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Nach 60 Jahren ist Feierabend

GZ Plus IconEine beliebte Bündheimer Institution steht kurz vor dem Aus

Die Sommerfeste der Kolpingfamilie sind legendär.

Die Sommerfeste der Kolpingfamilie sind legendär. Foto: Archiv

Seit mehr als 60 Jahren gibt es die Bündheimer Kolpingfamilie, sie war lange eine Instuitution in der Stadt. Nun wird sie aufgelöst Die GZ erklärt, woran das liegt.

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Von Holger Schlegel
Montag, 19.01.2026, 14:00 Uhr

Bad Harzburg. Nach mehr als 60 Jahren steht die Bündheimer Kolpingfamilie vor dem Aus: Während der Jahreshauptversammlung am Freitag war die Auflösung ein Thema, das die Mitglieder zwar wehmütig, aber auch nicht unbedingt hoffnungslos machte.

Es gibt noch treue Mitglieder

Die Bündheimer Kolpingfamilie, die an die katholische Kirchengemeinde St. Gregor angeschlossen ist, gibt es seit 1963 (siehe Kasten). Sie hat aktuell 54 Mitglieder, zwei weniger als im Jahr zuvor. Viele von ihnen sind schon ewig dabei, Herbert Bock zum Beispiel wurde für 70 Jahre Treue zum Internationalen Kolpingwerk geehrt. Er ist somit länger Kolpingmitglied als die Kolpingfamilie Bündheim besteht. Außerdem wurden Dagmar Risch und Rudolf Sdralek für 50 Jahre Mitgliedschaft, Hubert Ackert für 40 Jahre, Florian Lyga für 30 Jahre und Monika Jahnke für 10 Jahre Mitgliedschaft geehrt.

Kontakte aufrechterhalten

Aber retten wird solche Treue die Kolpingfamilie wohl auch nicht. In zwei Jahren sind Vorstandswahlen fällig und der aktuelle Vorstand hat schon vor längerer Zeit entschieden, aus Altersgründen nicht mehr für eine weitere Amtszeit zur Verfügung zu stehen. Jüngere Kandidaten für die Vorstandsarbeit sind im Moment nicht zu finden und deswegen wird sich die Kolpingfamilie Bündheim dann wahrscheinlich auflösen müssen.

Einen Anschluss an andere Kolpingfamilien der Umgebung ist zwar möglich, aber wegen des Alters und der Immobilität der Mitglieder wenig wahrscheinlich. Jedes Kolpingmitglied kann dann aber auch als Einzelmitglied im Kolpingdiözesanverband Mitglied bleiben, oder sich einer anderen Kolpingfamilie anschließen. „Die gewachsenen, guten Kontakte der Kolpingmitglieder in Bündheim könnten erhalten bleiben, wenn sich für die einzelnen Zusammenkünfte Organisatoren finden ließen“, hieß es vor Ort. Und das sorgte für ein wenig Erleichterung.

Vorsitzender Joachim Lyga (l.) und sein Vize Udo Raders (r.) mit den Geehrten (v.l.) Rudolf Sdralek, Herbert Bock, Florian Lyga und Monika Jahnke.

Vorsitzender Joachim Lyga (l.) und sein Vize Udo Raders (r.) mit den Geehrten (v.l.) Rudolf Sdralek, Herbert Bock, Florian Lyga und Monika Jahnke. Foto: Privat

Und Geselligkeit und Zusammengehörigkeit werden bei der Bündheimer Kolpingfamilie großgeschrieben. Es wurde auf viele Veranstaltungen im vergangenen Jahr zurückgeblickt. Veranstaltungen und Aktivitäten, die allerdings auch ins Geld gingen: Den Einnahmen von 2259,46 Euro standen Ausgaben von 4715,22 Euro gegenüber.

Die hohen Ausgaben setzten sich zusammen aus Kosten für Geschenke bei besonderen Geburtstagen, Präsente bei Ehrungen, Kondolenzgeschenke bei Todesfällen und Spenden für wohltätige Organisationen. Außerdem hatte der Vorstand beschlossen, dass beim Sommerfest 2025 keine Teilnahmegebühren erhoben wurden. Der Verlust kann aber durch Rücklagen ausgeglichen werden.

DIE KOLPINGFAMILIE

Am 5. Mai 1963 hatten 25 junge Männer und ein Seelsorge-Pfarrer die Bündheimer Kolpingfamilie ins Leben gerufen. Die Männer waren vorher aktiv in der katholischen Jugend tätig gewesen, dieser aber zu diesem Zeitpunkt bereits entwachsen. So waren sie auf den Gedanken gekommen, einen Gesellenverein zu gründen. Die Mitgliedschaft kostete monatlich 1,50 DM. Voraussetzung zum Beitritt war damals noch ein Mindestalter von 18 Jahren sowie die katholische Konfession. Das änderte sich erst später.

Erster Vorsitzender wurde damals Walter Rücker, der das Amt bis zu seinem Tod 2004 ununterbrochen innehatte. Die Kolpingfamilie wuchs schnell: Nach den ersten zehn Jahren zählte man bereits 70 Mitglieder. Nach 25 Jahren waren es stolze 121 Kolpingschwestern und -brüder.

In den Anfangsjahren etwa gab es Gemeinschaftsabende mit Skat und Schach, Fahrten ins In- und Ausland sowie Vorträge und Weiterbildungsseminare zu unterschiedlichen Themen. Darüber hinaus stellte die Kolpingfamilie sogar eine eigene Fußballmannschaft. Im Jahr 1975 wurde zusätzlich eine Mädchengruppe gegründet. Zwischen 1986 und 2017 nahm die Kolpingfamilie Bündheim regelmäßig aktiv am Salz- und Lichterfest teil, verkaufte dort Getränke.

Heute ist die Zahl der Mitglieder auf 54 zurückgegangen, das Durchschnittsalter stark angestiegen. Zuletzt ist es ruhiger geworden um die Bündheimer Kolpingfamilie. Trotzdem ist sie immer da, wenn sie gebraucht wird: Als „harten Kern“ hatte etwa Emil Schwab die Kolpingfamilie anlässlich des 50-jährigen Bestehens im Jahr 2023 im Namen der St.-Gregor-Gemeinde bezeichnet. Sie sei immer da, wenn es auf der Anlage oder in den Gebäuden rund um die Kirche etwas zu tun gäbe. Es habe sich klar erwiesen, dass die Kolpingfamilie Bündheim in der Stadt Bad Harzburg starke Wurzeln geschlagen hat und aus dem Gemeindeleben nicht mehr wegzudenken ist, hieß es seinerzeit vom 2. Vorsitzender Udo Raders. Es habe in der Vergangenheit Höhen und Tiefen gegeben, die jedoch immer gemeistert worden seien. Danach sieht es jetzt nicht mehr aus.

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