnenbrille, als sie den Saal betrat. Gleich drei Rechtsanwälte werden sie durch den Prozess begleiten. Ebbing, Vater von drei Kindern und einem Enkel, reichte ein Anwalt. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden sexuellen Missbrauch an einem zur Tatzeit siebenjährigen Sohn der 52-Jährigen vor. Die Lehrerin soll außerdem kinderpornografische Fotos von einem ihrer Söhne angefertigt und diese an Ebbing verschickt haben.

Sexuelle Präferenzstörung

Die Lehrerin räumte alle Anklagevorwürfe ein. Anders als in früheren Vernehmungen sagte sie nun aus, sie habe gesehen, wie Ebbing ihren unbekleideten Sohn in der Dusche berührt habe.

Von Ebbing kam ein Teilgeständnis. Er bestritt, den Sohn der Lehrerin angerührt zu haben. Er gab indes zu, an einer sexuellen Präferenzstörung mit Interesse an kleinen Mädchen zu leiden. Diese pädophile Neigung, so betonte der Ex-Politiker mehrfach, lebe er ausschließlich in seiner Fantasie aus. Er bedaure es, dass er die Mitangeklagte dazu gebracht habe, besagte Fotos zu machen. Doch ihre Behauptung, dass sie ihn mit ihrem Sohn beobachtet haben will, sei schlicht falsch.

2021 lernte die Angeklagte Hartmut Ebbing über ein Dating-Portal kennen. Zunächst chatteten beide. In diesen Nachrichten legte Ebbing ihr laut Anklage ein Familienkonzept vor, bei dem alle frei und nackt miteinander leben. Immer wieder sei das Wort „Familienpetting“ gefallen.

Die Söhne abgeduscht

Schließlich habe Ebbing die Frau um Fotos ihrer unbekleideten Kinder gebeten. Dazu habe er ihr Kinderpornos als Vorlage geschickt. Die Lehrerin sagte, sie könne sich heute nicht mehr erklären, warum sie darauf eingegangen sei. Sie habe sexuelle Handlungen an ihrem Sohn vorgenommen, diese fotografiert und die Dateien an Ebbing geschickt, um ihm zu gefallen. Im September 2021 habe Ebbing sie im Harz besucht. Als sie ihre Söhne abgeduscht habe, sei der Angeklagte ins Badezimmer gekommen und habe begonnen, den Siebenjährigen sexuell zu berühren.

Davon war auch in den Chats die Rede, die aber nur zum Teil verlesen wurden. In diesem Nachrichtenaustausch drängte Ebbing die Angeklagte, auch ihre Töchter (13 und 15 Jahre alt) zu fotografieren. „Er wurde immer fordernder. Irgendwann ging es nur noch um meine Kinder. Das wurde mir zu viel. Ich hab die Beziehung abgebrochen“, berichtete die bis dato unbescholtene 52-Jährige unter Tränen.

Hartmut Ebbing, der von 2017 bis 2021 für die FDP dem Bundestag angehörte, bringt eine Vorstrafe wegen Besitzes und Verbreitens von Kinderpornografie mit. Das Amtsgericht Tiergarten in Berlin verurteilte Ebbing im Vorjahr zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten. Damals erbat sich Ebbing ein Strafbefehlsverfahren, damit er sich nicht einer öffentlichen Verhandlung stellen muss. Die Sichtung der Beweise führte dann zu dem aktuellen Verfahren vor dem Landgericht Braunschweig.

Kinder leben jetzt bei den Vätern

„Wir bekamen den Chat und die Fotos aus Berlin“, berichtete die ermittelnde Kripobeamtin aus Goslar. Die Hinweise aus Berlin waren so aussagekräftig, dass die Polizistin eine Hausdurchsuchung bei der Angeklagten veranlasste. Dabei wurde sie vom Jugendamt begleitet. Noch am gleichen Abend nahm man ihr die Kinder weg. Sie leben nun bei ihren Vätern.

Für die Lehrerin folgte ein Disziplinarverfahren und die Suspendierung, wenn auch derzeit noch bei vollen Bezügen. Eine Verurteilung könnte zum Verlust des Beamtenstatus und ihrer Pension führen. Ihr Anwalt beteuerte auf dem Gerichtsflur vor den Kameras diverser Medienvertreter: „Wir wollen maximale Aufklärung leisten!“ Weiter hieß es, man hoffe auf eine moderate, bewährungsfähige Strafe.

Am 18. März geht das Verfahren vor dem Landgericht weiter, möglicherweise schon mit den Plädoyers.

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