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20. Geburtstag

GZ Plus IconWas verbirgt sich hinter der Tür des Bad Harzburger Lesestübchens?

Karin Krömer (68) ist seit ihrer Kindheit ein Bücherwurm.

Karin Krömer (68) ist seit ihrer Kindheit ein Bücherwurm. Foto: Müller

Zwei Schwestern, eine Leidenschaft: Geschichten, die im Regal schlummern. Seit 20 Jahren leiten Karin Krömer und Heike Wächter ihren Second-Hand- Buchladen in der Bad Harzburger Innenstadt und haben mittlerweile selbst einige Geschichten zu erzählen.

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Von Friederike Julia Müller
Dienstag, 10.09.2024, 11:00 Uhr

Bad Harzburg. Karin Krömer und Heike Wächter haben Grund zu feiern: Vor 20 Jahren gründeten die Schwestern ihre Second-Hand-Buchhandlung – das Lesestübchen. Zuerst wollten sie nur die eigenen alten Wälzer aussortieren, doch daraus wurde schnell mehr.

„Wir haben früher so viel gelesen. Die ganze Familie“, erzählt Karin Krömer nostalgisch. Zuerst war die Idee mit einem eigenem Buchladen scherzhaft gemeint, da die Regale zuhause überquollen. Doch als sie in der Herzog-Julius-Straße die Möglichkeit bekamen, sich einzumieten, nahm die Idee Form an. Seit jeher steht Krömer am Tresen, während ihre Schwester im Hintergrund die Abrechnungen macht.

Die ersten Seiten der Geschichte

Zuerst hatte das Lesestübchen nur drei Stunden am Tag geöffnet, da beide noch einer regulären Arbeit nachgingen. Es war für die beiden wie ein Hobby. Später übernahm Karin Krömers Sohn jedoch die Vormittage und schloss zusätzlich eine Umschulung zum Buchhändler ab.

Dass sich ihr Laden so lange halten würde, ist für Karin Krömer nicht selbstverständlich: „Wir hatten immer Sorge davor, was passiert, wenn alle Bücher weg sind.“ Doch als sie anfingen, Bücher anzukaufen, stellte sich die Angst als unbegründet heraus. „Das war ein Selbstläufer“, erinnert sich die 68-Jährige.

Von Dramen und schönen Kapiteln

Der Laden zog mehrfach um und machte bessere sowie schlechtere Zeiten durch. Durch Letztere half ihnen der Familienzusammenhalt. 2015 wurde eingebrochen, 2017 flutete ein Hochwasser das Lesestübchen. „Wir mussten drei Tonnen Bücher wegwerfen“, erzählt Karin Krömer. „Das war ein großer finanzieller Schaden. Wir wollten eigentlich schon aufgeben.“ Doch ihre Eltern halfen mit einem Kredit und auch Krömers Sohn stand zur Seite. „Der kam mit seiner ganzen Fußballmannschaft, um den Boden neu zu machen.“

In der Herzog Wilhelm Straße bekommen Bücher ein zweites Leben

In der Herzog Wilhelm Straße bekommen Bücher ein zweites Leben Foto: Müller

Positiv im Gedächtnis geblieben ist ihr das Mitwirken in einem Radioformat namens „Plattenkiste“ im Jahr 2005. Obwohl ihre Schwester und auch sie selbst aufgeregt waren, hatte es sich gelohnt: „Wir haben ganz viele Nachrichten bekommen. Von Menschen, die uns ihre Bücher einfach schenken wollten.“ Normalerweise kaufen sie die Bücher jedoch an. Für ihre Kunden, die meistens Studierende oder junge Familien sind, ist das immer noch günstiger, als Bücher neuzukaufen.

Das letzte Wort ist noch nicht geschrieben

Trotz aller Herausforderungen gibt das Lesestübchen den Gründerinnen viel zurück. Auch der Nachhaltigkeitsaspekt ist den Buchhändlerinnen wichtig. „Man muss Bücher lieben,“ ist sich Karin Krömer sicher. „Sonst kann man diese Arbeit nicht machen.“ Die Zukunft des Ladens ist noch nicht gesichert, da der Sohn ihn aus gesundheitlichen Gründen nicht übernehmen kann. Doch die Schwestern möchten so lange weitermachen, wie es ihnen möglich ist. Nach 20 Jahren kann sie ein positives Resümee ziehen: „Das war die beste Idee, die wir je hatten.“

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