Bus fährt in Othfresener Hauswand: Jetzt sprechen die Anwohner
Auf spiegelglatter Fahrbahn rutscht am Freitag ein Linienbus in Othfresen in eine Hausfassade. Es ist bereits das vierte Mal. Weitere Beinahe-Unfälle addieren sich. Foto: Leifeld
Ein Gelenkbus der Linie 860 Salzgitter-Goslar gerät am Freitagabend auf eisglatter Straße ins Rutschen. Für die Othfresener ist es ein durchaus bekanntes Problem.
Othfresen. Rums! Mit einem lauten Getöse rauschte am späten Freitagabend erneut ein Linienbus in die Hausfassade der Othfresenerin Carmen Varnava. Das Fallrohr ist verbogen, einzelne Platten der Fassade sind zerplatzt, und Steine liegen vor dem Haus. Mehr noch: Ein Eisenpfahl, den die Hauseigentümerin bereits vor geraumer Zeit als „Prallschutz“ an der Hausecke einbetoniert hatte, ist deformiert.
Am Tage nach dem Unfall zeigen sich die Schäden. Foto: Leifeld
Es ist bereits das dritte Mal seit 2021, dass der Linienbus 860 Salzgitter – Goslar der HarzBus GmbH bei Eisglätte in die Hausfassade rutscht. Ein weiteres Mal kam der Bus kurz vor dem Haus und dem geparkten Auto der Hausbesitzerin zum Stehen.
Linienbus plötzlich vom Fenster
„Wir wollten gerade essen, da hat es gescheppert“, erzählte die 58-Jährige und erinnerte sich an den Schreckmoment, als der Bus plötzlich so nah vor ihrem Fenster auftauchte. Ihr Wohnzimmer befindet sich direkt an der nun erneut beschädigten Hausecke. „Diesmal werde ich einen Statiker hinzuziehen müssen“, sagte sie und richtete den Blick auf die umherliegenden Steine.

Erst gegen 20.30 Uhr kam der Bus wieder frei. Foto: Wahnschaffe / Privat
Personenschäden gab es durch den Unfall am Freitagabend glücklicherweise nicht. Die fünf Fahrgäste und der Busfahrer blieben unverletzt. Auch der Gelenkbus blieb fahrbereit. Nach dreieinhalb Stunden konnte er gegen 20.30 Uhr mit der Hilfe eines örtlichen Landwirts freigeschleppt werden. Was bleibt, ist der Schock bei der Hausbesitzerin – und noch größer ist der Ärger der Othfresener, denn diese Gefahrenstelle gab es nicht immer im Ort.
Zur Erklärung: Erst seit dem Einsatz von Gelenkbussen und dem damit verbundenen geänderten Fahrplan des Unternehmens HarzBus GmbH müssen die Busse von der Hauptstraße (L500) in die Straße „Feldberg“ einbiegen. Ein Wenden in der Ortsmitte am „Krüh“, wie es mit Single-Bussen bis dahin möglich war, ist mit den 18,75 Meter langen Doppelbussen nicht mehr machbar.
Rutschige Pflastersteine
In den „Feldberg“ einbiegen müssen die Busse auch, um eine dauerhaft neu eingerichtete Haltestelle an der Grundschule in der vorgegebenen Linienführung verlässlich und vor allem an der richtigen Straßenseite anfahren zu können.

Das Problem ist nicht nur die leichte Steigung der Straße "Feldberg" und der enge Winkel, sondern auch die Pflastersteine, die bei Regen und frostigen Temperaturen sehr glatt werden. Foto: Leifeld
Die Krux ist: Nicht erst bei Schnee und Eis, sondern bereits bei Regen sind die Pflastersteine im Einmündungsbereich am Feldberg sehr rutschig. Hinzu kommt ein nicht unerheblicher Anstieg der Straße. Zur technischen Erklärung: Ein 22 Tonnen schwerer Gelenkbus hat den Motor und die Antriebsachse im Heck. Er schiebt den vorderen Bus quasi vor sich um die Kurve. Und dort, wo im rechten Winkel abgebogen werden muss, ist es bei Eisglätte umso schwieriger.
„Es sind nicht nur die Pflastersteine. Die ganze Einmündung ist viel zu eng. Dort gibt es auch landwirtschaftlichen Begegnungsverkehr“, erinnerte Dorothea Ludewig-Urfels als Anwohnerin an weitere Beinahe-Unfälle. An ihrem Haus sind ebenfalls schon Schäden entstanden. „Der Feldberg ist nicht dafür gemacht, dass da täglich 70 Busse entlangfahren“, stellte sie fest.

Bei Eisglätte rutscht der Gelenkbus am Freitag beim Abbiegen in die Hausfassade. Foto: Leifeld
Auch Othfresens Ortsbürgermeister Harald Fricke könnte von zahllosen Anwohnerbeschwerden und Beinahe-Unfällen berichten. „Das ist aber eine andere Sache. Der Unfall ist passiert, weil die Pflastersteine glatt und der Busfahrer unerfahren war“, verdeutlichte er. Es sei schließlich Januar, und es habe geschneit. Da sei Straßenglätte nicht überraschend. Die Gemeinde Liebenburg habe aus seiner Sicht einen guten Winterdienst geleistet. Sicherlich seien aber die oft glatten Pflastersteine in jenem Einmündungsbereich ein Problem.
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Sie wurden vor vielen Jahren im Rahmen der Othfresener Dorferneuerung und damit zu Zeiten von Ortsbürgermeisterin Edith Ahlburg-Brandt verbaut. Das Ortsbild sollte schön aussehen, so die damalige Entscheidung. An einen Gelenkbus im Linienverkehr habe damals niemand gedacht.
Linienweg nicht verlassen
Für das Busunternehmen sei es nicht möglich, den Linienweg zu verlassen und woanders entlangzufahren, nur weil Schnee liegt, betonte eine Unternehmenssprecherin von HarzBus am Montagvormittag auf Nachfrage der Goslarschen Zeitung.
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Bei der Planung von Verkehrswegen und Linienführungen seien viele Faktoren zu berücksichtigen. Auch die Fahrzeiten und Anschlüsse an den Bahnhöfen in Goslar und Salzgitter-Bad müssen bedient und eingehalten werden. „Es ist nicht die Entscheidung eines einzelnen Unternehmens“, machte sie zu den vielfältigen Verknüpfungen deutlich.
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