Seesener Vater schreibt Geschichte im Kampf gegen Kindesmissbrauch
Mit großer Mehrheit stimmen die Europaabgeordneten für das Verbot gegen die Verbreitung von Tipps zum Kindermissbrauch. Foto: picture alliance/dpa (Symbolbild)
Ein bedeutender Erfolg im Kampf gegen Kindesmissbrauch: Das Europaparlament hat ein Verbot gegen pädophile Handbücher und Tipps beschlossen. Maßgeblich dazu beigetragen hat Marcel Jeninga aus Seesen. Er kämpft seit Jahren für den Schutz der Kinder.
Seesen. Seine Freude und den Stolz darüber, dass sein langer Kampf gegen Kindermissbrauch einen riesigen Erfolg feiern kann, will der Seesener Marcel nicht verbergen. In Straßburg entschied das Europaparlament dafür, ein Verbot gegen die Verbreitung von Tipps zum Kindermissbrauch und das Pädophilen-Handbuch zu beschließen. Und das an genau dem Tag, an dem vor 16 Jahren herauskam, dass Jeningas dreijährige Tochter mehrmals von ihrem Nachbarn misshandelt wurde.
Marcel Jeninga, seine Mitstreiterin Synthia Wolsink und der Abgeordnete Jeroen Lenears (r.). Foto: Privat
Dass ein Handbuch darüber existiert, wie Kinder angelockt werden können, und wie man nach einem Missbrauch seine Spuren verwischt, ist kaum vorstellbar. Und das tatsächlich legal. Bis jetzt. Marcel Jeninga kämpft seit Jahren dafür, dass ein Gesetz dagegen in Kraft tritt, um die mutmaßlichen Täter zu bestrafen. In drei Ländern – Deutschland, Belgien und den Niederlanden – konnte er schon ein Verbot durchsetzen, mithilfe von Unterstützern wie Carsten Stahl, Mobbing-Coach und Schauspieler.
Marcel Jeninga war am Entscheidungstag selber anwesend im Parlament. „Ich war sehr nervös und aufgeregt. Seit Jahren habe ich dafür gekämpft. Das war ein sehr emotionaler Moment“, beschreibt Jeninga den Tag. Wie fühlt er sich jetzt? „Ich bin immer noch total stolz. Ich kann es einfach nicht fassen. Ich will gar nicht wissen, wie viele Kinder ich dadurch gerettet habe. Die Täter können endlich bestraft werden.“
Zahlreiche Erfolge
Seit dem Missbrauch an seiner Tochter kämpft er dafür, dass die Täter bestraft, Pädophilen-Vereine aufgelöst werden und vor allem für die Sicherheit der Kinder. Zahlreiche Erfolge konnte er während seines Weges schon feiern, doch das sei sein bisher größter.
Dies würdigten auch die Abgeordneten in Straßburg. „Sie haben über mich gesprochen vor der Abstimmung“, erzählt der Wahl-Seesener und muss innehalten. Er kämpft mit den Tränen. „Dann haben alle geklatscht. Ich bin einfach so stolz. Ich kenne niemanden, der so etwas geschafft hat.“
Der Europaparlament-Abgeordnete Jeroen Lenaers sagt dazu (übersetzt): „Kinder müssen überall in Europa gleich sicher sein. Täter wissen genau, in welchen Ländern sie mit diesen Verbrechen am leichtesten durchkommen. Deshalb ziehen wir die Sache durch: strengere Strafen und ein Verbot der widerlichen Pädo-Handbücher in allen 27 Mitgliedstaaten. Auch KI-generiertes Material zum Kindesmissbrauch greifen wir an, das gehört zu dieser digitalen Zeit. Das Internet kennt keine Grenzen, daher ist ein europäischer Ansatz notwendig.“
Mit großer Mehrheit stimmten die Abgeordneten für das Verbot. 663 Stimmberechtigte gab es und 599 stimmten dafür. Die genauen Verhandlungen mit den Mitgliedstaaten haben Ende Juni begonnen. Außerdem dankt der Verein International Children Help für die Unterstützung und die Zusammenarbeit.
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